Der deutsche Oldtimermarkt wächst, doch eitel Sonnenschein herrscht deshalb nicht in der Branche. Das liegt neben akuten Einbußen im Corona-Jahr auch an strukturellen Problemen wie dem fehlenden Nachwuchs. Wo es kneift, hat eine breit angelegte Studie der BBE in Zusammenarbeit mit relevanten Autoverbänden ermittelt.
Wie sieht der Young- und Oldtimermarkt aktuell aus? Welche Größe hat er, welche Fahrzeugsegmente spielen welche Rolle? Diese und viele andere Fragen beantwortet die Oldtimerstudie 2020 von BBE, VDA, VDIK und ZDK.
(Bild: BBE)
Das Oldtimergeschäft bietet den aktiven Kfz-Betrieben langfristig ein gutes Umsatzpotenzial. Allerdings müssen sich Werkstätten mit den entsprechenden Kompetenzen deutlich stärker am Markt profilieren, um ihr Potenzial besser auszuschöpfen. Zu diesem Ergebnis und vielen weiteren Erkenntnissen kommt die neu aufgelegte Oldtimerstudie der Beratungsgesellschaft BBE Automotive, die 2013 zum ersten Mal erschienen war, damals noch unter dem Titel „Wirtschaftsfaktor Young- und Oldtimer“. Im Fokus der Untersuchung stehen die Old- und Youngtimer, die in der Freizeit als Hobby oder Anlageobjekt genutzt werden. In Summe sind das circa 1,4 Millionen Fahrzeuge.
Für die aktuelle „Classic Studie Young- und Oldtimer 2020“ hat die BBE zusammen mit den Verbänden VDA, VDIK und ZDK sowie den Unternehmen Bosch, Vogtmann & Herold, FSP/TÜV Rheinland, Württembergische Versicherung, Glasurit, Classic Data und „Oldtimer Markt“ die Branche befragt und analysiert. Die Studie beruht zum einen auf Daten des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA), zum anderen auf einer bundesweit angelegten Befragung von etwa 300 Werkstätten mit Bezug zum Classic Business. Zudem haben die Verantwortlichen den Oldtimerbestand bezüglich seines Wertes analysiert und segmentiert.
Der Bestand an „Classic Cars“ (Young- und Oldtimer ab 15 Jahren) ist gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent gewachsen und umfasst derzeit rund 9,5 Millionen Fahrzeuge. Mit zweistelligen Wachstumsraten entwickeln sich lediglich die Fahrzeuge ab 25 Jahren dynamisch. Bei Youngtimern zwischen 15 und 19 Jahren hingegen stellt sich bereits eine leicht rückläufige Entwicklung ein, so die Studienmacher. Im Rahmen ihrer Untersuchung haben sie den Bestand an Pkws in sieben Segmente unterteilt. Bei den Oldtimern zeigt sich, dass diese in Summe etwa eine Million Fahrzeuge umfassen, allerdings sind das lediglich etwa 1,8 Prozent des gesamten Fahrzeugbestands in Deutschland. Davon sind circa 200.000 mithilfe eines „07er“-Kennzeichen zugelassen oder zum Beispiel in Museen und Sammlungen auch gar nicht.
Lohn und Brot für viele, aber nach wie vor Nachwuchssorgen
„Die Branche kommt konsolidiert aus dem Corona-Jahr und blickt optimistisch in die Zukunft, denn auch in den kommenden Jahren ist mit einem leichten Wachstum zu rechnen. Aus dem hochwertigen Bestand der mindestens 25-jährigen Youngtimer werden jährlich in etwa 70.000 zum Oldtimer werden“, berichtet Gerd Heinemann, Geschäftsführer der BBE, anlässlich der Vorstellung der Studie in der Motorworld Köln-Rheinland. Weitere wichtige Kenngrößen des Classic-Marktes: Mehr als 3.500 Werkstätten und Autohäuser mit über 9.000 Beschäftigten engagieren sich in diesem, 3.000 Händler liefern Teile, und von 4.000 Events im Jahr profitieren zahlreiche Branchen.
