10. Tag der Automobilwirtschaft: Aufschwung nach der Krise
550 Gäste kamen zum Kongress des Instituts für Automobilwirtschaft nach Nürtingen. Hersteller und Handel diskutierten über Vertrieb und Service der Zukunft.
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Unter dem Motto „Aufschwung nach der Krise“ lud das Institut für Automobilwirtschaft (IFA) zum 10. Tag der Automobilwirtschaft in die Stadthalle nach Nürtingen ein. „Was wir in den letzten Wochen und Monaten an Ereignissen in der Automobilbranche erlebt haben, das gab es in den letzten 20 bis 30 Jahren nicht.“ Mit diesen Worten begrüßte Prof. Dr. Willi Diez die 550 Gäste aus Handel und Industrie zum Jubiläumskongress. „Aufschwung nach der Krise, wie gut ist die Branche darauf vorbereitet?“ Diese Fragestellung gab Diez an den Keynote-Speaker Günther Oettinger weiter.
Baden-Württembergs Ministerpräsident begrüßte ganz besonders den im schwäbischen Leonberg geborenen VW-Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Martin Winterkorn: „Mir ist nicht bange, wenn es um die Standorte von Porsche und Audi in Baden-Württemberg geht.“ Dieses Bundesland stark zu halten, sei im Sinne des Volkswagenkonzerns. Nicht ganz so positiv sieht er die Zukunft des Autobauers in Rüsselsheim. Das Engagement für Opel seitens der Bundesregierung hält Oettinger weiterhin für mehr als fragwürdig: „Wer hier auf Dauer hilft, hilft in Wahrheit nur auf Zeit. Die Marktveränderung kann man nicht durch Subventionen und Kapitalspritzen verhindern.“
Ferner sprach der Ministerpräsident über seine Vorstellung bezüglich der individuellen Mobilität: „Ich bin davon überzeugt, dass in diesem Jahrhundert die individuelle Mobilität unverändert wächst.“ Um sie weiterhin sicherzustellen, forderte er die neue Bundesregierung auf, „nachdem der Aufbau Ost im Straßenbau abgeschlossen ist, jetzt im Süden und Südwesten Deutschlands aufzuholen.“
Der Ministerpräsident ging in seiner Rede auch auf die Elektromobilität ein: „Nach der IAA mit all der dort gezeigten Elektromobilität war eine Prognose nie so schwierig wie heute. Ich bin mir aber sicher, dass der Otto- und Dieselmotor noch Jahrzehnte im Mittelpunkt der Mobilität stehen wird.“ Die Elektromobilität kommt für ihn nur ergänzend dazu. Jedoch forderte Oettinger die Zulieferindustrie auf, „sich mit der völlig neuen Wertschöpfungskette rechzeitig auseinander zusetzen.“ Davon sei Baden-Würrtembergs Zulieferindustrie besonders betroffen.
Gut für Volkswagen, gut für Porsche
Mit dem Thema „Die Zukunft der Weltautomobilindustrie“ kam der zweite Keynote auf die Bühne: Prof. Dr. Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, antwortete dem Ministerpräsidenten zu Beginn seiner Rede: „Mit dem neuen integrierten Automobilkonzern verliert das Land Baden-Württemberg nichts an seiner Attraktivität. Alle Marken werden mit einem eigenen Headquarter, eigener Entwicklung, eigenem Vertrieb und eigener Markenidentität geführt. Das ist gut für Volkswagen, gut für Porsche und eben auch gut für das Autoland Baden-Württemberg.“
Winterkorn bedankte sich ausdrücklich bei der alten Bundesregierung: „Mit der Umweltprämie hat sie den Automobilstandort Deutschland gestärkt und viele Arbeitsplätze gesichert.“ Jedoch sei das jetzige Auslaufen der Prämie „ebenso richtig“. Mit Blick auf die aktuellen Schlagzeilen in Medien und Politik mahnte der VW-Chef allerings: „Ich warne ausdrücklich vor zu großem Optimismus. Jetzt schon das Ende der Krise anzukündigen, ist entschieden zu früh. Das Jahr 2010 wird ein sehr schwieriges Jahr – gerade auch in Deutschland.“ Den Neuwagenmarkt im nächsten Jahr sieht der VW-Chef „bei 2,7 bis 2,95 Millionen Einheiten, genau weiß es keiner“. Der Automobilmarkt Deutschland bleibt für ihn allerdings auch künftig eine stabile Größe. Ab 2015 prognostiziert Winterkorn wieder 3,3 Millionen verkaufte Neuwagen pro Jahr.
Auf die Frage, ob Volkswagen künftig auf den selbstständigen Händler baue oder die eigene Retailorganisation forciere, antwortete Winterkorn: „Das ist ein sehr komplexes Thema, aber ich höre sehr genau zu, was mir die Händler erzählen.“ Laut Winterkorn sind die Handelspartner insgesamt sehr zu frieden. Deren größtes Problem seien die Restwerte der Leasingfahrzeuge. „Hier werden wir ein Programm aufsetzen, um die Händler wieder zu beruhigen.“ Was die Rendite betrifft, sei diese nach der Umweltprämie wieder schlechter geworden. „Einige Händler haben jedoch auch festgestellt, dass sie nach der Umweltprämie Autos wieder verkaufen und nicht einfach verteilen müssen.“ Apropos verkaufen: Ob man Autos herstellen oder Autos verkaufe sei ein großer Unterschied. Winterkorn dazu: „Davon verstehen unsere Partner mehr. Das Retailgeschäft sollen unsere Händler machen.“
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