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Benz und Daimler: Start-up anno 1888

| Autor: Steffen Dominsky

Start-ups sind nicht zwingend eine neuzeitliche Erfindung. Der Gründergeist ist heute so aktuell wie in der Frühzeit des Automobils. Beispiel 1888: Nach der Erfindung des Automobils zwei Jahre zuvor treten Carl Benz und Gottlieb Daimler mit weiteren Pionierleistungen auf.

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Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach entwickelten im Cannstatter Gartenhaus den ersten schnelllaufenden Benzinmotor der Welt.
Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach entwickelten im Cannstatter Gartenhaus den ersten schnelllaufenden Benzinmotor der Welt.
(Bild: Daimler AG)

Ein frischer Wind weht durch die Wirtschaftswelt: Junge Unternehmen treten mit revolutionären Ideen an, um die Zukunft zu verändern. Es sind typische Start-ups mit kleinen Teams, hoher Agilität und starker Innovationskraft. Ihr besonderer Schwerpunkt liegt auf neuen Technologien. Was hochaktuell klingt, ist tatsächlich ein Blick zurück ans Ende des 19. Jahrhunderts. Denn in der zweiten Phase der damaligen Gründerzeit herrscht ein ähnlicher Start-up-Geist wie heute in den Hightech-Branchen. Davon ist man bei der Daimler AG überzeugt. Die Automobilpioniere Gottlieb Daimler und Carl Benz haben sich mitten in einer quicklebendigen Technologieszene vor 130 Jahren befunden.

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Bereits 1883 haben die beiden unabhängig voneinander Pionierleistungen erbracht: Carl Benz gründet mit Geldgebern die Firma Benz & Cie. in Mannheim und beginnt dort mit der Produktion des von ihm konstruierten Zweitaktmotors, der als stationäre Antriebsquelle vielfältige Einsatzmöglichkeiten bietet. Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach entwickeln zur gleichen Zeit in Cannstatt den schnelllaufenden Viertaktmotor. Damit schaffen die Pioniere die Grundlage für die ersten Automobile: Die Gewinne aus dem Verkauf seiner Zweitaktmotoren ermöglichen Benz, die Idee vom Automobil in die Tat umzusetzen. Und Daimler und Maybach haben mit ihrem innovativen Motor auch gleich die Antriebsquelle für ihre Motorkutsche. 1886 präsentiert Benz das erste Automobil der Welt, den Patent-Motorwagen. Daimler erhält zeitgleich die Fahrgenehmigung für eine motorisierte Kutsche und baut seinen Einzylinder in den vierrädrigen Wagen ein.

Am Anfang war auch das Feuer

Nun, zwei Jahre später, bringen sie 1888 mit zahlreichen Neuerungen rund um den schnelllaufenden Verbrennungsmotor die Mobilität weiter voran. Zwei Anliegen haben Daimler und Benz: Einerseits geht es um neue Anwendungen für den Motor. Andererseits soll die Zuverlässigkeit der Arbeitsmaschine als Antrieb des neuartigen Automobils öffentlichkeitswirksam demonstriert werden. Gottlieb Daimler erkundet mit Nachdruck den Einsatz des mit Wilhelm Maybach entwickelten Verbrennungsmotors in neuen Anwendungen. Nach dem ersten Motorrad der Welt, dem „Reitwagen“ aus dem Jahr 1885, und der Motorkutsche von 1886 gibt es 1888 gleich mehrere innovative Konzepte.

Am Anfang steht eine motorbetriebene Feuerspritze: In dem von Pferden gezogenen Löschfahrzeug übernimmt der Daimler-Motor den Antrieb der Feuerlöschpumpe. Das Konzept überzeugt. Denn der neue Motor ist – im Gegensatz zur aufwendig zu startenden Dampfmaschine – sofort einsatzbereit. Zudem arbeitet er viel ausdauernder als die damals üblichen mit Muskelkraft betriebenen Feuerspritzen oder die sogenannten Gasspritzen, die das Löschwasser für kurze Zeit mit Kohlendioxidgas fördern.

Am 29. Juli 1888 meldet Daimler seine Feuerspritze mit Motorbetrieb zum Patent an. Er erhält am 15. April 1889 die Patentschrift No. 46779, Klasse 59. Für den Einsatz im Brandschutz stimmt Daimler den 0,74 kW (1 PS) starken Motor durch ein kleines Zusatzgetriebe so ab, dass die Feuerlöschpumpe im besonders effizienten Drehzahlbereich von 180 Umdrehungen pro Minute arbeitet. Noch im selben Jahr wird die Feuerspritze weiterentwickelt: Auf dem XIII. deutschen Feuerwehrtag vom 28. bis 31. Juli 1888 in Hannover stellt Daimler eine in der Leistung gesteigerte Variante mit Zweizylindermotor vor, die nun bereits 2,9 kW (4 PS) leistet.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group