Nach der Wende waren sie „mega out“, heute sind sie „mega in“: Oldtimer aus einst sozialistischen Staaten erfahren einen wahren Boom. Ihr Marktwert hat sich innerhalb von zehn Jahren im Schnitt verdoppelt, wie eine Auswertung der Spezialisten von Classic Data und dem Sender MDR ergab.
Lange Zeit wurden sie verschmäht, jetzt sind sie heiß begehrt: Oldtimer aus ehemaligen sozialistischen Ländern.
(Bild: Hubert Rein)
Einst wurden sie verschmäht, jetzt sind sie plötzlich heiß begehrt: Ost-Oldtimer wie Wartburg und Trabant erleben 30 Jahre nach dem Mauerfall einen zweiten Frühling und gewinnen neue Fans. Ihr Marktwert hat sich innerhalb von zehn Jahren im Schnitt verdoppelt. Das ergab jetzt eine Auswertung der Spezialisten von „Classic Data“ und dem Sender MDR. Woran liegt das? Der Oldtimer-Versicherungsdienstleister „OCC“ hat mit Hubert Rein, Vorsitzender des Ostklassiker Klub e.V. Wolkramshausen (Thüringen) gesprochen. Er erklärt, wie es zum Boom kam, welche Modelle für Sammler besonders interessant sind und warnt Oldtimer-Neulinge vor einem gravierenden Fehler.
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Ost-Fahrzeuge mit Wert-Phänomen
Zunächst zur Analyse von Classic Data. 28 Modelle aus der DDR und dem gesamten ehemaligen Ostblock nahmen die Experten unter die Lupe. Interessant: Fahrzeuge mit sichtbaren Mängeln und Abnutzungen (Zustand 4) verzeichneten besonders hohe Wertsteigerungen von durchschnittlich etwa 150 Prozent. Bei Autos im gebrauchten Zustand (Zustand 3) betrug die Wertsteigerung durchschnittlich knapp 90 Prozent, Fahrzeuge in gutem Zustand (Zustand 2) steigerten ihren Wert im Mittel um 70 Prozent.
„Dieses Phänomen ist allgemein bekannt, tritt aber besonders bei Ost-Fahrzeugen hervor“, so Classic Data-Experte Marius Brune im MDR. Ein moderater Wertzuwachs bei einem Basiswert von nur wenigen hundert Euro wirkt sich prozentual erheblich aus. Bei wertvolleren, gut erhaltenen Autos sind die prozentualen Steigerungen kleiner – der absolute Betrag ist aber höher als bei Fahrzeugen, die repariert werden müssen. Dies berücksichtigt die Restaurierungskosten, betont Brune.
Spitzenreiter: EMW aus Eisenach
Die tschechoslowakische Luxuslimousine Tatra T613 (eckiges Design, ab Baujahr 1975) im reparaturbedürftigen Zustand führte die Liste mit einer beeindruckenden Wertsteigerung von über 350 Prozent an. Laut Classic Data liegt der aktuelle Wert bei 14.000 Euro. Weitere Fahrzeuge mit deutlichen Wertzuwächsen waren die ostdeutsche Limousine Wartburg 311, der sowjetische SUV Lada Niva und die Kombi-Version des DDR-Fahrzeugs Trabant 601. Sie alle steigerten ihren Wert im bedürftigen Zustand um etwa 340 Prozent. Die Trabant 601 Limousine, der High-End Tatra 2-603 (gebaut bis Mitte der 1970er) und der Wartburg 312 (mit ähnlichem Design wie das 311-Modell) erzielten Wertsteigerungen zwischen 250 und 300 Prozent.
Der größte Wertverlust wurde bei der sowjetischen Premium-Limousine GAZ-13 Tschaika festgestellt, deren Wert in allen Kategorien um 30 bis 40 Prozent sank (Zustand 2: 51.000 Euro). Zu den wertvollsten Ost-Klassikern gehören zwei Modelle der Eisenacher Motorenwerke (EMW): das 327-2 Cabriolet (gebaut von 1949 bis 1956) kostet inzwischen 105.000 Euro (Zustand 2), ebenso das Coupé 327-3. Das Wartburg 311/1000 Coupé bringt 34.500 Euro (Zustand 2) – 68 Prozent mehr als noch vor 10 Jahren. Teuerster Trabant der Liste ist das Modell 500 (P 50) mit 8.700 Euro (Zustand 2) – eine Wertsteigerung von 135 Prozent.
