Brandstätter: Volkswagen wird noch lange Verbrenner produzieren

Künftiger Markenchef relativiert bisherige Ziele

| Autor: Viktoria Hahn

Verbrennungsmotoren werden bei Volkswagen nicht verschwinden. Davon geht der designierte Markenchef Ralf Brandstätter aus.
Verbrennungsmotoren werden bei Volkswagen nicht verschwinden. Davon geht der designierte Markenchef Ralf Brandstätter aus. (Bild: VW)

Der designierte VW-Markenchef Ralf Brandstätter hat den angekündigten Ausstieg des Konzerns aus der Verbrennertechnik relativiert. Vor rund zwei Jahren hatte der Konzern verkündet, im Jahr 2026 die letzte Verbrennerplattform an den Start bringen zu wollen. Die letzten neuen Verbrenner sollten demnach Anfang 2030 auf den Markt rollen. Nun hat Brandstätter jedoch verlautbart, dass Volkswagen noch lange Modelle mit Verbrennungsmotor anbieten wird. Darüber berichtet die „Auto Motor und Sport“ in ihrer aktuellen Ausgabe 14/2020, die am Donnerstag erscheint.

„Wir haben immer gesagt, dass wir noch auf lange Sicht verschiedene Antriebsarten gleichberechtigt im Programm haben werden“, sagte der künftige Markenchef der Zeitschrift. Jeder Kunde könne sich bei VW für die Technologie entscheiden, die am besten zu seinen Mobilitätsansprüchen passe. Dazu gehörten auch „die konventionell angetriebenen Fahrzeuge, deren Emissionsverhalten wir weiter kontinuierlich verbessern werden, auch durch Senkung der CO2-Emissionen mittels Hybridtechnik.“

Vertrieb wehrte sich wohl gegen Streichung wichtiger Modelle

Hinter den Kulissen hat sich anscheinend vornehmlich der Vertrieb gegen den starken Fokus auf Elektroautos und die Streichung wichtiger Verbrennermodelle ausgesprochen. Als Konzernchef Herbert Diess den Kleinwagen Up mit Verbrennungsmotor aus dem Sortiment nehmen und nur noch den E-Up produzieren wollte, stellten sich die Händler quer. Der Up sei wichtig, um über den Preis Kunden in die Ausstellungsräume zu locken. Die Folge: Der Kleinwagen wird nun auch weiterhin als Verbrenner angeboten.

Erneut protestieren die Händler gegen Diess' Plan, als dieser den Passat bis spätestens 2023 durch ein MEB-Derivat ähnlich der Studie ID ersetzen wollte. Besonders für Flottenkunden sei das E-Auto zu hochpreisig. Daraufhin blieb das Verbrennermodell auch nach diesem Konflikt im Sortiment der Wolfsburger.

Ebenfalls auf Drängen der Handelspartner wird der oftmals als Klimakiller kritisierte Luxus-SUV Touareg nach Informationen von „Auto Motor und Sport“ bis voraussichtlich 2027 weitergebaut. Diese Entscheidung fiel wohl auch aus wirtschaftlichen Gründen. Denn der Konzern verdient an einem V8 TDI bis zu 25.000 Euro – Geld, das Volkswagen für die Entwicklung von elektrischen Modellen braucht.

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