»kfz-betrieb« Auto-Check Kia Sorento PHEV Zwischen den Stühlen

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 4 min Lesedauer

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Kias großes SUV kann als Plug-in-Hybrid nicht überzeugen: Zum kompetenten Elektriker fehlt es ihm an Reichweite, zum klassischen Reise-SUV an souveräner Zugkraft. Das ist schade, denn sonst kann man dem Sorento wenig vorwerfen.

Zum aktuellen Modelljahr wurde der Sorento optisch überarbeitet und vor allem an der Front auf die neue Kia-Designlinie umgestellt.(Bild:  Rosenow – VCG)
Zum aktuellen Modelljahr wurde der Sorento optisch überarbeitet und vor allem an der Front auf die neue Kia-Designlinie umgestellt.
(Bild: Rosenow – VCG)

Noch gibt es ihn als Diesel zu kaufen, den Sorento. Und es ist bislang noch keine bessere Antriebsquelle gefunden worden für diese Art von Fahrzeugen und den Einsatzzweck, für den sie gebaut werden: Langstreckenfahrten mit Familie, gerne mit viel Gepäck und einem Anhänger am Haken, auf dem sich ein Boot, ein Pferd oder zwei Motorräder befinden.

Aber natürlich kann man nicht jeden Tag in den Urlaub fahren, und so werden auch die größten SUVs sehr oft zur täglichen Berufspendelei eingesetzt. Und für diesen aufreibenden Einsatz müsste sich ein Plug-in-Hybrid doch viel besser eignen als der Diesel, dem schon beim Gedanken an Kurzstreckenverkehr der Partikelfilter verstopft. Schließlich meistert er die Kurzstrecke elektrisch, bringt auf der Langstrecke aber die Reichweitenvorteile des Verbrenners zum Tragen.

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Theoretisch. Denn dafür braucht es einen Antrieb, der genügend elektrische Reichweite und Durchzugskraft bietet, um auf der Pendlerstrecke ohne Einsatz des Verbrenners zu bestehen. Und hier – sprechen wir es gleich zu Beginn klar aus – kann der Kia Sorento mit modernen Konkurrenten nicht mehr mithalten. Die Batterie speichert nur 13,8 kWh, was laut WLTP (kombiniert) für 55 Kilometer Reichweite reichen soll. Auf der Straße bleiben davon etwa 40 übrig. Das ist nicht schlecht im Vergleich zur ersten Generation der PHEVs, aber kann mit aktuellen Konkurrenten nicht mehr mithalten, die mittlerweile die 100-Kilometer-Marke übertreffen.

Auch die Fahrleistungen im reinen Elektrobetrieb können nur sehr ruhige Gemüter beeindrucken: Die im sechsstufigen Automatikgetriebe untergebrachte E-Maschine bringt gerade einmal 67 kW/91 PS zusammen. Im Ergebnis gelingt es nur mit einem sehr leichten Gasfuß, den großen Wagen zu beschleunigen, ohne dass der Verbrenner unterstützend eingreifen muss. Es gibt übrigens auch keinen echten E-Modus im Sorento PHEV; der Verbrenner kann jederzeit anspringen, um beispielsweise die Batterie nachzuladen, zu boosten oder die Klimatisierung sicherzustellen.

Gute Fahrleistungen, aber wenig Anhängelast

Als Elektroauto reüssiert der Sorento PHEV also nicht. Bringt er dann wenigstens auf Langstrecke die traditionellen Tugenden des Verbrennungsmotors zur Geltung? Die Betriebsstrategie des Hybridantriebs sorgt dafür, dass die Batterie nie komplett leer wird und darum immer eine elektrische Unterstützung zur Verfügung steht. In dieser Betriebsart überzeugt der Sorento durch ordentliche Fahrleistungen und einen moderaten Verbrauch. Wir maßen bei Autobahntempo einen Durchschnitt von 8,5 Litern auf 100 Kilometern.