Wie auch an andere Stelle hat die Corona-Pandemie zu wirtschaftlichen Einbußen geführt: Rund 60 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, solche erlitten zu haben. Doch für 2021 herrscht Optimismus vor, so die überwiegende Meinung. Nach wie vor bewegen die Branche die Rekrutierung geeigneter Fachkräfte, die häufig schwierige Teilebeschaffung und Hilfestellung bei komplexen Reparaturen. Auch der fehlende Austausch mit Kollegen wird bemängelt. Die BBE sieht dabei große Chancen für die Branche durch Vernetzung: „Hier fehlt es derzeit aber an Strukturen“, so Martin Sölter von der BBE Automotive.
Hohe Akzeptanz in der Gesellschaft, deutsche Marken dominieren
Aktuelle Ergebnisse aus der 2020er-Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) zeigen, dass sich 43 Prozent der Bevölkerung freuen, wenn sie einen Oldtimer sehen, und jeder Dritte gerne einmal mit einem Oldtimer fahren würde. Immerhin 17 Prozent würden gerne einen solchen besitzen. Zusammenfassend sind Oldtimer für fast jeden Zweiten etwas Besonderes, charmant und bieten auch Zugang zu Gleichgesinnten. Erwähnenswert sind auch die jungen Autofahrer, denn die unter 30-Jährigen stellen mit 23 Prozent die größte Gruppe mit „Interesse an der Fahrt mit einem Oldtimer“ dar.
Im Oldtimer- und auch im Youngtimer-Bestand dominieren die deutschen Marken. Am häufigsten vertreten sind Volkswagen und Mercedes-Benz. Sie stehen für 43 Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge. Volkswagen stellt auch die Top-3-Modelle, angeführt vom Käfer mit 53.000 Einheiten, gefolgt vom Golf (41.000) und dem VW Bus (37.000). Die zwei Importmarken Fiat und GM schaffen es mit mehr als 20.000 Einheiten unter die Top 10.
Ein Wert von 24 Milliarden Euro und deutliche regionale Unterschiede
Eine Expertenrunde nahm in der aktuellen Studie erstmals eine bestandsorientierte Bewertung vor. Im Ergebnis wird deutlich, dass Oldtimer kein so teures Hobby sind, wie gern angenommen wird. Es dominiert das Volumensegment im Wert von 10.000 Euro bis 50.000 Euro mit einem Anteil von 51 Prozent. Eine kleine Gruppe von lediglich acht Prozent aller zugelassenen Oldtimer hat einen höheren Wert als 50.000 Euro. Die zweitgrößte Gruppe mit 41 Prozent der zugelassenen Oldtimer liegt beim Wert bis zu 10.000 Euro. Das Premiumsegment mit seinen acht Prozent aller zugelassenen Oldtimer steht aber für 38 Prozent des gesamten Fahrzeugwerts in Höhe von 24 Milliarden Euro. „Der Einstieg in die Oldtimerszene ist erschwinglich“, so Gerd Heinemann von der BBE.
Stand: 08.12.2025
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In Deutschland können die sogenannten Oldtimerhochburgen leicht über den Fahrzeugbestand identifiziert werden. Grundsätzlich befinden sich diese insbesondere in den kaufkraftstarken Gebieten der Großstädte und deren Umland. Am Beispiel der Stadt Bottrop mit einem vergleichsweise hohen Oldtimeranteil von 3,8 Prozent (Bundesdurchschnitt: 1,8 Prozent) wird aber deutlich, dass auch andere Regionen durchaus Hochburgen in Sachen Oldtimer darstellen. Die Bestandsstruktur unterscheidet sich hier deutlich von kaufkraftstarken Gebieten mit Mercedes- und Porsche-Dominanz: Hier verfügen Marken wie Opel, Ford und Volkswagen über eine größere Bedeutung und bekräftigen die starke, emotionale Bindung zum historischen Kulturgut.
Zahlreiche Betriebe haben Nachholbedarf
Das Ergebnis der Studie bestätigt die Autoren und Partner in ihrer Einschätzung der Entwicklung; sie blicken optimistisch in die Zukunft. Gleichzeitig mahnen sie aber gemeinsame Maßnahmen an, um das tägliche Geschäft durch starke Netzwerke zu optimieren und zu professionalisieren. Auch bei der Selbstdarstellung und Sichtbarkeit der Marktakteure im lokalen Bereich, aber insbesondere im Web, haben sie klare Defizite erkannt. Viele Betriebe präsentieren sich nicht aktiv mit ihrer Kompetenz und Dienstleistung. Sie verfügen über wenig Classic-Ambiente und nutzen ihre Chancen, sich eindeutig und regional zu positionieren, mitunter nur unzureichend, so die Studienmacher.
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