BRV-Studie: Reifenhandel unter Druck

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„Die Branche ist unter die Räder gekommen“, erklärte Verbandspräsident Peter Hülzer auf einer Veranstaltung in Stuttgart. Die Studie „Reifenfachhandel 2020“ offenbart die tiefe Krise der Pneu-Profis.

(Foto:  Stiebling)
(Foto: Stiebling)

Auf die Reifenbranche kommen schwierige Zeiten zu. „Der Reifenfachhandel gerät in einem schrumpfenden und hart umkämpften Markt zunehmend unter Druck.“, sagte Peter Hülzer am Mittwoch auf dem Kumavision-Reifenforum in Stuttgart. Der Präsident des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk (BRV) gab erstmals Einblick in die Studie „Reifenfachhandel 2020“, die erst auf der BRV-Mitgliederversammlung am 14. Juni in Konstanz offiziell präsentiert wird.

Sie dürfte in der Branche für Aufsehen sorgen, denn die Marktforscher von BBE Automotive und ABH Market Research malen ein düsteres Bild von der Zukunft des Reifenhandels. So ist der Reifenmarkt gesättigt und lässt kein Stückzahlenwachstum mehr erwarten; allenfalls geht die Verschiebung vom Sommer- zum Wintersegment weiter. Stark wachsen soll das Segment Ganzjahresreifen (von heute drei auf sechs Millionen Exemplare im Jahr 2020). Das führt allerdings zu zurückgehenden Serviceumsätzen, weil die Räder nicht mehr gewechselt und eingelagert werden müssen.

Die Konkurrenz mit den Kfz-Betrieben wird härter

Weil gleichzeitig die durchschnittlichen Reifenpreise sinken (von 2007 bis 2013 um neun Prozent), das Internet für Transparenz und Konkurrenz sorgt und auch das regionale Großhandelsgeschäft mit der Autobranche immer unbedeutender wird, gerät der Reifenhandel ausgerechnet in seinem Kerngeschäft unter Druck.

Dazu kommt der Wettbewerb mit Autohäusern und Freien Werkstätten, die das Reifengeschäft für sich entdeckt haben. Für das Jahr 2020 sagt die Studie einen deutlichen Marktanteilsverlust des Reifenhandels zugunsten der Kfz-Branche voraus: Die heute 44 Prozent Anteil am Sellout von Pkw-Reifen sollen je nach Szenario auf 34 bis 37 sinken – und damit auf Rang zwei hinter die Kfz-Betriebe.

Gleichzeitig belegt die Studie, dass sich Reifenhändler oft schwer tun, attraktive Zielgruppen zu erreichen. In keinem Absatzkanal ist die Lücke zwischen dem tatsächlichen Marktanteil und der Zahl der Kunden, die sich vorstellen können, die nächsten Reifen auch dort zu kaufen, so groß. „Der nächste Reifenverkauf muss hart erarbeitet werden“, heißt es in der Studie. Überspitzt zusammengefasst bedeutet das: Wer einmal in einem Reifenbetrieb war, kommt nicht so schnell wieder.

Reifenhandel hat Angst vor der Motorhaube

Als Königsweg aus der Krise gilt vielen in der Branche der Ausbau des Servicegeschäfts. Doch auch hier kommt der Reifenhandel nicht so schnell voran wie es nötig wäre. Zwar können sich 45 Prozent der befragten Autofahrer vorstellen, eine Wartung oder Reparatur in einem Reifenbetrieb durchführen zulassen – aber nur 7 Prozent haben es bereits getan. Der Anteil des Gewerbes am Kfz-Servicemarkt beträgt aktuell drei Prozent (bei 4.400 Betrieben im Vergleich zu 38.000 Autowerkstätten). Die immer komplexere Autotechnik verstärkt zudem bei den Betrieben die „Angst vor der Motorhaube“, wie ein Brancheninsider es nannte.

Als weitere branchentypische Schwächen haben die Macher der Studie die folgenden Punkte identifiziert:

  • oft nicht ausreichende Unternehmensgröße
  • Schwierigkeiten, gute Mitarbeiter zu finden und zu halten
  • extreme Saisonabhängigkeit (fünf Monate im Jahr „Stand-by“)

Um einen Ausweg aus der Krise zu finden, appelliert BRV-Präsident Hülzer an das unternehmerische Selbstverständnis der Reifenhändler: „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem! Der Reifenhandel muss auf Angriff schalten und aus der Stand-by-Phase herauskommen.“ Im einzelnen legt er seinen Mitgliedern folgende Punkte ans Herz:

  • die Marktpräsenz verbessern, vor allem in Internet
  • Preise „mit Zähnen und Klauen“ verteidigen
  • Das lokale Kundenpotenzial besser nutzen
  • den Reifenverkauf im Außendienst stärken
  • das Erscheinungsbild der Betriebe verbessern
  • die Reifenkompetenz stärken und herausstellen
  • Kfz-Service aufbauen und besondere Stärken aufbauen (Zweirad, Oldtimer usw.)

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