Neuzulassungen Die Neuwagen-Krise ist zu Ende – oder doch nicht?

Von Andreas Grimm

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14,1 Prozent mehr Neuzulassungen verbucht das Kraftfahrt-Bundesamt für den September. Ein steiler Anstieg angesichts des tristen Umfelds der letzten Monate. Die Entwicklung hat gute Gründe – und dürfte schnell enden.

(Bild:  Schreiner – »kfz-betrieb«)
(Bild: Schreiner – »kfz-betrieb«)

Am deutschen Neuwagenmarkt geht es steil bergauf: Im September registrierten die Behörden in Deutschland 14,1 Prozent mehr Neuzulassungen als im Vorjahresmonat. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) kamen 224.816 Pkw neu auf die Straßen. Damit ist der Neuwagenmarkt den zweiten Monat in Folge im Plus – nach einem Anstieg der Erstzulassungen um 3,0 Prozent im August. Gleichzeitig bedeutet das September-Ergebnis den stärksten Zuwachs seit 15 Monaten.

Ein gutes Ende ist für Handel und Hersteller deswegen aber noch lange nicht in Sicht. Denn für den gesamten Jahresverlauf ist trotz der September-Erholung ein Rückgang der Neuzulassungen um 7,4 Prozent auf 1,87 Mio. Einheiten aufgelaufen. „Die Bilanz nach drei Quartalen 2022 ist ernüchternd. Zum ersten Mal überhaupt liegt der Pkw-Absatz nach neun Monaten unter zwei Millionen Einheiten“, kommentiert denn auch der Präsident des Importeursverbands VDIK, Reinhard Zirpel. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 beträgt das Absatzdefizit 32 Prozent.

Mit ein Grund für die aktuelle leichte Entspannung ist ein besserer Zufluss an Neuwagen. „Der Chipmangel lässt nach, die Liefersituation verbessert sich“, heißt es von der Unternehmensberatung EY in ihrem monatlichen Marktgutachten. Dazu kommt, dass sich im Neuwagenhandel über viele Monate ein Auftragsstau gebildet hat, der von den Herstellern nicht abgearbeitet werden konnte. Diese Autos kommen zunehmend in die Auslieferung. Für das laufende Jahr rechnet EY-Analyst Peter Fuß daher mit einer weiteren Erholung des Marktes.

Auf die Chipkrise folgen Inflation und Rezession

Trotzdem scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Autokonsum-Stimmung endgültig kippt. Schon in den letzten beiden Monaten hatte der Verband der Automobilindustrie einen deutlichen Rückgang des Auftragseingangs vermeldet. Im September liegt das Minus bei 21 Prozent. Damit wird immer deutlicher: Die Chipkrise wird zunehmend durch Inflation, Kaufkraftverluste und die drohende Rezession abgelöst. „Wir befinden uns in einem gefährlichen Abwärtsstrudel. Die Nachfrage nach Neuwagen dürfte in den kommenden Monaten zurückgehen – unter Umständen sehr stark“, warnt EY.

Eine langfristige Erholung des Neuwagenmarktes rückt damit in weite Ferne. Bereits Anfang September hatte der VDA zum dritten Mal innerhalb weniger Monate seine Neuwagenprognose nach unten korrigiert. Entsprechend fordert der VDIK unmissverständlich, der Markt brauche „dringend positive Impulse durch stabile Rahmenbedingungen und eine Unterstützung der Verbraucher angesichts steigender Energie- und Lebenshaltungskosten“.

Getragen wird der aktuelle Aufschwung derzeit von den privaten Neuzulassungen, die im September um 16 Prozent zulegten. Nach neun Monaten ist der private Pkw-Markt auch nur 1 Prozent im Minus. Auf niedrigem Niveau stabilisiert hat sich zudem der Dieselmarkt: Im September lag der Anteil der Selbstzünder bei 17 Prozent, im Vorjahresmonat waren es 16 Prozent.

Jeder dritte Neuwagen ist elektrifiziert

Gleichzeitig klettert der Absatz elektrifizierter Neuwagen wieder: Die Neuzulassungen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden sind im September zusammen um 29 Prozent auf 72.800 Einheiten gestiegen – die höchste Wachstumsrate in diesem Segment seit September 2021. Während reine Elektroautos um 32,4 Prozent zulegten, konnten auch die zuletzt kriselnden Plug-in-Hybride um 24 Prozent zulegen. Der Marktanteil elektrifizierter Neuwagen kletterte von 28,7 auf 32,3 Prozent. Die E-Auto-Verkäufe liegen damit insgesamt gut 2 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums.

Doch auch in diesem Wachstumssegment droht Ungemach, da durch die wegfallende beziehungsweise abgesenkte Förderung der E-Autos die Nachfrage beeinträchtigt werden dürfte. Dass das aktuell hohe Niveau der E-Zulassungen im kommenden Jahr beibehalten wird, „ist aufgrund der dann verringerten bzw. wegfallenden staatlichen Förderung jedoch eher unwahrscheinlich“, heißt es dazu vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK).

Durchwachsen fällt die September-Bilanz für die deutschen Marken aus. Die Zulassungen von Audi sind um 71,8 Prozent förmlich explodiert. Ein zweistelliges Plus verbuchten auch Mercedes (+46,1 %), VW (+30,2 %), Ford (+21,7 %), Mini (+19,0 %) und Porsche (+15,3 %). Die Marken Smart (-83,1 % – wegen der Komplettumstellung des Portfolios) und Opel (-15,5 %) verbuchten zweistellige Rückgänge, BMW (-0,2 %) verfehlte knapp das Ergebnis des Vorjahresmonats.

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Bei den Importmarken zeigt sich einmal mehr der Trend zum E-Mobil: Polestar erreichte mit +114,5 Prozent den deutlichsten Zuwachs, gefolgt von Tesla (+73,7 %). Auch Dacia (+71,9 %) ist mit dem Spring inzwischen gut elektrisch unterwegs. Gleichzeitig gibt es klare Verlierer wie Suzuki (-55,9 %), Mitsubishi (-41,3 %) und Renault (-30,3 %).

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