Der Nutzfahrzeugmarkt ist hart umkämpft
Das Jahr 2009 ist für die Nutzfahrzeugbranche geprägt von Rückschlägen und dem Warten auf bessere Zeiten. Noch müssen alle Beteiligten kämpfen und durchhalten.
Endlich sind sich die Hersteller und Importeure von Nutzfahrzeugen einmal einig: Das Jahr 2009 ist de facto gelaufen, und mit einer Erholung des Marktes ist frühestens im zweiten Halbjahr 2010 zu rechnen. Bis dahin verfällt die Branche in dumpfes Brüten und stellt höchstens neue Finanzierungsmöglichkeiten bereit. Und das in einer Welt, in der sich die Banken noch die Wunden lecken, die die Finanzkrise geschlagen hat.
Fritz Kuckartz, Vizepräsident des Händlerverbands der Deutschen Renault-Händler, steht mit seiner Meinung nicht allein da, dass es derzeit fehlende Kreditzusagen und zurückgewiesene Finanzierungsanfragen sind, die den Händlern die Geschäfte schwer machen.
Auf Nachfrage von »kfz-betrieb« bestätigten viele Hersteller, Importeure, Lkw-Vermieter und Nutzfahrzeughändler die insgesamt schlechte Lage bei den leichten und schweren Lkw.
Die Nutzfahrzeugmärkte erlebten im zweiten Quartal 2009 einen deutlichen Einbruch über alle Segmente hinweg. Mittelschwere und schwere Lkw waren dabei mit Rückgängen zwischen 40 und 60 Prozent am stärksten betroffen. Hinzu kommt, dass sich in Europa riesige Bestände an unverkauften Lkw aufgebaut haben. Das belastete auch das Gebrauchtwagengeschäft, in dem besonders Euro-3-Fahrzeuge massiv an Wert verloren.
Einbrüche und Wertverluste
Die Branche kämpft um jeden Kunden und um jede Tonne Transportgut und sieht sich mit den schlechtesten Absatzzahlen seit der Wiedervereinigung konfrontiert.
„In diesen schwierigen Zeiten müssen sich die Unternehmen beweisen. Dazu gehört, kreativ und flexibel zu sein und sich vor allem um seine Kunden zu bemühen“, sagt ein Vertragshändler aus Niedersachsen. Ein Bestandteil dessen sei geschultes Personal. Neben guten Verkäufern zählten auch spezialisierte Werkstattmonteure zu einem zukunftsfähigen Unternehmen. „Der Markt ist ja nicht tot, und es kommt nach wie vor zu Geschäftsabschlüssen, auch wenn der Weg dahin schwieriger ist. Als Geschäftsführer ist es daher umso wichtiger, seine Leute so zu führen, dass sie sich sicher fühlen“, sagt der Unternehmer.
Vermietgeschäft ausbauen
Zu der angesprochenen Kreativität gehört für viele Händler der Ausbau des Vermietgeschäfts. Viele Autohäuser vermieten daher einen Teil ihrer Vorführwagen, um Umsätze zu generieren. Aber auch in diesem Sektor ist die Situation mehr als angespannt.
Einen Großteil des weltweiten Nutzfahrzeugabsatzes stemmt die Transportbranche. Während des Presseworkshops zur Nutzfahrzeug-IAA 2008 verwies VDA-Präsident Matthias Wissmann darauf, dass das gesamte Transportvolumen in den nächsten 15 Jahren um 50 Prozent ansteigen werde.
Ein Jahr nach diesen Worten hat sich die Menge an Güterverkehrsaufträgen um nahezu diese Zahl ins Negative verringert, Speditionen melden Insolvenz an oder legen Teile ihres Fuhrparks still.
Lkw-Fahrer verharren auf Autohöfen
Hier beginnt das Warten: Wie ein Fahrzeughändler aus Norddeutschland erzählt, seien seiner Meinung nach vermehrt Lkw mit ausländischen Kennzeichen auf den Autobahnen unterwegs. Die hiesigen Speditionsfahrzeuge sorgen hingegen für gut gefüllte Rastplätze und Autohöfe an den Knotenpunkten der deutschen Bundesautobahnen. Nur dass deren Trucker dort nicht pausieren, sondern auf Abruf bereitstehen, anstatt mit einer Leerfahrt zurück zum Heimatort zu fahren, die keinen Gewinn abwirft.
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