1a Autoservice Steffen Die Dorfwerkstatt, die sich zur Million schraubt

Von Jakob Schreiner 4 min Lesedauer

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Die Erfolgsgeschichte von 1a Autoservice Steffen begann mit einem dramatischen Brand, der sie beinahe verhindert hätte. Heute, sechseinhalb Jahre später, steuert der Betrieb auf die Millionenmarke im Umsatz zu und hat es beim Deutschen Werkstattpreis 2025 unter die Top Ten geschafft.

Willkommen beim 1A Autoservice: Chef NiKo Steffen empfängt seine Kunden persönlich – so wie es sich für eine echte Dorfwerkstatt gehört. (Bild:  Schreiner – VCG)
Willkommen beim 1A Autoservice: Chef NiKo Steffen empfängt seine Kunden persönlich – so wie es sich für eine echte Dorfwerkstatt gehört.
(Bild: Schreiner – VCG)

2018 wagte der damals 27-jährige Niko Steffen den Schritt in die Selbstständigkeit und erwarb eine seit Jahren leerstehende Werkstatt. Doch nur wenige Tage nach dem Notartermin brach ein Brand aus. „Ich hatte die Kripo hier stehen, Brandgutachter, das volle Programm", erinnert sich der heute 35-Jährige. Der Voreigentümer hatte alte Asche in einen Plastikeimer gefüllt und war essen gegangen – grob fahrlässig, befand die Versicherung und zahlte nur einen Bruchteil. „Das hat viele schlaflose Nächte bereitet", gibt Steffen zu. Aufgeben kam trotzdem nicht infrage. Stattdessen entschied er, seine „Traumwerkstatt" daraus zu machen.

Bis September 2018 wurde der komplette Betrieb kernsaniert: der Brandschaden wurde beseitigt, Wände verschwanden, die Elektrik wurde erneuert, Hebebühnen ausgetauscht. Knapp 300.000 Euro flossen in den Umbau. 2020 folgte der zweite Ausbauschritt mit einer Fünf-Tonnen-Hebebühne für Transporter und Kastenwagen, die dank entsprechender Hallenhöhe auch komplett angehoben werden können. Heute präsentiert sich der Betrieb mit fünf vollwertigen Arbeitsplätzen und moderner Ausstattung – und ist technisch, aber auch strategisch stark aufgestellt.

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Der 1A Autoservice versteht sich als klassische Dorfwerkstatt – und besetzt diesen Begriff bewusst positiv: Hier wird alles angepackt. Auf die Frage nach Marken antwortet Steffen lachend: „Alles." Und meint es ernst. „Die Leute bringen uns Autos von 300 bis 300.000 Euro, Fahrzeuge von einem bis 30 Jahre alt. Kettensägen, Traktoren, Motorräder – ich hatte sogar schon eine Nähmaschine von der Nachbarin hier."

Möglich macht das die geballte Erfahrung: Niko Steffen, Pascal Meyer und Matthias Paulus – alle drei Kfz-Technikermeister – bringen zusammen über 60 Jahre Berufserfahrung mit. „Und mittlerweile findet man doch immer wieder die gleichen Motoren mit verschiedenen Logos vorne dran", sagt Steffen. Dennoch sind die Spezialisierungen verteilt: Steffen bevorzugt PSA-Fahrzeuge, Meyer kommt aus der Nutzfahrzeugbranche und liebt Mercedes-Benz und BMW, Paulus hat Ford- und Opel-Background.

Drei Meister, keine Hierarchien

Was den Betrieb besonders auszeichnet: das „One Man on Top"-Prinzip, wie es Steffen selbst nennt. „Jeder von uns nimmt den Kunden an, macht die Dialogannahme, repariert das Auto und gibt es auch wieder raus", erklärt Steffen. „Der Kunde hat einen festen Ansprechpartner." Klassische Hierarchien gibt es nicht. Jeder hat ein Telefon in der Hosentasche, geht ans Telefon und plant seine Kapazitäten im gemeinsamen Outlook-Kalender.

Herzstück der Kundenkommunikation ist WhatsApp Business. „Die Kunden bekommen Kostenvoranschläge, Fotos von Schäden und können direkt freigeben", erklärt Steffen. „Gerade die jungen Kunden lieben das."

Ein strategischer Schachzug war der Einstieg in Fahrschulumbauten. Mittlerweile betreut der Betrieb zehn Fahrschulen und hat 60 bis 70 Doppelpedalumbauten durchgeführt. „Am Anfang dachte ich: Das mache ich nie wieder", gibt Steffen zu. „Aber mittlerweile läuft es super." Die Fahrschulen wurden zum Türöffner für junge Kundschaft. „Die Fahrlehrer haben alle Flyer von uns im Auto. Die jungen Leute kaufen mit 18 ihr erstes Auto für 3.000 oder 4.000 Euro bei mir. Warum sollten sie mit 25 nicht ihr zweites kaufen?" Die Rechnung geht auf: „Von fünf Autos, die ich verkaufe, habe ich drei im Service. Oft wechseln dann komplette Familien zu mir."

Besonders emotional wird Steffen bei Reha- und Ergomotiv-Umbauten: Handgas, Einstiegshilfen, Kofferraumkräne für Rollstühle. „Das ist wirklich eine der schönsten Sachen. Menschen nach einem Schlaganfall oder Unfall wieder Mobilität zu verschaffen – da sind auch schon Tränen geflossen.“ Für die teils hochkomplexen Umbauten ist noch echte Handwerksarbeit gefragt; fertige Bausätze gebe es so gut wie nicht. „Man muss alles selbst schweißen, bauen, zum Pulverbeschichten schicken.“ Zwischen 20 und 25 solcher Einzelanfertigungen macht der Betrieb pro Jahr – Steffen kümmert sich auch komplett um die Abrechnung mit den Versicherungen.

Ein weiteres kürzlich erschlossenes Standbein ist der Tuning-Bereich. Als offizieller KW-Partner hat der Betrieb 2024 allein 45 Fahrwerke verbaut. Eine weitere Besonderheit: Walnussstrahlen für verkokte Ansaugtrakte.

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Details, die zählen

Dass Kundenerlebnis mehr als Technik ist, zeigen die kleinen Dinge: ein persönlicher Nachfassanruf des Chefs, ein Duftbaum oder eine Packung Spätzle mit Logo im Fahrzeug – Details, die auf dem Land mehr sind als nette Gesten. Mit rund 1.100 Kunden – davon 82 Prozent in den vergangenen 24 Monaten aktiv – steuert der Werkstattumsatz auf die Million zu. Phasenweise führten zwei bis drei Monate Vorlauf zu schmerzhaften Abwanderungen; heute wird Kapazität sorgfältiger geplant.

Blick nach vorn

Für die Zukunft steht ein ADAS-Kalibriersystem auf der Einkaufsliste, Büro und Wartebereich sollen modernisiert, das Hallendach saniert und mit Photovoltaik belegt werden, um den Betrieb auch energetisch zukunftsfest aufzustellen.

Und dann ist da noch der persönliche Traum von Niko Steffen: die feste Vier-Tage-Woche. Aktuell schafft er viereinhalb Tage, dienstags mittags ist „Papatag" mit seinem Sohn. „Das ist für mich die schönste Zeit der Woche", sagt er. „Der Kleine ist mit ein Hauptgrund, warum ich die Vier-Tage-Woche irgendwann fest einführen möchte."

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