Allianz: So wird der virtuelle Autoschlüssel sicher

Der Versicherer diskutiert mit den Autoherstellern über neue Standards

| Autor: Jan Rosenow

Virtueller Schlüssel: Eine App gewährt zukünftig Zugriff auf das Auto.
Virtueller Schlüssel: Eine App gewährt zukünftig Zugriff auf das Auto. (Bild: AZT Automotive GmbH)

Der Versicherungskonzern Allianz hat heute in München erklärt, wie er sich einen sicheren „virtuellen Autoschlüssel“ vorstellt. Diese Technik, mit der sich über eine App auf dem Smartphone das Auto öffnen und starten lässt, befindet sich bei mehreren Herstellern in der Entwicklung und bei Daimler sogar schon im Serieneinsatz.

Die Vorteile klingen bestechend, vor allem für Flottenbetreiber: Der Eigner muss nicht mehr den echten Fahrzeugschlüssel ausgeben, sondern gewährt dem Fahrzeugnutzer über eine App Zugriff auf das Auto. Eine einfache Form des virtuellen Schlüssels nutzen heute schon viele Carsharing-Unternehmen. Hierbei öffnet die App aber bloß die Wagentür; der echte Schlüssel liegt im Fahrzeug und dient weiterhin zum Motorstart.

Der Kunde muss Vertrauen gewinnen

Die Nutzung einer App als vollständige Fahrberechtigung wirft aber zahlreiche Sicherheitsfragen auf, denen sich die Autokonzerne stellen müssen. Die Allianz hat deshalb einen Anforderungskatalog erstellt, der zu verbindlichen und einheitlichen Sicherheitsstandards für den virtuellen Schlüssel führen soll. Der Versicherer ist darüber bereits mit allen deutschen und wichtigen ausländischen OEMs sowie den Verbänden VDA, VDIK und GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft) im Gespräch.

Christoph Lauterwasser, Leiter des Allianz-Zentrum für Technik, erklärte auf der Pressekonferenz: „Der Kunde muss dem virtuellen Schlüssel vertrauen können. Das geht nur, wenn Datensicherheit garantiert ist. Das heißt, der Schlüssel darf zum Beispiel nicht kopierbar sein. Außerdem brauchen wir im Falle eines Totaldiebstahls einen transparenten Überblick, wer wann für welchen Schlüssel berechtigt wurde.“

Die vier wichtigsten Forderungen der Allianz lauten:

  • Der virtuelle Fahrzeugschlüssel darf nicht kopierbar sein; analog zum physischen Schlüssel muss erkennbar sein, wie viele Schlüssel im Umlauf sind.
  • Alle berechtigten Fahrzeugnutzer müssen übersichtlich, transparent und unveränderlich für den Kunden – sowie im Schadenfall für die Versicherung – aufgeführt sein. Der Kunde muss zudem bei einem Totaldiebstahl sofort alle virtuellen Schlüssel nachweisbar zurückziehen können.
  • Die Zugangsberechtigung des Autos muss von der Fahrberechtigung getrennt sein, um das bestehende Schutzniveau der elektronischen Wegfahrsperre nicht zu unterlaufen und die Sicherheit bei künftigen Dienstleistungsmodellen wie „Lieferung in den Kofferraum“ zu gewährleisten.
  • Die Datenumgebung von Ausführung und Speicherung des virtuellen Schlüssels muss strikt von sonstigen Applikationen getrennt sein. Alle sicherheitskritischen Daten, zum Beispiel Berechtigungen und Schlüsselberechnung, müssen in einer sicheren Speicher- und Ausführungsumgebung gespeichert bzw. ausgeführt werden.

Neue Möglichkeiten und Aufgaben für Kfz-Betriebe

Nach Ansicht der Allianz wird sich der virtuelle Fahrzeugschlüssel schnell verbreiten und damit auch bald in den Kfz-Betrieben ankommen. Hier stellt sich dann die Frage, wie genau die Fahrzeugbesitzer den Werkstattmitarbeitern Zugriff auf ihr Auto gewähren sollen, wenn es keinen echten Schlüssel mehr gibt. Müssen diese dann erst die entsprechende App herunterladen?

Aber es könnte auch Vorteile für den Autohausbetrieb geben. Eine Art digitaler Masterkey, mit dem sich alle Fahrzeuge im Bestand öffnen oder sogar bewegen lassen, wäre sicher eine gewaltige Erleichterung vor allem für große Betriebe. Aber solche Anwendungen sind noch reine Spekulation.

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