Mit der Marke Aion wagt der riesige chinesische Autokonzern GAC den Sprung nach Europa. Günstige 27.900 Euro für das erste Modelle, den Aion UT, sollen den Einstieg erleichtern.
Der chinesische Autokonzern GAC kommt nun mit seiner Elektromarke Aion und dem ersten Modell UT nach Europa.
(Bild: GAC)
Die Spritpreise auf einem Allzeithoch, das Image von Verbrennern im Keller: Einen besseren Zeitpunkt zum Einstieg in den europäischen Markt kann sich ein Hersteller von Elektroautos kaum wünschen.
Genau in dieses Umfeld stößt nun die chinesische Guangzhou Automobile Group, kurz GAC. Nachdem sie bereits in einigen ausgewählten europäischen Ländern aktiv ist, will sie zum Jahresende mit ihrer Elektromarke Aion und dem Kompaktmodell UT in Deutschland durchstarten.
Allerdings kennt den Namen noch kaum jemand. Doch im Heimatmarkt zählt GAC zu den Schwergewichten. Der Konzern produziert jährlich rund zwei Millionen Fahrzeuge und ist bereits in mehr als 80 Ländern aktiv. Dass Europa vergleichsweise spät auf der Agenda steht, ist Absicht. Man wollte keinen Schnellschuss wagen, sagt David Zhang, der europäische General Manager des Konzerns. Europa sei der letzte große Baustein einer globalen Expansion, die über Jahre vorbereitet wurde.
Marke statt nur Technik
Zhang ist realistisch: „In China dreht sich alles um Technologie, in Europa ist die Marke wichtiger.“ Deshalb wolle GAC schnellstmöglich ein eigenes Profil aufbauen, mit einem Fokus auf Qualität und Zuverlässigkeit. Weshalb man auch gleich acht Jahre oder 200.000 Kilometer Garantie auf das Auto gibt.
Ein großes Risiko dürfte GAC damit nicht eingehen. Im Heimatmarkt ist der UT schon länger unterwegs, nicht nur in der Millionen-Metropole Guangzhou und Umgebung.
Auch die anderen Modelle des Konzerns sind allgegenwärtig, viele davon mit hochentwickelten Assistenzsystemen unterwegs, teils bereits mit stark automatisierten Fahrfunktionen im Alltag. Künstliche Intelligenz spielt in der Entwicklung eine zentrale Rolle, nicht zufällig steht der Markenname Aion für „AI on the way“.
Das klingt recht spektakulär, ganz anders, als der UT mit der braven Kulleraugenfront und dem Rundheck auf den ersten Blick wirkt. Unsere erste Probefahrt startet in Mailand. Der Ort ist bewusst gewählt, denn hier im Designzentrum wurde der kleine SUV entworfen.
Schon der erste Blick ins Innere macht klar: Der Kompaktwagen setzt auf Alltagstauglichkeit. Mit rund 4,27 Metern Länge und einem Radstand von 2,75 Metern bietet er überraschend viel Platz, insbesondere im Fond. Man sitzt auf weichem Kunstleder, blickt auf ein Cockpit ohne jegliche Knöpfe und Schalter. Alles ist ordentlich verarbeitet, wobei der grobe Nadelfilz am Boden und die klobigen Gummimatten kaum vom italienischen Gespür für feine Materialien zeugen. Der 440 Liter große Kofferraum reicht für den Alltag gut, einen Frunk gibt es nicht.
Ansonsten folgt der Aion UT dem inzwischen üblichen Bedienkonzept. Der zentrale Touchscreen übernimmt nahezu alle Funktionen, selbst grundlegende Einstellungen sind dort untergebracht. Spiegel verstellen, Temperatur regeln, Assistenzsysteme einrichten, für alles muss getatscht werden. Mit dem üblichen Ablenkungspotenzial.
Erfahrung aus China
Auch technisch bleibt der Auftritt unspektakulär. 150 kW/204 PS Leistung, rund 60 kWh Batteriekapazität und bis zu 430 Kilometer Reichweite sind solides Klasseniveau, ohne herauszustechen. Mehr braucht man selten, schon gar nicht im Stadtverkehr, wofür der Wagen in erster Linie konzipiert wurde.
Deutlich kritischer fällt die Ladeleistung aus: Mit maximal 87 kW bleibt der Aion UT unter dem, was viele Wettbewerber inzwischen bieten. Ladestopps kosten auf längeren Strecken also Zeit.
Beim Fahren liegt der Fokus klar auf Komfort. Das hat Vor- und Nachteile: Einerseits filtert das sehr weich abgestimmte Fahrwerk Unebenheiten souverän weg und passt gut zu den vielen Schlaglöchern auf den Straßen rund um Mailand.
Doch in zügig gefahrenen Kurven kommt schnell Unruhe auf, zumal die indirekte Lenkung kaum Rückmeldung gibt. Zudem drehen die Vorderräder auf feuchter Straße beim Beschleunigen aus der Kurve heraus immer wieder durch, was wohl auch an den serienmäßig aufgezogenen chinesischen Ganzjahresreifen liegt.
Auch die Rekuperation überzeugt nicht wirklich. Zwar stehen drei Stufen zur Verfügung, im Fahrbetrieb sind die Unterschiede und eine Bremswirkung jedoch kaum wahrnehmbar. Dafür passt der mit rund 15 kWh pro 100 Kilometer recht niedrige Verbrauch. Und auch die Assistenzsysteme lassen den Fahrer weitgehend in Ruhe.
Stand: 08.12.2025
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27.900 Euro soll der Aion UT kosten. Das ist günstig, aber nicht billig. Der Chinese fährt in ein Segment, in dem BYD den Dolphin Surf extrem subventioniert. Er konkurriert mit dem kleineren, aber im Innenraum clevereren Hyundai Inster und dem KIA EV2. Und nach oben hin rückt der Volkswagen ID.3 ins Blickfeld. Der ist allerdings deutlich teurer.