CES 2026 Die wichtigsten Trends der Techmesse

Quelle: dpa 4 min Lesedauer

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In den Vorjahren hatten auf der einstigen Verbrauchermesse CES automobile Start-ups wie Sono, Togg oder Sony für Aufsehen gesorgt – in diesem Jahr eroberten die Zulieferer die Bühne. Ein gemeinsames Kernanliegen war die Nutzung der KI.

Automobilzulieferer Bosch zeigte auf der Elektronikmesse CES ein Fahrzeug-Cockpit mit Künstlicher Intelligenz. (Bild:  Bosch)
Automobilzulieferer Bosch zeigte auf der Elektronikmesse CES ein Fahrzeug-Cockpit mit Künstlicher Intelligenz.
(Bild: Bosch)

An den internationalen Finanzmärkten herrscht derzeit die Sorge, dass der Hype um Künstliche Intelligenz (KI) eine Blase erzeugt hat, die bald mit einem lauten Knall platzen könnte. Auf der Techmesse CES in Las Vegas ist von dieser Angst jedoch wenig zu spüren.

Kaum eine Präsentation auf der CES kam ohne das Kürzel „AI“ („Artificial Intelligence“ – die englische Bezeichnung für Künstliche Intelligenz) aus. Jensen Huang, Vorstandschef des KI-Chip-Spezialisten Nvidia, war nicht nur bei seiner eigenen Keynote der gefeierte Star der Messe, sondern auch ein gefragter Ehrengast auf zahlreichen CES-Events.

KI-Anwendungen auf der CES 2026

Die KI-Anwendungen auf der CES 2026 haben wenig mit dem Rummel um Chatbots wie Chat GPT oder KI-Bildprogramme wie Nano Banana von Google zu tun. Stattdessen liegt der Fokus auf KI, die physisch handelt. Beispiele auf der CES sind vielfältig: Samsung präsentierte eine KI, die in Waschmaschinen automatisch erkennt, welche Wäsche eingelegt wurde und das ideale Waschprogramm auswählt. LG zeigte einen humanoiden Roboter, der mittels KI die getrocknete Wäsche ordentlich faltet. Bosch demonstrierte eine KI-gesteuerte Herdplatte, die Steaks wie ein Meisterkoch zubereitet.

Aber Bosch präsentierte eben auch ein KI-basiertes Fahrzeug-Cockpit vorgestellt. Dabei handele es sich um ein System, mit dem die Umgebung im Auto hochgradig personalisiert werden könne, sagte Tanja Rückert, Geschäftsführerin der Robert Bosch GmbH, in Las Vegas. Das gemeinsam mit Autoherstellern entwickelte Cockpit ist mit einem KI-Sprachmodell ausgestattet, so dass man mit dem System wie mit einer realen Person sprechen kann. Ein weiteres KI-Modell nimmt darüber hinaus auch visuelle Informationen auf, so dass das Geschehen innerhalb als auch außerhalb des Fahrzeugs interpretiert werden kann.

KI in der Industrie

Viele KI-Szenarien auf der CES richteten sich ohnehin nicht an private Verbraucher, sondern an die Industrie. Siemens-Chef Roland Busch eröffnete gemeinsam mit Nvidia-CEO Huang die Messe mit einer Keynote. Busch demonstrierte ein neues Tool, mit dem Unternehmen virtuelle Abbilder (Digitale Zwillinge) ihrer Fabriken und Produkte erstellen können. Ingenieure sollen damit ganze Fabriken in Echtzeit simulieren, Roboter virtuell trainieren und Probleme lösen, bevor die echte Fabrik gebaut wird. 

Nvidia baut zudem sein Ökosystem für autonomes Fahren weiter aus. Auf der CES kündigte das US-Unternehmen an, seine Plattform Drive Hyperion für weitere Tier-1-Zulieferer, Systemintegratoren und Sensorpartner zu öffnen. Zu den neu eingebundenen oder vertieft kooperierenden Unternehmen zählen unter anderem Bosch, ZF, Magna und Sony.

ZF zeigte auf der Elektronikmesse eine neue Lösung zur Reduzierung von Reifengeräuschen im Auto. Die Funktion „Active Noise Reduction“ zielt auf sogenannte Cavity-Noise-Phänomene ab, die typischerweise im Bereich um 200 Hertz auftreten und über das Fahrwerk in den Innenraum gelangen. Nach Angaben des Zulieferers lassen sich damit bereits heute Geräuschminderungen von rund drei Dezibel erzielen, perspektivisch sollen es bis zu zehn Dezibel werden. Die neue Funktion ist Bestandteil des Konzepts „Chassis 2.0“, mit dem ZF klassische Fahrwerksaufgaben zunehmend durch intelligente Softwarelösungen erweitern will.

Ein bisschen Gesamtauto gab es in Las Vegas aber auch. Der Verbund Sony Honda Mobility erläuterte den Stand der Zusammenarbeit. Die Limousine Afeela 1 war als Vorserienmodell zu sehen. Sie wird aller Voraussicht nach im Sommer in Kalifornien starten. Ein SUV auf gleicher technischer Basis soll 2027 folgen. Und der chinesische Staubsaugerhersteller Dreame Technology hat Ambitionen auf den Einstieg ins Autogeschäft. In Las Vegas präsentierte er dazu das Nebula Next 01 Concept, ein elektrisches Hypercar mit einer Systemleistung von über 1.900 PS.

Innovationen und Nachahmungen

Die Messe in Las Vegas ist nicht nur für echte Innovationen bekannt. Viele CES-Aussteller greifen erfolgreiche Neuheiten des vergangenen Jahres auf und versuchen, daraus ein Geschäft zu machen. Aktuell haben die smarten Ray-Ban-Brillen des Facebook-Konzerns Meta einen Goldrausch ausgelöst.

Hersteller, vornehmlich aus China, verfolgen unterschiedliche Strategien, um mit ihren „Smart Glasses“ Verkaufserfolge zu erzielen. Einige kopieren das Meta-Konzept, eine Brille mit eingebauter Kamera und Audio-KI, aber ohne Display. Dazu gehört die Solos AirGo V2, die nicht an die Meta-KI Llama gebunden ist. Nutzer können in der Begleit-App wählen, ob sie mit ChatGPT, Google Gemini oder der Claude-KI sprechen möchten.

Andere Meta-Konkurrenten versuchen, das ursprüngliche Konzept durch echte Bildschirme zu übertreffen und bieten AR-Brillen („Augmented Reality“) an. Diese Brillen blenden digitale Inhalte wie Texte, Bilder oder 3D-Objekte in das Sichtfeld ein und ergänzen die reale Welt um virtuelle Informationen. 

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Metaverse ist out

Das Metaverse, ein Hype-Trend aus dem Jahr 2022, spielt bei den aktuellen smarten Brillen-Modellen kaum noch eine Rolle. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg propagierte das Metaverse damals als digitalen Raum mit unendlichen Möglichkeiten, in dem Menschen als Avatare in einer virtuellen Realität interagieren können. Auch manche Hersteller experimentierten mit dem Metaverse in der Ansprache von Kunden/Interessenten, etwa Cupra. Auf der CES sprach nun kaum noch jemand davon.

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