Aufbereitung historischer Lacke „Polieren ist Lackzerstörung auf Kundenwunsch“

Von Dipl.-Ing. (FH) Kfz-Technik Peter Diehl 4 min Lesedauer

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Wer historische Lacke aufbereitet, ohne spezifische Kenntnisse zu besitzen, richtet womöglich irreparable Schäden an. Hierzu tragen oft auch die Oldtimerbesitzer selbst mit ihren falschen Vorstellungen und Erwartungen bei. Eine Sensibilisierung.

Wer bei der Aufbereitung historischer Lacke nicht weiß, was er tut, vernichtet historische und oft auch monetäre Werte.(Bild:  Peter Diehl)
Wer bei der Aufbereitung historischer Lacke nicht weiß, was er tut, vernichtet historische und oft auch monetäre Werte.
(Bild: Peter Diehl)

Aufbereiter posieren gern, wenn sie für sich werben wollen. In Printmedien ebenso wie im Internet, auch auf der eigenen Website. Dabei halten sie häufig eine Poliermaschine in den Händen – wie Söldner eine Kalaschnikow. Behaupten sie zugleich, auch historische Fahrzeuge zu bearbeiten, sollten bei potenziellen Auftraggebern die Alarmglocken läuten. Denn Lackschichtstärke ist nicht unendlich und die Poliermaschine deshalb fehl am Platz.

„Polieren ist immer mit Materialverlust verbunden – bei historischen ebenso wie bei modernen Lacken“, erklärt die selbstständige Restauratorin Dr. Gundula Tutt. „Historische Lacke sind einzigartig. Nicht nur wegen ihrer wertvollen Substanz, sondern auch weil sie im Verlauf des Fahrzeuglebens schon mehrfach poliert wurden – mit Schichtstärkeverlust als Folge. Deshalb sollte sich der Aufbereiter von seinem Kunden stets schriftlich bestätigen lassen, dass er Lackmaterial abtragen darf. Denn Polieren ist – überspitzt formuliert – nichts anderes als Lackzerstörung auf Kundenwunsch. Schnell ist es passiert, dass die Grundierung sichtbar wird. Doch das ist nicht der Effekt, den sich der Kunde gewünscht hat. Er will, dass sein Auto glänzt.“