»kfz-betrieb« Auto-Check Opel Grandland Der Stern leuchtet ein wenig matt

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 3 min Lesedauer

Mit dem Grandland tritt Opel im wohl wettbewerbsintensivsten Segment an, dem der kompakten SUVs. Das gute Platzangebot und der Fahrkomfort können durchaus überzeugen. Doch reicht das, um aus der Masse herauszustechen?

Beim neuen Grandland sind das Markenlogo vorn und der Opel-Schriftzug an der Heckklappe beleuchtet – besonders brillant kommt das bei Tageslicht aber nicht raus.(Bild:  Rosenow – VCG)
Beim neuen Grandland sind das Markenlogo vorn und der Opel-Schriftzug an der Heckklappe beleuchtet – besonders brillant kommt das bei Tageslicht aber nicht raus.
(Bild: Rosenow – VCG)

Der große Opel – das waren früher Modelle wie... ach, lassen wir das. Das Zeitalter der großbürgerlichen Limousine ist ohnehin vorbei, heute regiert der SUV. Und auf diesem Markt hat sich Opel mit dem 2024 lancierten Grandland der zweiten Generation aussichtsreich platziert. Mit 4,65 Länge ist er eines der größeren Modelle im Kompaktsegment, und er basiert als erster Opel auf der neu entwickelten Multi-Antriebs-Plattform STLA Medium von Konzernmutter Stellantis.

Auf dieser sind BEVs ebenso darstellbar wie Plug-in-Hybride und klassische Verbrenner – wobei Letztere stets mit einer Dedicated Hybrid Transmission (DHT) zwangsgekoppelt sind, also einem Getriebe mit fest integrierten Hybridkomponenten. Mit einer Spannungslage von 48 Volt braucht es keine teure Hochvoltabsicherung.

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Für die meisten Kunden dürfte sich dieser Antrieb anfühlen wie ein normaler Verbrenner mit Automatikgetriebe. Wer feine Antennen hat, der spürt, dass das Anrollen stets elektrisch erfolgt und damit etwas direkter und flotter als bei den meisten Autos mit normalem Doppelkupplungsgetriebe. Der Verbrennungsmotor wird erst nach ein paar Metern Fahrt angeworfen und übernimmt ohne größere Ruckeleien den weiteren Vortrieb.

Viele Insassen dürften sich aber schnell einen höheren elektrischen Fahranteil wünschen, denn der 1,2 Liter große Standard-Dreizylinder von Stellantis läuft weder leise noch besonders vibrationsarm. Erst bei gleichmäßiger Fahrt auf der Autobahn gibt er Ruhe, und auch der Verbrauch kann sich sehen lassen, wenn man es am Gaspedal nicht übertreibt. In Diensten von »kfz-betrieb« pendelte der Kraftstoffkonsum – je nachdem, wie es dem Fahrer oder der Fahrerin auf der Autobahn pressierte – zwischen 6 und gut 8 Litern.

Viel Platz, aber keine Siebensitzer-Option

Die sehr geradlinig gestaltete Karosserie bietet viel Platz sowohl in der ersten als auch in der zweiten Sitzreihe. Eine dritte gibt es – anders als im kleineren Frontera – auch optional nicht. Noch eine nostalgische Reminiszenz gefällig? Der 2019 eingestellte Zafira C brachte auf der exakt gleichen Außenlänge wie der Grandland dank seines variablen Flex-7-Sitzsystems zwei Personen mehr unter als der Grandland.

Doch wer mit maximal fünf Personen reist, dürfte mit dem Platzangebot des Grandland zufrieden sein. Sowohl Kopf- als auch Beinfreiheit reichen auch für 16-jährige Nachwuchs-Fußballer mit Gardemaß. Die Sitzbezüge im „Drei-Farben-Grau“-Design vermitteln zwar kein Premium-Gefühl beim Anfassen, wirken aber robust und langlebig. Die AGR-zertifizierten Vordersitze sind sehr bequem und passen sich auch dank der verlängerbaren Sitzfläche an praktisch jede Statur an.

Extrem breiter, aber nicht sehr hoher Bildschirm

Für das Cockpit gilt das gleiche wie für die Sitze – die Oberflächen sind optisch abwechslungsreich, wirken aber nicht sehr hochwertig. Am Armaturenbrett des Testwagens wechselten sich filzartiger Stoff, Klavierlacke, rote Zierleisten und eine Art CFK-Struktur miteinander ab.

Der Fahrer blickt auf ein sachlich gestaltetes Informationsdisplay, durch dessen Ebenen man sich wie bei Stellantis üblich mit den nicht gekennzeichneten Tastern in den Enden der Lenkstockhebel arbeiten muss. Immerhin gibt es aber noch diese und andere haptische Bedienelemente – etwa die Leiste unterhalb des Touchscreens, mit der sich die Klimaanlage steuern lässt.

Der Berührbildschirm in der Mitte ist in einem extremen Querformat (16 Zoll Breite) ausgeführt. Wer die Navikarte nordweisend einstellt, sieht dadurch recht wenig von der Streckenführung – etwas mehr Bildschirmhöhe wäre wirklich besser. Zumal Opel die Bildschirmfläche nicht gut ausnutzt. Es wäre bei Weitem genug Platz für Schaltflächen, um beispielsweise von Android Auto direkt auf andere Fahrzeugfunktionen umzuschalten – doch im Grandland heißt es immer: „Gehen Sie über Home“.

Ein wenig mehr Liebe zum Detail wäre schön

In Sachen Fahrerassistenz ist der Grandland absolut konkurrenzfähig aufgestellt – der Testwagen besaß zusätzlich das Tech-Paket unter anderem mit Head-up-Display, LED-Matrix-Scheinwerfern und erweiterten Assistenzfunktionen. Trotz umfangreicher Ausstattung bliebt der Testwagen mit gut 45.000 Euro deutlich unter der 50.000-Euro-Marke, die ja heutzutage auch in der Kompaktklasse sehr schnell gerissen wird. Und das für ein Fahrzeug „Made in Germany“ – ein Umstand, auf den der Hersteller auf seiner Website deutlich hinweist.

Insgesamt stellt der Opel Grandland ein solides Angebot dar und muss sich vor seinen Konkurrenten anderer Volumenmarken keinesfalls verstecken. Ein wenig mehr Liebe zum Detail und ein paar technische Unterscheidungsmerkmale zu den anderen Stellantis-Modellen würden ihm aber sicher helfen, aus der Masse herauszustechen.

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