Achsvermessung: Völlig losgelöst

Autor / Redakteur: Ottmar Holz / Ottmar Holz

Zwei Stahlplatten und eine Handvoll Kugeln – das sind die wesentlichen Bauteile der Schiebeplatten und Drehteller eines Achsmessstands. Und die wollen gepflegt sein – denn die Bauteile und damit die Messergebnisse leiden unter Schmutz und Korrosion.

Die reibungslose Luftlagerung der Drehteller verhindert jegliche Verspannung des Fahrwerks.
Die reibungslose Luftlagerung der Drehteller verhindert jegliche Verspannung des Fahrwerks.
(Bild: Holz)

Die eher unscheinbaren Verschiebeplatten sind im wahrsten Sinne des Wortes Dreh- und Angelpunkt einer Pkw-Achsvermessung. Die Radaufstandsflächen des Autos können sich auf ihnen nahezu widerstandslos in zwei Ebenen verschieben und verdrehen. So verhindern die Verschiebeplatten mögliche Verspannungen des Fahrwerks, die beispielsweise bei der Nachlaufprüfung die Messergebnisse verfälschen würden.

Das funktioniert auch ganz gut – solange die gehärteten und präzise geschliffenen Platten sauber und völlig plan sowie die Kunststoff- oder Stahlkugeln exakt rund sind. Ein gewisses Losbrechmoment muss das Rad jedoch auch bei absolut perfekten Schiebeplatten überwinden, besonders bei schweren Autos mit hohen Radlasten. Im mikroskopischen Maßstab verformt sich auch die härteste Stahlkugel, weiterhin sinkt sie etwas in das Material der Platten ein. Daher bedarf es einer, wenn auch sehr kleinen, Kraft, diese Kugel aus dem Loch zu rollen und dann auch in Bewegung zu halten. Hätten unsere Autos unverformbare Räder und kugelgelagerte Fahrwerke, wäre das nicht weiter schlimm, doch aus Komfort- und Traktionsgründen rollen unsere Automobile auf elastischen Gummireifen, die von elastomergelagerten Lenkern und Achsen geführt werden. Je größer das Losbrechmoment durch Verschleiß der Drehplatten im Lauf der Zeit wird, desto wahrscheinlicher werden Fehlmessungen und Fehleinstellungen.