So viele Klassiker aus Osteuropa sind in Deutschland zugelassen
Wie viele Fahrzeuge aus den ehemaligen Ostblockstaaten wie der Sowjetunion sind überhaupt noch in Deutschland zugelassen? Da bei vielen Oldtimern aus Osteuropa die Hersteller- und Typenschlüssel fehlen, wurden die Experten von Classic Data beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) nur in der Statistik „FZ6“ (Fahrzeuge mit eingetragenen Typschlüsseln) fündig.
Tatra: Mindestens 66 Exemplare
Saporoshez: 129 Fahrzeuge
Vorwende-Dacia: 249 Fahrzeuge
Sowjetische Pkw Moskwitsch: 408 Fahrzeuge
Wolga: 585 Fahrzeuge
Polski Fiat: 760 Fahrzeuge
Vorwende-Skodas: Ungefähr 1.000 Fahrzeuge
Lada-Pkw aus Sowjetzeiten: Ungefähr 3.000 Fahrzeuge
Woher kommt der „Aufschwung Ost“ ?
Woher kommt der „Aufschwung Ost“? Hubert Rein, Vorsitzender des Ostklassiker Klub e.V. Wolkramshausen (Thüringen), erklärt es mit einem eigenen „Ost-Bewusstsein“, das neben Trotz und Ablehnung auch einen „eigenen Stolz“ hervorbrachte.
Hubert Rein: „Wurden unmittelbar nach der Wende 1989 noch viele ehemalige Ostprodukte, insbesondere auch Fahrzeuge, auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen, setzte rasch ein Umdenken vieler Ostdeutscher ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre ein. Plötzlich wurden Scheunen - und Garagenfunde geflügelte Stichworte in den jeweiligen Szenen. Parallel dazu entwickelte sich zunehmend ein wachsendes Interesse an Ostgütern im Westen bzw. in anderen Ländern – selbst in Übersee.“
Aber auch der Wunsch, etwas Besonderes zu fahren und die eigene Familiengeschichte in Bezug auf Ost-Fahrzeuge hätten eine große Rolle gespielt – „ebenso die Leidenschaft des Schraubens, Restaurierens und das Gemeinschaftserlebnis mit Gleichgesinnten“, sagt Hubert Rein.
Diese Modelle werden noch wertvoller
Hubert Rein ist Vorsitzender des Ostklassiker Klubs e.V. Wolkramshausen und gefragter Experte für Klassiker aus der ehemaligen DDR und Osteuropa. Vor zwei Jahren präsentierte er der Öffentlichkeit einen spektakulären Scheunenfund.
(Bild: MDR)
Gibt es noch weitere DDR-Fahrzeuge, die für Sammler interessant sein könnten und bei denen mit einem Wertzuwachs zu rechnen ist?
Hubert Rein: „Ja, erstaunliche Wertzuwächse hat es im Osten bei Fahrzeugentwicklungen gegeben, die zum Zeitpunkt ihrer Produktion nur für einen begrenzten Käuferkreis vorgesehen waren. Beispiele sind der Horch P 240 Sachsenring in drei Karosserie-Varianten, gebaut Anfang der 1950er Jahre, das Multitalent EMW 340, das IFA F 8 Luxus Cabrio, der elegante Wartburg 313 S oder der Melkus RS 1000. Aber auch einspurige Klassiker wie Simson aus Suhl und Roller aus Ludwigsfelde erfreuen sich starker Nachfrage.“
Stand: 08.12.2025
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Welche Modelle sind Ihrer Meinung nach noch „unter dem Radar“ und werden völlig unterschätzt?
„Unterschätzt werden gegenwärtig nach meinen Empfindungen Fahrzeuge der ehemaligen Ostblockstaaten, besonders die Fahrzeuge, die einst für den normalen Bürger gebaut wurden. Also keine Fahrzeuge für repräsentative Zwecke der jeweiligen Staaten. Die Skoda- Werke im heutigen Tschechien waren sehr innovativ im Pkw-Segment und im Lkw- Bau. Die Firmen Jawa und CZ im Motorrad- und Motorrollerbau. Sportfahrzeuge aus der ehemaligen CSSR waren auf allen internationalen Rennstrecken vertreten. Aber auch die damalige Sowjetunion, sowie die Volksrepubliken Ungarn, Rumänien und Polen produzierten Fahrzeuge der verschiedenen Kategorien.“
Worauf sollten Sammler und Neueinsteiger besonders achten, die sich für Ost-Klassiker interessieren?
„Der Blick auf das eigene Konto dürfte schnell entscheiden, was machbar ist. Die Anschaffungspreise, aber auch die Kosten einer Komplettrestaurierung durch Fachleute, sind schwindelerregend. Es häufen sich zunehmend die Abbrüche von begonnenen Restaurierungsvorhaben. Ich rate, lieber auf dieses Hobby zu verzichten, wenn die gesicherte Finanzierung nicht gegeben ist.“