Digital Automotive Award DC Connected bringt den Dongle für die Werkstatt

Autor: Steffen Dominsky

Nein, er ist nicht der 127. Spielzeug-OBD-Dongle mit Bluetooth-Anbindung: der „DCoder“. Stattdessen ist er ein Werkzeug für Werkstätten mit echtem Nutzwert. Das Produkt eines Kfz-Meisters wurde als Gewinnerbetrieb des Digital Automotive Awards 2021 ausgezeichnet.

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Kfz-Meister Dennis Christ hat zusammen mit Bianca Christ den „DCoder“ ins Leben gerufen. Das OBD-Dongle-Konzept ist speziell auf die Bedürfnisse freier Werkstätten zugeschnitten.
Kfz-Meister Dennis Christ hat zusammen mit Bianca Christ den „DCoder“ ins Leben gerufen. Das OBD-Dongle-Konzept ist speziell auf die Bedürfnisse freier Werkstätten zugeschnitten.
(Bild: »kfz-betrieb« / Dominsky)

Ein Kinderbuchautor als Vorbild für einen Kfz-Betrieb? Warum nicht? Schließlich ist an Erich Kästners Zitat „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ viel Wahres dran. Davon ist auch Dennis Christ überzeugt. Von der Pike auf hat er gelernt, vor welchen Herausforderungen freie Werkstätten seit Jahren stehen, und erst recht künftig stehen werden. Schließlich betreibt sein Vater im bayerischen Nersingen eine Werkstatt, in der auch Dennis arbeitet.

„In modernen Fahrzeugen leuchten einfach immer mehr Warnlampen. Und dann sind die meisten Autofahrer schnell verunsichert, reagieren bisweilen fast panisch“, schildert der Kfz-Meister und -Sachverständige die Situation aus seiner Sicht. Zugegeben eine Erkenntnis, die nicht wirklich erstaunt. Was aber erstaunt, ist die Ableitung, die der 27-Jährige daraus getroffen hat: „Bereits seit etlichen Jahren gibt es eine Vielzahl an Vernetzungsmöglichkeiten für Bestandsfahrzeuge, sprich ein Heer sogenannter OBD-Dongles. Viele bieten oft nur ‚spielerische‘ Funktionen, seriöse Produkte sind selten. Eine Lösung, wie sie in meinen Augen freie Werkstätten wirklich benötigen, ist echte Mangelware“, schildert Christ den Ist-Zustand aus seiner Sicht.

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Das heißt, eine Lösung, die nicht nur dokumentiert, sondern bei der sich die Werkstatt auch auf das Fahrzeug aufschalten, und das Problem entweder gleich beheben, zumindest aber einordnen kann. Vor allem aber eine Lösung, die sie in die Lage versetzt, dem Kunden zu helfen und ihn zu beruhigen.

Nicht die Schweizer haben es erfunden

Ergo macht Dennis Christ seit Ende 2019 das, was ein gestandener Handwerksmeister halt so macht: Er weiß sich zu helfen. Im September 2020 gründet er mit DC Connected sein eigenes Unternehmen – neudeutsch: Start-up – und entwickelt „ganz einfach“ sein eigenes OBD-Dongle-Konzept.

Doch worin unterscheidet sich der DCoder von den bereits erhältlichen Konzepten? Ganz einfach darin:

  • Er arbeitet autark, besitzt eine eigene SIM-Karte und muss nicht mit einem Handy verbunden werden, um überhaupt zu funktionieren.
  • Die Werkstatt kann das System, sprich die Kundenfahrzeuge per „Dashboard“ jederzeit von jedem Ort mit jedem beliebigen Endgerät (mit Internetverbindung) verwalten.
  • Ebenso können Firmen und Flottenkunden ihre Fahrzeuge jederzeit von jedem Ort mit jedem beliebigen Endgerät (mit Internetverbindung) monitoren.
  • Er fragt nicht nur OBD-Daten ab, sondern liest Daten auf Steuergeräteebene aus, bietet also eine echte „Over-the-Air“-Diagnose.
  • Die Werkstatt bekommt nicht nur Fehler und spezifische Istzustände angezeigt, sondern zugleich Handlungsempfehlungen im Problemfall („Die wahrscheinlichste Fehlerursache ist ...“).
  • Er bietet neben der Fehleranzeige und Analyse weitere sinnvolle Funktionen wie eine Standortortung, eine Streckendokumentation, eine Fahrstilcharakterisierung, eine automatische Unfallerkennung sowie eine HU- und Serviceverwaltung.
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Selbstverständlich kann auch der Autofahrer selbst die Vorteile nutzen, die ihm ein Werkzeug wie der DCoder bietet. Über den App- (IOS) bzw. Google-Play-Store (Android) kann er kostenlos eine Anwendung herunterladen, und so über sein Smartphone seine Fahrten dokumentieren/protokollieren bzw. relevante Informationen abfragen. Dazu zählt beispielsweise auch, ob an einem Fahrzeug ein Fehler aufgetreten ist, aber nicht im Detail welcher – diese Info ist nur für die Werkstatt relevant. Und ob er der Werkstatt seinen Standort verraten möchte, entscheidet selbstverständlich er selbst.

Datenschutz wird großgeschrieben

„Generell legen wir bei unserem Konzept viel Wert auf das Thema Datenschutz“, betont Bianca Christ. Die Cousine von Dennis Christ verkörpert die anderen 50 Prozent von DC Connected. Sie hat ihre Bachelorarbeit über das Konzept geschrieben und es maßgeblich mitentwickelt. „So geben wir Werkstätten einen expliziten Datenschutzvertrag an die Hand, mit dem sie rechtskonform das Verhältnis zu ihren Kunden regeln und umgekehrt. Außerdem lagern wir Daten, die wir entsprechend verwalten, auf einem eigenen Server in Deutschland und nicht bei Dritten sonst wo“, erklärt die 27-Jährige.

Dass sie mit ihrem Konzept noch am Anfang stehen, daraus machen die beiden Jungunternehmer keinen Hehl. Vor einem halben Jahr begann die aktive Testphase mit 200 Dongles und einem Dutzend Partnerwerkstätten. Seit Kurzem ist das kombinierte Kundenbindungs- und Ferndiagnosewerkzeug marktreif. „Im ersten Schritt können wir in der Tiefe nur auf Motorsteuergeräte zugreifen. Bis Jahresende möchten wir das aber auf weitere praxisrelevante Steuergeräte ausdehnen“, definiert Dennis Christ den Status quo bzw. konkrete Planungen. Auch ist aktuell in Sachen Ferndiagnose nur ein „Fehler-lesen/-löschen“ möglich. Künftig soll es auch die bekannten Diagnosefunktionen wie „Stellgliedtest“ und „Livedaten“ geben.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group