75 Jahre VW Käfer: Die rollende Ikone

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Im Nachkriegsdeutschland wurde der Käfer zum Symbol des Wirtschaftswunders und vielfacher Produktionsmillionär. Global galt er als meist gefürchteter deutscher Exportartikel. Zum Kultfahrzeug avancierte der kleine Heckmotorwagen dann durch die Amerikaner. Schon 1949 wurden die ersten VW Käfer von Holland aus in die USA verschifft. Schnell galt das Auto fürs Volk laut eines amerikanischen Magazins als „ein Familienmitglied, das nur zufällig in der Garage wohnt“.

Mit dem von Ferdinand Porsche erfundenen Ur-Käfer hatten die VW 1302 und 1303 des Jahrgangs 1972 zwar nur noch das Konzept und die Silhouette der Karosserie gemeinsam, dennoch näherte sich die Zeit der Heckmotormodelle dem Ende. Ernst wurde es, als der Käfer seine großen Märkte verlor und der Opel Kadett auf dem Heimatmarkt sogar ganz kurz die Nase vorn hatte. Aber das Glück blieb VW hold, denn durch ein damals beispiellos teures Milliarden-Mark-Entwicklungsprogramm bewältigte die Konzernführung die Krise der frühen 1970er Jahre in Rekordzeit. Ab 1974 ersetzte der Golf den Käfer.

Liebling der Baby-Boomer

Ähnlich wie beim Fiat 500 von 1957 und dem Mini von 1959 basiert auch die Erfolgsstory des Käfers entscheidend auf emotionalen Momenten, vor allem in Ländern wie Amerika. Hier gelang es dem Volkswagen sogar die Herzen leistungsbewusster „Baby-Boomer“, also der ersten Nachkriegsgeneration, zu erobern. Immerhin rühmten sich erstaunlich viele Amerikaner, auf dem Rücksitz eines engen Käfers geboren worden zu sein (Volkswagen übersandte den Familien Glückwunschschreiben) oder an einem schrägen Rekord wie dem „Car-Stuffing“ (wie viele Menschen können in den Käfer gestopft werden?) teilgenommen zu haben.

In anderen Ländern setzten sogar die Reichen und Mächtigen auf den Volkswagen. So war etwa der belgische König Baudouin leidenschaftlicher Käfer-Fahrer während Njiiri, Häuptling der afrikanischen Kikuyu, den VW als Repräsentationskarosse für sich und seine 34 Frauen nutzte. Der Käfer wurde zum globalen Mythos, an den der 1997 eingeführte Volkswagen New Beetle im Retrodesign so richtig nur in den USA anknüpfen konnte. Hierzulande hat die „Generation Golf“ ihre eigenen Kultmodelle generiert, wie etwa das jährliche GTI-Treffen am Wörthersee zeigt. Als Oldtimer aber ist und bleibt der Käfer die Nummer eins auf deutschen Straßen.

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