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Continental muss wohl Kündigungen aussprechen

| Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Continental-Chef Elmar Degenhart sieht schwere Zeiten auf den Zulieferer zukommen. Das bereits begonnene Sparprogramm wird nicht ausreichen, um die Folgen der Corona-Krise abfedern zu können. An betriebsbedingten Kündigungen wird wohl kein Weg vorbeiführen.

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Conti-Chef Elmar Degenhart stellt die Belegschaft auf harte Zeiten ein.
Conti-Chef Elmar Degenhart stellt die Belegschaft auf harte Zeiten ein.
(Bild: Continental)

Der Autozulieferer Continental kommt infolge der massiven Auswirkungen der Corona-Krise voraussichtlich nicht um betriebsbedingte Kündigungen herum. Bei dem Konzern läuft bereits ein Stellenabbau wegen des allgemeinen Umbruchs in der Auto- und Maschinenbauindustrie, der möglichst sozialverträglich geschehen soll.

Auch weiterhin gelte das Ziel, eventuell nötige Entlassungen zu minimieren, erklärte Vorstandschef Elmar Degenhart in einer internen Videobotschaft. Aber die Lage werde zunehmend kritisch: „Wir können aktuell keine Jobgarantien geben. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir über Kündigungen sprechen müssen, ist sehr, sehr hoch“, sagte der Manager nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ (Mittwoch).

„Wir können von politischer Seite keine Hilfe erwarten“

Es geht demnach um eine mögliche Verschärfung des Sparkurses um mehrere hundert Millionen Euro. „Das wird sehr schmerzhaft. Aber wir haben keine andere Wahl“, betonte Degenhart. Das Unternehmen aus Hannover – nach Bosch weltweit zweitgrößter Lieferant der Autobranche – hatte auf einen starken Impuls durch das Konjunkturprogramm der Bundesregierung gehofft. Auch weil moderne Verbrennungsmotoren aus der Förderung ausgeschlossen wurden, zeigte sich der Conti-Chef enttäuscht: „Wir können von politischer Seite keine Hilfe erwarten.“ Das gelte zumindest für die akute, kurzfristige Krisenbekämpfung.

Continental war wegen des stotternden Automarktes schon vor dem Corona-Ausbruch unter Druck geraten und hatte ein großangelegtes Umbauprogramm angekündigt. Bis zu 20 000 Stellen sollen bis 2029 davon betroffen sein, 500 Millionen Euro an Bruttokosten sollten nach bisherigen Plänen eingespart werden. Es würden „weitere Maßnahmen“ geprüft, hieß es.

Im Zuge der Pandemie zeigt sich der Konzern auch bei den Investitionen zurückhaltend. Für das laufende Geschäftsjahr soll mindestens ein Fünftel weniger ausgegeben werden. Im ersten Quartal sank der Gewinn unterm Strich um fast die Hälfte auf 292,3 Millionen Euro, für das zweite Quartal werden rote Zahlen erwartet.

Die gesamte Autoindustrie ringt wegen der Pandemie mit eingebrochenen Verkäufen und Überkapazitäten, auch Zulieferer und Reifenhersteller bekommen das zu spüren. Weltweit mussten bei Continental etwa 60 Prozent der knapp 240.000 Beschäftigten ihre Arbeitszeit verringern. Im wichtigen Markt China zieht das Geschäft aber wieder leicht an.

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