Bei schnellerer Fahrweise können es jedoch auch zehn Liter werden. Da ist der Diesel deutlich sparsamer. Durch die platzraubende Batterie fällt zudem der Tank mit 47 Litern ziemlich klein aus (Sorento Diesel: 67 Liter). Die Gesamtreichweite des PHEV liegt mit rund 600 Kilometern wahrscheinlich nicht viel höher als die des gleich großen Elektro-SUV EV 9.

Ein weiteres Problem des PHEV: Obwohl er mit seinem Parallelhybrid eigentlich gute Voraussetzungen für den Anhängerbetrieb bietet, gesteht ihm Kia nur eine Anhängelast von 1.010 Kilogramm zu (gebremst). Zum Vergleich: Der Diesel darf 2,5 Tonnen an den Haken nehmen.

Sehr geräumiger und komfortabler Innenraum

Eigentlich ist der Sorento jedoch ein Auto mit vielen Qualitäten. In einer Zeit, in der Mittelklasselimousinen wie der neue Audi A5 die 4,8-Meter-Marke überschreiten, ist er mit seinen 4,81 Metern Außenlänge fast schon kompakt. Gemessen daran ist das Platzangebot imposant und der Kofferraum riesig.

Auf Wunsch ist der Koreaner mit sieben Sitzen lieferbar, wir hatten die fünfsitzige Variante im Test. In beiden Sitzreihen sind die Passagiere luxuriös untergebracht, wobei den Vordersitzen in der mittleren Ausstattungslinie Spirit die Ventilations- und Massagefunktion noch vorenthalten bleibt. Äußerst bequem und langstreckentauglich sind die Möbel trotzdem. Die Fondpassagiere verfügen über eine verschiebbare Sitzbank und können auch selbst den Beifahrersitz verstellen, um sich noch mehr Beinfreiheit zu verschaffen.

Der Kofferraum fasst bei Normalstellung der Rücksitzbank schon fast 700 Liter, wobei die durch das Fehlen der dritten Sitzreihe unter dem Ladeboden vorhandenen Zusatzfächer mitgezählt sind. Bei umgeklappter Bank mutiert der Sorento mit über zwei Kubikmetern Ladevolumen zum Kleintransporter oder Aushilfs-Wohnmobil.

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Viele neue Fahrerassistenzsysteme

Nach ihrem Debüt im Jahr 2020 wurde die vierte Generation des Sorento zum Modelljahr 2025 überarbeitet und vor allem das Design der Front an die aktuelle Kia-Designlinie angepasst. Auffälligste Änderung im Interieur ist das neue Design des Armaturenbretts mit seinem gewölbten Panoramadisplay. Über die zusätzliche Bedieneinheit darunter lassen sich mit zwei Drehreglern und einer Reihe von Sensortasten die wichtigsten Infotainment- und Klimatisierungsfunktionen steuern – allerdings muss man erst zwischen den Betriebsarten umschalten. Ansonsten wird es lauter statt wärmer.

Mit der Modellüberarbeitung sind zudem zahlreiche Assistenzsysteme und -funktionen hinzugekommen, etwa der neue Autobahnassistent 2.0. Er kann ab einer bestimmten Geschwindigkeit eigenständig einen Spurwechsel durchführen, sobald der Fahrer in die entsprechende Richtung blinkt. Die Assistenzpalette des Sorento beinhaltet noch zahllose andere Systeme und Funktionen, die im besten Fall unterstützen wie der Abbiegeassistent mit Kamerabild im Display oder der Spurwechselassistent – oder ansonsten möglichst nicht negativ auffallen.

Aber irgendwas ist ja immer: Im Rahmen einer aktuellen Modellpflege hätte man deutsche Besonderheiten wie die „Fahrradstraße“ (Verkehrszeichen 244.1) durchaus mit einprogrammieren können. Denn dieses Schild beinhaltet ein Tempolimit von 30 km/h. Manche Autos zeigen dies an, der Sorento (noch) nicht.

Doch von solchen Kleinigkeiten abgesehen ist das große Kia-SUV ein attraktiver und kompetenter Reisewagen. Nur der Plug-in-Hybrid kann im Konkurrenzvergleich nicht mehr überzeugen. Allerdings steht die Weiterentwicklung dieser Antriebstechnik bei Kia auch nicht mehr im Fokus.

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