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Corona treibt Conti in die Krise

| Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Im Zuge des Lockdowns standen beim Autozulieferer Continental die Bänder still. Der Umsatz im zweiten Quartal ist in der Folge um 40 Prozent eingebrochen. Andere Standbeine des Konzerns liefen besser.

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Continental hat im Zug der Corona-Krise schwere Einbußen.
Continental hat im Zug der Corona-Krise schwere Einbußen.
(Foto: Continental)

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental ist von der Corona-Krise deutlich gezeichnet. Weil die meisten Autofabriken rund um die Welt wochenlang stillstanden und die Autobauer ihre Abrufe bei den Zulieferern stoppten, sackte der Umsatz kräftig ab. Im operativen Geschäft fuhr der Dax-Konzern einen hohen Verlust ein, wie Conti am Montagabend in Hannover mitteilte. Die Aussichten für das restliche Jahr kann das Management nach wie vor nur schwer einschätzen. An der Börse sorgten die Zahlen am Dienstag hingegen für etwas Erleichterung, weil Experten teils mit noch Schlimmerem gerechnet hatten.

Conti-Chef Elmar Degenhart hatte bereits rote Zahlen für das zweite Quartal angekündigt und dabei vom wohl schwersten Vierteljahr der Autoindustrie seit Jahrzehnten gesprochen. So schmolz der Umsatz aus Basis vorläufiger Zahlen auf 6,62 Milliarden Euro zusammen. Bereinigt um Zu- und Verkäufe sowie Wechselkurseffekte betrage der Rückgang damit 39,8 Prozent, meldete der Konzern.

Operativer Verlust im oberen dreistelligen Millionenbereich

Vor Zinsen und Steuern sowie um Sondereffekte bereinigt lag die operative Marge bei minus 9,6 Prozent vom Umsatz. Insgesamt dürfte Conti damit rechnerisch einen operativen Verlust im oberen dreistelligen Millionenbereich eingefahren haben. Ein Jahr zuvor hatte Conti noch 868 Millionen Euro verdient. Bei der operativen Marge hatten die Experten zuvor im Schnitt mit einem noch schwächeren Abschneiden gerechnet, auch beim Umsatz waren viele Analysten vorher noch skeptischer.

Autobauer hatten ihre Fabriken rund um die Welt wochenlang gestoppt, weil auch die Autohäuser im Lockdown schließen mussten und die Händler keine Autos verkaufen konnten. Die Abrufe bei den Zulieferern wurden ebenfalls auf Eis gelegt. Conti rechnete nach früheren Angaben mit einem Minus der weltweiten Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen von rund 40 Prozent im zweiten Quartal. Conti hängt nicht nur mit Autozulieferteilen direkt von der Autoproduktion ab, sondern auch im Reifengeschäft mit der Erstausstattung von neuen Autos.

Reifensparte läuft stabiler

Bei Conti machte sich der Produktionsstopp vor allem in Europa und Nordamerika in allen Sparten deutlich bemerkbar. Am stärksten waren die Umsatzeinbrüche im Geschäft mit unter anderem Elektronik, Sensorik und Bremssystemen, aber auch in der Antriebssparte. Das Geschäft mit Reifen und Kunststofftechnik kam etwas glimpflicher davon, verzeichnete aber ebenfalls einen starken Dämpfer mit minus einem Drittel.

Während die Autozulieferung durchweg Verluste verzeichnete, konnte Conti mit Reifen und Kunststofftechnik immerhin noch einen kleinen operativen Gewinn einfahren. Die Reifensparte ist ohnehin die Ertragsperle des Konzerns und liefert in normalen Zeiten den Großteil des Gewinns.

Conti-Chef Elmar Degenhart hatte auf der Hauptversammlung vergangene Woche in Aussicht gestellt, dass das dritte Quartal zwar besser als das zweite werden dürfte. Doch auf einen konkreten Finanzausblick für das Jahr 2020 verzichtet das Management wegen der Unsicherheiten nach wie vor. Es bleibe schwierig, das Ausmaß der nachteiligen Auswirkungen der Pandemie auf Produktion, Lieferkette und Nachfrage abzuschätzen.

Das Unternehmen befand sich schon vor der Corona-Krise in einem tiefgreifenden Umbruch, das Management will im laufenden Jahrzehnt das Geschäft so stark umbauen, dass bis zu 20.000 Arbeitsplätze davon betroffen sein könnten. So geht etwa in Westeuropa die Produktion von Pumpen und Einspritztechnik für Verbrenner schrittweise zu Ende. Auch Anzeige- und Bedienelemente sind betroffen. Rund um die Welt wollen die Niedersachsen die Produktion straffen und auch Standorte zusammenlegen. Gleichzeitig werden Mitarbeiter weiterqualifiziert und Stellen besonders im Software-Bereich geschaffen. Conti hatte zuletzt weltweit knapp 240.000 Mitarbeiter.

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