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Das Auto setzt sich in Bewegung
Während Daimler in Cannstatt neue Anwendungsgebiete für seinen Verbrennungsmotor erschließt, steht in Mannheim die umwälzende Erfindung des ersten Automobils der Welt vor ihrer großen Praxisprobe: Bertha Benz, die Ehefrau von Carl Benz, unternimmt im August 1888 mit der auch als Modell 3 bezeichneten Serienausführung des „Benz Patent-Motorwagens“ die erste Fernfahrt der Automobilgeschichte. Sie führt über 106 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim.
Das 1,8 kW (2,5 PS) starke, dreirädrige Fahrzeug wird von Bertha Benz gefahren, ihre Söhne Eugen und Richard begleiten die Mutter auf der Tour. Die erfolgreiche Weltpremiere ist zugleich eine Erprobung unter realistischen Bedingungen. Sie zeigt die Alltagstauglichkeit der Erfindung und gibt Carl Benz Hinweise zur weiteren Verbesserung des Patent-Motorwagens auf dem Weg zur gerade anlaufenden Serienfertigung.
Der nächste Erfolg tritt kurze Zeit später ein: Automobilpionier Benz präsentiert den Patent-Motorwagen zusammen mit mehreren Stationärmotoren auf der ersten Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung für das Deutsche Reich, die vom 1. August bis zum 15. Oktober 1888 in München auf dem Isartorplatz stattfindet. Er führt sein Automobil dort auch öffentlich vor. Am 12. September 1888 erhält er für das weltweit erste in Serie gebaute Automobil mit Verbrennungsmotor eine „Goldene Medaille“.
Jetzt geht's in die Luft
Während Bertha Benz die Eignung des Automobils für den Reiseverkehr auf der Straße über längere Strecken demonstriert und Carl Benz den Patent-Motorwagen erfolgreich der Öffentlichkeit vorstellt, erschließt Gottlieb Daimler vor 130 Jahren seinem Motor weitere neue Einsatzgebiete. Besonders spektakulär ist dabei der erste Motorflug der Geschichte am 10. August 1888: An diesem Tag startet um 9 Uhr morgens auf dem daimlerschen Fabrikhof das Luftschiff von Dr. Friedrich Hermann Wölfert zu einer über vier Kilometer weiten Fahrt, die auf dem Aldinger Exerzierplatz bei Kornwestheim endet.
Während der mit Wasserstoffgas gefüllte Auftriebskörper des Luftschiffs hauptsächlich die Schwerkraft überwindet, treibt der 1,8 kW (2,5 PS) starke, schnelllaufende Daimler-Einzylindermotor die beiden Luftschrauben (horizontal und vertikal) an und ist damit für Vortrieb und Trimmen verantwortlich. An diesem Morgen wird deutlich, dass der Viertaktmotor ein großes Potenzial als Flugmotor hat.
Und dann auf die Schiene
1888 liegen die Anfänge von Daimlers Unternehmen als hochinnovative „Garagenfirma“ im Gartenhaus der Cannstatter Daimler-Villa erst wenige Jahre zurück. Der damalige Start-up-Spirit ist im heutigen Weltunternehmen aber so lebendig wie vor 130 Jahren. Dafür steht unter anderem die aktuelle Beteiligung der Daimler AG an Volocopter. Das Luftfahrt-Start-up aus Bruchsal will in wenigen Jahren autonome elektrische Lufttaxis (eVTOL) auf den Markt bringen.
Aber Gottlieb Daimlers Motor geht 1888 nicht nur in die Luft, sondern treibt auch ein neues Schienenfahrzeug an: Nachdem Daimler bereits 1887 anlässlich des Cannstatter Volksfestes eine Miniaturstraßenbahn mit Benzinmotor vorstellt, folgt 1888 ein vollwertiger Straßenbahnwagen. Die in Stuttgart erscheinende Tageszeitung „Schwäbische Kronik“ berichtet am 7. Oktober 1888 über die am Vortag erfolgte Probefahrt des „Daimler’schen Motorwagens der Neuen Straßenbahn“. Der von einem 2,9 kW (4 PS) starken Einzylindermotor angetriebene Wagen der Stuttgarter Pferdeeisenbahn-Gesellschaft kann bis zu 20 Personen befördern.
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