Zulassungs-Desaster in Berlin eskaliert

Von Jens Rehberg

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Sechs Wochen und länger dauert es im Moment in der Bundeshauptstadt, wenn man als Händler ein Fahrzeug zugelassen haben möchte. Den Berliner Autohäusern reicht es – sie wenden sich direkt an den Regierenden Bürgermeister.

Landesamtes für Bürger-und Ordnungsangelegenheiten im Berliner Bezirk Lichtenberg.(Bild:  picture alliance/dpa | Carsten Koall)
Landesamtes für Bürger-und Ordnungsangelegenheiten im Berliner Bezirk Lichtenberg.
(Bild: picture alliance/dpa | Carsten Koall)

Die Berliner Autohändler protestieren gegen „unhaltbare Zustände“ in den Kfz-Zulassungsstellen der Bundeshauptstadt. Mehrere große Autohäuser haben den Regierenden Bürgermeister Berlins Michael Müller in einem offenen Brief aufgefordert, sich der Sache anzunehmen. Aktuell dauere es mindestens sechs Wochen, ehe ein neues oder gebrauchtes Fahrzeug zugelassen werden kann, heißt es in dem Schreiben, das »kfz-betrieb« vorliegt.

„Es entstehen enorme zusätzliche Kosten und unsere Kunden haben keinerlei Verständnis, wenn sie ihr Fahrzeug bezahlt haben, aber nicht abholen können“, heißt es in dem Brief. „Wir müssen Mietwagen für sie bereithalten und finanzieren.“

Die Händler gingen ein hohes finanzielles Risiko ein, wenn Vereinbarungen mit den Herstellern nicht umgesetzt werden könnten, weil die Wartezeiten bei den Zulassungsstellen dies unmöglich machen. Diese „vollkommen unnötigen und durch die Behörde verursachten Probleme“ würden das Kfz-Gewerbe zudem mitten in einer Zeit treffen, in der man auf eine Erholung der wirtschaftlichen Lage gehofft habe.

Unterzeichner des Appells sind die Geschäftsführer der Autohäuser König, Koch, Kadea, Meklenborg, Motor Company und Wegener sowie der Niederlassungen von FCA- und Renault Deutschland.

„Das Thema wird von der Berliner Obrigkeit verleugnet“, kommentiert König-Marketingchef Dirk Schumacher die Aktion. „Wir können das unseren Kunden nicht mehr erklären, wenn sein Auto einfach nicht zugelassen werden kann.“ Für Privatpersonen sei die Lage auf den Zulassungsstellen allerdings noch aussichtsloser – „die brauchen acht bis zehn Wochen“, so Schumacher. Sein letzter Stand ist, dass die Berliner Behörden circa 8.000 Vorgänge im Bearbeitungsrückstand seien.

„Es ist eine Farce“

„In Berlin ist es aktuell am dramatischsten“, sagte Philipp Kroschke, Geschäftsführer des Zulassungsspezialisten Christoph Kroschke, am Dienstag auf Anfrage. „Es ist eine Farce.“ Kroschke zeigte aber zugleich Verständnis für die Mitarbeiter der Behörden: „Wir wissen natürlich, dass dort ein enormer Druck herrscht, auch die Ämter selber brauchen Unterstützung.“

Allein Kroschke habe in der Bundeshauptstadt derzeit rund 1.500 Vorgänge im Vorlauf. „Wenn bei den eingereichten Unterlagen irgendwas vergessen wurde, kann sich die Zulassung bis zu zwei Monate lang hinziehen.“

Laut Philipp Kroschke müssen täglich vom Dienstleister zunächst Excel-Listen mit jeweils bis zu 250 Fahrgestellnummern erstellt und eingereicht werden. „Das dauert dann erst mal bis zu einer Woche, bis Sie überhaupt den Termin kriegen, zu dem das entsprechende Paket eingereicht werden kann“, schildert der Manager. Komme der Mitarbeiter zu diesem Termin eine halbe Stunde zu spät, sei es gut möglich, dass er sich wieder hinten anstellen muss.

Danach dauere es erneut circa eine Woche, bis gegebenenfalls auffalle, dass bei einem einzelnen Vorgang im Paket etwas fehle. „Auch hier geht es mit dem betroffenen Vorgang dann wieder von vorne los.“

Philipp Kroschke hat sich bereits an den Berliner Senator für Inneres gewandt – ohne Erfolg. „Man bekommt einfach kaum Gehör.“

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