25 Jahre Opel Vectra: König ohne Kombi

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Dagegen war der erste Selbstzünder im Vectra noch ein rechter Phlegmatiker alter Schule: Gerade einmal 105 Nm Drehmoment entwickelte der bescheidene 42 kW/57 PS leistende Diesel mit Verteiler-Einspritzpumpe. Damit dauerte die Beschleunigung von Null auf Tempo 100 endlos scheinende 20 Sekunden. Bei so viel Beschaulichkeit musste man schon Hardcore-Knauserer sein, um sich über den Norm-Verbrauch von 4,4 Litern bei Tempo 90 zu freuen – zumal der kleinste Benziner mit entschieden temperamentvolleren 55 kW/75 PS auch nur 5,2 Liter konsumierte. Von Lifestyle und Dynamik, wie sie etwa die Sechszylinder-Selbstzünder im BMW 3er oder die Turbodiesel im VW-Konzern vermittelten, war der Ölbrenner im Vectra so weit entfernt, dass die Rüsselsheimer schnell mit einer 60 kW/82 PS entwickelnden Turboversion nachlegen mussten.

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Ganz anders am oberen Ende der Vectra-Palette. Hier vermittelte der bis zu 150 kW/204 PS starke 2,0-Liter-Turbo-Benziner sportliches Image, ähnlich wie es zuvor der größere Omega 3000 oder bei den Kompakten der Kadett GSI vermochten. Aber auch die Motorisierung „2000 16V“ mit 110 kW/150 PS hatte mit der aerodynamisch geformten Limousine leichtes Spiel. Zählte doch der cW-Wert von 0,29 zu den damaligen Klassenbestwerten.

Repräsentative Sechszylinder-Noblesse für die mittlere Opel-Linie brachte dagegen das neu entwickelte 2,5-Liter-24V-Triebwerk mit stattlichen 125 kW/170 PS Leistung. Auch als sportlichen Zweitürer gab es den Vectra, verdankt doch das Coupé Calibra seine Technik der ersten Vectra-Generation. Andererseits war es 1993 der Calibra, der dem neuen Vectra Turbo-Topmodell sein Allradsystem und das erwähnte aufgeladene 204-PS-Triebwerk spendierte. Damit war der Vectra 240 km/h schnell – damals noch eine echte Ansage für mittelgroße Familienautos.

Als im Frühjahr 1994 der Vectra CDX mit neu entwickeltem 2,0-Liter-16-Ventil-Motor das Programm auffrischt, geht die erste Vectra-Generation bereits in die letzte Runde. Der neue Vierzylinder ist Vorbote des Vectra B, der 1995 die Wachablösung übernimmt und schließlich auch als Caravan angeboten wird. Der Name Vectra hatte sich derweil als so klangvoll und eingängig erwiesen, dass Vauxhall – die englische Schwestermarke von Opel – die bis dahin gepflegte Modellbezeichnung Cavalier nun auch durch Vectra ersetzte. Tatsächlich wurde der Vectra als Chevrolet oder Opel aber auch in Afrika, Australien und Südamerika produziert. Eine globale Erfolgsgeschichte über drei Generationen. Die Ausnahmestellung des ersten Opel Vectra konnten die Nachfolger aber nicht mehr erreichen.

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