VW-Krise Zwischen Strategiesuche und Buh-Rufen

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Die Diskussion um Werksschließungen und Personalabbau sendet Schockwellen durch Gesellschaft und Politik. Dass es um die VW-Rendite nicht zum Besten steht, ist gleichwohl lange bekannt. Hinter der aktuellen Diskussion versteckt sich ein Strategiewechsel, an der Konzernchef Oliver Blume strickt.

Sucht einen neuen Weg für VW und das Gesamtunternehmen: Konzernchef Oliver Blume.(Bild:  Volkswagen)
Sucht einen neuen Weg für VW und das Gesamtunternehmen: Konzernchef Oliver Blume.
(Bild: Volkswagen)

Mit einer neuen Konzernstrategie will Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume Europas größten E-Autobauer zurück in die Erfolgsspur bringen. Auf einer Führungskräftetagung in Stockholm gab er erste Einblicke in die im Mai angekündigte neue Konzernstrategie für die Zeit bis 2035, wie ein Sprecher auf Anfrage bestätigte. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ berichtet. Noch sei die Arbeit an der „Group Strategy 2035“ aber nicht abgeschlossen, so der Sprecher. „Zu Details zur Konzernstrategie werden wir uns zu gegebener Zeit äußern.“

Blume hatte bereits auf der Hauptversammlung im Mai angekündigt, bis Jahresende eine neue Konzernstrategie für die Zeit bis 2035 vorzulegen. Sie soll die noch von Blumes Vorgänger Herbert Diess entwickelte „Strategie 2030“ ablösen. Blume hatte direkt nach seinem Amtsantritt ein Zehn-Punkte-Programm aufgesetzt, das seither die Richtung bestimmt. „Kurz- und mittelfristig geben das Top 10 Programm und die Planungsrunde die Leitplanken vor. Langfristig die Group Strategy“, so der Sprecher.

Dem „Handelsblatt“ sagte Blume: „Volkswagen soll zum weltweit führenden automobilen Technologiekonzern aufgebaut werden. Wir wollen die besten Technologien und Services nachhaltig in die Gesellschaft bringen.“ Es gehe dabei um Felder wie Design, Plattformkonzepte, Software, Batterietechnologie, aber auch Mobilitätsangebote. „Wir müssen in der Breite überzeugen, ähnlich wie ein Zehnkämpfer.“

Europas größter Autobauer hatte am Montag. 2. September, angekündigt, angesichts der sich zuspitzenden Lage den eingeschlagenen Sparkurs bei der Kernmarke VW noch einmal zu verschärfen. Auch Werkschließungen in Deutschland und betriebsbedingte Kündigungen werden nicht länger ausgeschlossen.

IG Metall im konstruktiven Widerstand

Die IG Metall hat eine erste Lösungsmöglichkeit ins Gespräch gebracht: Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, kann sich die Gewerkschaft eine Vier-Tage-Woche für alle Beschäftigten der Kernmarke vorstellen. „Das kann mit eine der Optionen sein“, sagte die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner am Rande einer tarifpolitischen Konferenz in Hannover. „Wir sollten nichts ungenutzt lassen an Ideen, wie wir Beschäftigung und Standorte erhalten können.“

Wichtig sei, dass die Werkschließungen und betriebsbedingten Kündigungen, die VW nicht mehr ausschließt, vom Tisch kämen, betonte Benner. „Das sind für uns absolut rote Linien.“ Mit dem Konzern wolle man nun schnell ins Gespräch kommen, um gemeinsam über Lösungen zu verhandeln. „Was wir jetzt brauchen, ist Klarheit für die Beschäftigten“, sagte Niedersachsens IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger. „Deswegen wollen wir möglichst schnell in die Gespräche gehen mit dem Unternehmen und wollen keine lange Hängepartie.“

Die Politik schaltet sich ein

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich ebenfalls in die Krise bei Volkswagen eingeschaltet. Ein Regierungssprecher sagte am Mittwoch in Berlin, Scholz habe sowohl mit dem Management als auch mit der Konzernbetriebsratsvorsitzenden sowie Aufsichtsratsmitgliedern gesprochen. Dem Kanzler sei die Bedeutung von VW als eines der größten Unternehmen der Autoindustrie klar. Er sei sich bewusst über die Herausforderung der Transformation, vor der die gesamte Branche stehe. Scholz werde die Entwicklung ganz genau verfolgen. Es sei Sache jedoch des Unternehmens, die Probleme zu lösen, da mische sich die Bundesregierung nicht ein.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil erwartet, dass bei der Marke Volkswagen keine Werke geschlossen werden. Es müsse vorher über Alternativen gesprochen werden, sagte der SPD-Politiker dem Sender NDR Info. Das solle nun in vertraulichen Gesprächen passieren. Das Land Niedersachsen ist Großaktionär, Ministerpräsident Weil sitzt im Aufsichtsrat des Unternehmens. Der Ministerpräsident betonte zugleich, dass das Unternehmen wettbewerbsfähig sein müsse. Dafür müsse VW jetzt seine Hausaufgaben machen. Wie die genau aussehen, müsse sich nun klären. Die Verunsicherung in der Belegschaft müsse schnellstmöglich aus der Welt geschafft werden.

Pfiffe für VW-Chef Thomas Schäfer

Rund 5.000 Beschäftigte haben in der Zwickauer E-Auto-Fabrik von Volkswagen lautstark gegen drohende Kündigungen und Werkschließungen protestiert. Vor der außerordentlichen Betriebsversammlung wurde Markenvorstand Thomas Schäfer mit „Buh“- und „Pfui“-Rufen empfangen und von den Mitarbeitern ausgepfiffen. „Das Vertrauen ist weg“, sagte ein Mitarbeiter, der nach eigenen Angaben seit 30 Jahren hier arbeitet. Sie müssten die Fehler des Managements ausbaden, beklagt eine Mitarbeiterin, die in Zwickau mit einem großen Transparent ihrem Unmut Luft macht.

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