Drei Jahre E-Call

Automatischer Notruf ist noch keine große Hilfe

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Zwar schreibt das Gesetz neben dem Herstellersystem auch die offizielle E-Call-Technik an Bord vor, doch diese muss vom Halter bewusst frei geschaltet werden, damit das Herstellersystem umgangen wird. Die wenigsten Autofahrer werden sich wohl die Mühe machen. Der ADAC fordert aus diesem Grund, den 112-E-Call im Auto defaultmäßig voreinzustellen. Dann müsste das beim Notruf langsame Herstellersystem bewusst aktiviert werden.

Statistisch kein Sicherheitsgewinn nachweisbar

Ein Sicherheitsgewinn durch die E-Call-Einführung lässt sich im Straßenverkehr bislang jedenfalls nicht beobachten. Potenziell sollte die Technik die Zahl der Verkehrstoten pro Jahr um zehn Prozent sinken lassen, so die Hoffnungen bei Einführung. Die Straßenverkehrsunfallstatistiken 2018 und 2019 zumindest zeigten noch keine starken Effekte. Laut Statistischem Bundesamt lag die Zahl der tödlich verunglückten Pkw-Insassen im Jahr 2018 um 0,7 Prozent unter dem Vorjahreswert, 2019 sank die Zahl um weitere 4 Prozent.

„Ob und in welchem Maße diese Entwicklung auf die Einführung der E-Call-Systeme zurückzuführen ist, kann anhand der amtlichen Statistik nicht festgestellt werden“, antwortete die Bundesregierung vor rund einem Jahr auf eine entsprechende Anfrage des Parlaments. Auch die Corona-Jahre 2020 und 2021 dürften in dieser Hinsicht keine weiteren Erkenntnisse bringen, weil das geringere Verkehrsaufkommen die Statistik verfälscht.

Bis jedem Unfallopfer im Auto schnell und automatisiert geholfen wird, wird es also noch Jahre dauern. Wer selbst die Vorteile von E-Call nutzen will, sollte beim Autokauf ein entsprechendes Fahrzeugmodell wählen und den gesetzlichen 112-Notruf auch als Standard festlegen. In älteren Pkw lässt sich ein Unfallmelder nachrüsten, meist per Funkstecker für den OBD-Anschluss. Dafür werden allerdings im Gegensatz zum offiziellen E-Call in der Regel Abokosten fällig. Zudem alarmieren die Systeme ebenfalls nicht immer die 112, sondern verbinden den Autofahrer zunächst mit einem eigenen Callcenter. Aber auch das kann im Ernstfall die Rettung sein.

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