Wie andere Einzelhändler, die von der Schließungsanordnung betroffen sind, versucht auch der Autohandel, seine Ware über das Onlinegeschäft kontaktlos an den Kunden zu bringen. Allen voran fordert der Landesverband Baden-Württemberg nun, die Ausstellungsräume zu öffnen.
Das direkte Verkaufsgespräch ohne ausreichend Abstand zum Kunden ist verboten. Etwas mehr Zwischenraum muss schon sein.
(Bild: Pro Motor / Volz)
Um die Löcher in den Kassen nicht ins Unendliche reißen zu lassen, fordert der Kfz-Landesverband Baden-Württemberg das Wirtschaftsministerium des Landes auf, die Schließungsordnung zu lockern. Konkret geht es um die Öffnung der Ausstellungsräume. Der ZDK unterstützt diese Sicht grundsätzlich. Doch sie helfe den meisten Händlern nur dann, wenn die Zulassungsstellen geöffnet seien. Die Öffnung der Ausstellungsräume wäre dann der nächste notwendige Schritt.
„Wir brauchen die Möglichkeit, unsere Ausstellungsräume wieder zu öffnen“, sagt Michael Ziegler, der Präsident des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg. Insbesondere in der Autobranche sei die Situation wegen des eingesetzten Fremdkapitals erheblich dramatischer als in anderen Branchen, die nicht mit so hochpreisigen Produkten wirtschaften.
Das größte Problem im Handel haben derzeit aber die Kfz-Händler in den Autohäusern, bei denen kurzfristig finanzierte Millionenwerte in Form von neuen und gebrauchten Fahrzeugen auf den Höfen stehen, die nun nicht oder kaum (nur online) vertrieben werden können.
ZDK: Zulassungsstellen müssen öffnen
Für den ZDK ist die Forderung absolut nachvollziehbar und auch richtig. „Aber noch wichtiger ist jetzt, zunächst eine bundesweite Regelung für die Zulassungsstellen zu erreichen“, sagt Antje Woltermann vom ZDK. Wie »kfz-betrieb« berichtet, sind nur wenige Zulassungsstellen geöffnet, sodass ein Autokauf für Kunden keinen Sinn macht. So können vielerorts bereits vom Kunden finanzierte Fahrzeuge nicht ausgeliefert werden, weil sie nicht zugelassen werden können.
Deshalb hatte der Kfz-Verband den Bund um dringende Unterstützung gebeten. Ein kontaktloser Autoverkauf sei durchaus machbar. Anders als in anderen Branchen sei die Gefahr einer Kundendichte im Verkaufsraum deutlich geringer und sogar kontaktlose Käufe seien problemlos möglich. Ein Infektionsrisiko besteht aus Sicht des Landesverbands daher kaum, umso schwerer nachzuvollziehen sei diese Ungleichbehandlung zu anderen Branchen wie beispielsweise Baumärkten.
Auch für den Autohandel wäre es problemlos und selbstverständlich, angesichts der Corona-Krise nur eine bestimmte Zahl von Kunden in die Verkaufsräume zu lassen: „Pro 20 Quadratmeter maximal ein Kunde wäre für unsere Handelsbetriebe beispielsweise in der Regel kein Problem,“ meint Michael Ziegler. Zwei Meter Abstand bei einem Beratungsgespräch auch nicht: „Da steht einfach das Auto dazwischen, viele sind sogar mehr als zwei Meter breit,“ so Ziegler weiter. Mit dem Handy lasse sich ein Verkaufsgespräch in diesen Zeiten ebenfalls gut und kontaktlos führen. Mit Videoanrufen könnten Details gezeigt und auf Kundenfragen direkt eingegangen werden.
Lösungen mit möglichst wenig Kundenkontakt
Andere Landesverbände sehen das ähnlich, beispielsweise der in Schleswig-Holstein. „Wir haben ja kein Verkaufsverbot erhalten, sondern mussten unsere Verkaufsstellen schließen“, sagt Jan-Nicolas Sontag, Hauptgeschäftsführer des Kfz-Landesverbands. Weil in Schleswig-Holstein, anders als in den meisten anderen Bundesländern, die Kfz-Zulassungsstellen fast alle wieder geöffnet haben, werden durchaus Autos verkauft: „Nicht im großen Stil, aber vereinzelt.“
So seien in direkten Gesprächen mit den Kreisen und Städten beziehungsweise mit den Zulassungsstellen unterschiedliche Lösungen und Wege für eine Öffnung mit möglichst wenig Kundenkontakt gefunden worden. Dadurch stehe auch dem Autoverkauf grundsätzlich nichts im Weg.
Es gibt in der Praxis unterschiedliche Wege, die die Autohändler zum kontaktlosen Verkauf wählen. Vieles werde vorab per Mail oder Telefon geregelt. „Selbst Probefahrten sind möglich, ohne dass es zum direkten Kundenkontakt kommt“, betont Sontag. Vorher und hinterher werde das Auto einfach desinfiziert.
Branche ist kreativ, sofern die Politik sie lässt
Autos allein über den Online-Weg zu verkaufen, sei gewöhnungsbedürftig, räumt Präsident Ziegler vom Landesverband Baden-Württemberg ein. „Aber wenn wir jetzt nicht die digitalen Möglichkeiten forcieren, wann dann? Unsere Branche ist innovativ, die Politik muss sie nur lassen. Dann zeigen wir schnell, wie Autoverkauf ohne Corona-Gefahr funktionieren kann.“
Für den Staat sei es auch wichtig, „dass wir den Verkauf von Autos rasch, aber gefahrlos wieder ankurbeln, wenn er die Milliardenverluste ausgleichen will, die sich jetzt anhäufen, um den Zusammenbruch zu verhindern. Denn dann kommt er schnell an seine Grenzen. Und Zehntausende Arbeitslose aus unserer Branche wollen wir uns erst gar nicht ausmalen.“
Stand: 08.12.2025
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