Neuzulassungen Die Markterholung fällt weiter aus

Von Andreas Grimm

Ein Plus von 3,2 Prozent – in Normalzeiten wäre es eine positive Entwicklung. Doch die Neuzulassungszahlen verharren letztlich auf einem sehr niedrigen Niveau. Angesichts der Turbulenzen verzichten Marktbeobachter inzwischen auf Prognosen fürs Gesamtjahr.

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Der Neuwagenmarkt erholt sich derzeit kaum spürbar vom Tief des letzten Jahres. Einzig die E-Auto-Zulassungen legen weiter kräftig zu.
Der Neuwagenmarkt erholt sich derzeit kaum spürbar vom Tief des letzten Jahres. Einzig die E-Auto-Zulassungen legen weiter kräftig zu.
(Bild: Volkswagen)

Der Neuwagenmarkt hat im Februar wieder nur leicht zugelegt. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts kamen im zweiten Monat des Jahres 200.512 Personenkraftwagen neu auf die Straßen. Das waren 3,2 Prozent mehr als im coronabedingt sehr schwachen Februar des Vorjahres. Vor zwei Jahren, vor dem Ausbruch der Pandemie, waren noch gut 240.000 Neuwagen zugelassen worden.

Nach zwei Monaten summieren sich die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland nun auf 384.624 Einheiten. Das ist ein Plus von 5,6 Prozent gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres. Auch hier lohnt sich der längerfristige Vergleich: 2020 waren nach zwei Monaten bereits 486.243 Neuwagen zugelassen worden, 2019 waren es sogar rund 530.000 Einheiten. Entsprechend wertet auch der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) die Situation im Handel mit Neu- und Gebrauchtwagen als „weiterhin angespannt“.

Auch Reinhard Zirpel, Präsident des Importeursverbands VDIK, sieht noch keine Erholung des Pkw-Markts, der „den historisch schlechten Vorjahresmonat“ nur um wenige Tausende Einheiten übertreffe. „Das Vorkrisenniveau bleibt derzeit noch in weiter Ferne.“ Einerseits gebe der weiterhin hohe Auftragsbestand Anlass für ein wenig Zuversicht, andererseits „müssen wir im Moment davon ausgehen, dass der Krieg in der Ukraine auch auf dem Kraftfahrzeugmarkt bald zu spüren sein könnte“. Die Branche werde sich erneut auf ein sehr schwieriges Jahr einstellen müssen.

Die Branche werde ein drittes Krisenjahr erleben, ist auch Peter Fuß, Automobilanalyst bei EY überzeugt. „Eine baldige Markterholung ist angesichts der jüngsten geopolitischen Zuspitzungen noch unwahrscheinlicher geworden.“ Es seien gravierende Lieferengpässe bei Rohstoffen und Zwischengütern zu beobachten; in der Folge ruht in einigen Automobilwerken bereits die Produktion. „Eine Prognose für den Pkw-Absatz in Deutschland im Jahr 2022 ist derzeit nicht möglich“, sagt Fuß.

Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie ist der Auftragseingang aus dem Inland im Februar deutlich gewachsen. Für seine Mitglieder weist der Verband ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat aus. Im bisherigen Jahresverlauf legte der inländische Auftragseingang sogar um 31 Prozent zu. Generell dämpfend auf die Zahl der Neuzulassungen wirkt sich nach Angaben des Industrieverbands weiterhin der Mangel an Vorprodukten in der Produktion aus. Die eingeschränkte Lieferfähigkeit von Neufahrzeugen beklagt auch der ZDK und verweist auf den in der Folge fehlenden Nachschub von jungen Gebrauchtfahrzeugen.

Wieder deutlich zugelegt haben im Februar die Elektro-Neuzulassungen. Sie stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 24 Prozent auf 49.900 Einheiten. Der Anteil von Elektro-Pkw an den gesamten Neuzulassungen betrug im vergangenen Monat somit 24,9 Prozent. Dabei legten die Neuzulassungen von rein batterieelektrischen Pkw (BEV) um 55 Prozent zu, die von Plug-in-Hybriden (PHEV) gingen um 1 Prozent zurück. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres wurden insgesamt 89.800 Elektro-Pkw zugelassen, 16 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Die klassischen Verbrenner verlieren im Umkehrschluss weiter an Zuspruch. Benziner kommen noch auf einen Anteil von 34,5 Prozent (69.200 Pkw / -5,7 %), Diesel auf 20,7 Prozent (41.500 Pkw / -15,9 %). Pkw mit Flüssiggas-Antrieb kommen auf 0,9 Prozent (1.730 Pkw). Angesichts der Antriebsentwicklung ist der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Neuwagen um 6,7 Prozent auf 118,0 g/km gesunken.

Der Nutzfahrzeugmarkt blieb nach Zahlen des VDIK im Februar mit rund 25.400 Neuzulassungen – das entspricht einem Minus von 8 Prozent – unter dem Vorjahresmonat. In den beiden ersten Monaten des Jahres wurden rund 48.600 Nutzfahrzeuge neu zugelassen (-6 %). Allerdings legten die schweren Nutzfahrzeuge zu.

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