18. Expertenmeeting: Wer bekommt den Unfallschaden?
Das 18. Expertenmeeting Karosserie-Instandsetzung führte den Teilnehmern die teils drastischen Veränderungen im Unfallreparaturgeschäft vor Augen. Es gibt eine deutliche Überkapazität in der Karosserie-Instandsetzung.
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„Der Markt für das K&L-Geschäft wird sich künftig dramatisch verändern.“ Mit dieser These konfrontierte Karl Damschen vom Ingenieurbüro Damschen in Weinheim die Teilnehmer des 18. Expertenmeetings Karosserie-Instandsetzung von »kfz-betrieb«. Um seine These zu belegen, stellte der Ingenieur die Reparaturkapazität der deutschen Betriebe ins Verhältnis zum Reparaturpotenzial. Das Ergebnis: eine Überkapazität der Werkstätten von bis zu 30 Prozent.
„Diese Überkapazität führt dazu, das Assisteure und Versicherungen bei der Auswahl ihrer Werkstattpartner aus dem Vollen schöpfen können“, erklärt Damschen. Für die Werkstätten sei dies keine gute Verhandlungsposition, zumal die Zahl der Unfälle immer weiter sinke.
Rund 120 Teilnehmer konnte Konrad Wenz, Ressortleiter Service & Technik der Vogel Automedien, zum diesjährigen Expertenmeeting Karosserie-Instandsetzung begrüßen. Vertreter der Automobilhersteller und -importeure, der Verbände, der Versicherungen, der Sachverständigenorganisationen, der Lackindustrie und natürlich der Werkstattausrüster kamen ins Vogel Convention Center nach Würzburg. In diesem Jahr beschäftigte sich das Branchenevent in erster Linie mit den Konzepten der Fahrzeughersteller zur Karosserie-Instandsetzung.
Vielseitige Gründe
Aus Damschens Ausführungen zu Beginn des Meetings wurde ersichtlich, warum in den vergangenen Jahren immer mehr Hersteller die Karosserie- und Lackinstandsetzung für ihre Servicenetze entdeckt und eigene Werkstattkonzepte entwickelt haben: Es geht um Marktanteile in der Karosserie-Instandsetzung, es geht um die Stärkung der Marktposition, es geht darum, ein Gegengewicht zur Schadensteuerung der Versicherungen aufzustellen und – den Herstellern und Versicherungen sei es geglaubt – es geht um Reparaturqualität.
Michael Reitz, Unfallschadenmanager bei Opel, erklärte, dass das Opel-Karosseriekonzept durch die technische Entwicklung der Fahrzeuge notwendig geworden sei. Gegenüber dem Kunden sei jeder Opel-Betrieb auch der Karosseriespezialist der Rüsselsheimer Marke. Fehle es einem an Know-how und technischer Ausstattung, so solle er „im Hintergrund“ seine Karosseriearbeiten demjenigen Markenkollegen geben, der die Karosserie-Instandsetzung durchführen kann.
Verschiedene Stähle
„Hightech im Fahrzeugbau heißt auch Hightech in der Karosserie-Instandsetzung“, führte Reitz aus. Diese Behauptung untermauerte er mit Bauplänen, die aufzeigen, wie viele unterschiedliche Stahlsorten heute in der Fahrzeugherstellung verbaut werden. Im Hinblick auf das notwendige Equipment in der Werkstatt sowie das Know-how der Monteure appellierte Reitz an die Schadensteuerer, den Werkstätten die Stundenverrechnungssätze zu zahlen, die sie benötigen, um die Anforderungen erfüllen zu können.
„Alle, die Unfallschäden koordinieren, haben eine enorme Verantwortung. Die Fahrzeuge müssen nach der Reparatur in den NCAP-Tests die gleichen Werte erreichen wie vor der Reparatur“, sagte Reitz. Deshalb habe man bei Opel vor etwa zwei Jahren ein Qualitätszertifikat eingeführt, das dem Autofahrer gewährleistet, dass sein Fahrzeug nach Herstellervorgaben repariert wurde.
Reitz erklärte, dass Schadensteuerung für einen Automobilhersteller etwas ganz Normales sei. In diesem Zusammenhang empfahl er, dass die Opel-Vertragspartner mit den Versicherern zusammenarbeiten sollten, obwohl er das Fairplay-Konzept der Allianz als den „Königsweg in der Zusammenarbeit zwischen Werkstatt und Versicherung“ bezeichnete. Jedoch schließe das eine das andere nicht aus.
Opel habe sehr viele Kompetenzzentren, die der Rüsselsheimer Hersteller im Unfallschadengeschäft unterstütze. Dafür gebe es ein Außendienstteam, dessen Aufgabe es sei, das Opel-Netz bei Versicherungen und Flottenbetreibern zu positionieren.
Händlersicht ist anders
Der Geschäftsführer der Ford-Händler-Dienstleistungsgesellschaft, Manfred Reddig, betrachtete das Konzept der Ford-Karosseriespezialbetriebe aus Sicht des Händlers. Ford habe schon 1992 die ersten Karosseriespezialbetriebe installiert. Seit Ende 2006 gebe es nun ein neues Konzept, das auch neue Standards mit sich gebracht habe. Dazu gehöre zum Beispiel gut ausgebildetes Personal, die elektronische Unfallschadenabwicklung, definiertes, umfangreiches Spezialwerkzeug, Abschleppservice und Mietwagen.
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