Neuzulassungen August Dreht der deutsche Neuwagenmarkt?

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Der deutsche Automarkt geht mit leichtem Rückenwind in die IAA-Woche, denn die Zulassungszahlen steigen. Und das zum zweiten Mal in Folge. Doch ein guter August setzt noch keinen Gesamttrend außer Kraft. Bei Weitem nicht alle Eckdaten sind rosig.

Der Neuwagenmarkt in Deutschland hat sich im August leicht erholt.(Bild:  Grimm – VCG)
Der Neuwagenmarkt in Deutschland hat sich im August leicht erholt.
(Bild: Grimm – VCG)

Die positive, wenn auch durch einen Sondereffekt getriebene Juli-Entwicklung des Neuwagenmarkts hat sich im August fortgesetzt. Wie aus den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) hervorgeht, kamen im zurückliegenden Monat 207.229 Neuwagen auf die Straße. Das waren 5 Prozent mehr Pkw als im Vorjahresmonat.

Im Juli hatte der Automarkt um 11,1 Prozent zugelegt. Allerdings waren die Zahlen des Vergleichsmonats 2024 ungewöhnlich schwach gewesen. Gleichwohl ist es nun der zweite Wachstumsmonat in Folge. Unter dem Strich bleibt die Bilanz des laufenden Jahres mit 1,87 Millionen Pkw-Neuzulassungen jedoch trüb. Die Kundenauslieferungen liegen 1,7 Prozent unter dem Vergleichswert von 2024. 

Entsprechend zurückhaltend kommentieren die Branchenverbände die aktuellen Zahlen. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) warnt explizit, „die neuen Zulassungszahlen als Beleg für eine echte Trendwende zu interpretieren“. Die Nachfrage privater Kunden nach Elektro-Neuwagen bleibe schwach. Der Markt werde nach wie vor künstlich durch Eigenzulassungen von Herstellern und Händlern aufgebläht, erklärte ZDK-Präsident Thomas Peckruhn.

Ein weiterer Dämpfer kommt vom Verband der Automobilindustrie: Im Vergleich zum Vorjahresmonat hätten die Bestellungen aus dem Inland um knapp 4 Prozent abgenommen. Der leicht positive Trend des ersten Halbjahres ist damit wieder zum Erliegen gekommen.

Sorgen bremsen weiterhin den Konsum

Auch Constantin Gall, Branchenbeobachter und Leiter Mobility bei EY für die Region Westeuropa, bremst jegliche Euphorie. „Es spricht derzeit wenig für eine durchgreifende Erholung, Privatkäufer und Unternehmen halten sich weiterhin mit Bestellungen zurück.“ Das Absatzplus im August ist aus seiner Sicht ebenso wie das starke Juli-Plus noch immer eine Folge der schwachen Vergleichszahlen wegen vorgezogener Zulassungen im Juni 2024.

Entscheidend sind für Gall weiterhin die schwierigen konjunkturellen und geopolitischen Rahmenbedingungen, verbunden mit den wachsenden Sorgen um die Arbeitsplätze. „Angesichts dieser Umstände sollte die Branche nicht auf eine baldige Erholung des Neuwagenmarkts rechnen, sondern sich auf eine lange Durststrecke einrichten“, rät er. Für das laufende Jahr sei derzeit nur mit einem Absatzniveau etwa auf dem niedrigen Vorjahresniveau zu rechnen.

Etwas positiver wertet der Importeursverband VDIK das Ergebnis. Zu beachten sei, dass der August 2025 einen Arbeitstag weniger hatte als der Vorjahresmonat. Anders als der ZDK sieht der VDIK auch die Elektroentwicklung grundsätzlich positiv. Insgesamt seien 63.340 Elektrofahrzeuge – also BEV und PHEV zusammen – im August auf die Straßen gekommen. Das waren 56,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, der Marktanteil kletterte damit auf 30,6 Prozent (August 2024: 20,6 Prozent).

Elektrosegment zwischen Hoffen und Bangen

Das Elektrosegment bleibt ein stabilisierendes Element, allerdings ohne überbordende Wachstumsraten im längerfristigen Vergleich. Die 39.400 neu zugelassenen BEV im August sind 23 Prozent mehr als im August 2022 – angesichts der Wachstumsziele ist das kein echter Durchbruch. Zudem sei das aktuelle Absatz-Plus vor allem auf die steuerliche Förderung von Dienstwagen und teils erhebliche, von den Herstellern gewährte Rabatte zurückzuführen, so Gall.

Weiterhin abgekoppelt vom allgemeinen Elektrotrend ist der E-Auto-Pionier Tesla. Die Zahl der Neuzulassungen von Tesla-Fahrzeugen sank in Deutschland im August im Jahresvergleich um 39 Prozent, der Anteil am deutschen Elektro-Markt ist von 7,7 auf 3,0 Prozent eingebrochen, der Anteil am Gesamtmarkt schrumpfte von 1,0 auf 0,5 Prozent.

Auch andere junge Marken kämpfen derzeit in Deutschland um ihre Akzeptanz und verlieren stark an Absatz: Great Wall (-83 %), Vinfast (-78 %) und Ineos (-76 %). Daneben bleibt als erste Traditionsmarke mit relevantem Marktanteil (größer 0,5 %) Mitsubishi unter Druck. Die Japaner verloren die Hälfte ihrer Kunden. Weit weniger im Minus sind von den Volumenmarken Peugeot (-12 %) und Kia (-11,5 %).

Gleichzeitig gibt es Neulinge, die beim Käufer ankommen. Allen voran kommt BYD mit 1.114 Neuzulassungen auf einen Marktanteil von 0,5 Prozent – und legt um 411 Prozent zu. Prozentual noch stärker wächst Xpeng (+750 %), allerdings sind die Vergleichszahlen extrem gering. Einen großen Sprung nach vorn macht auch MG mit einem Plus von 260 Prozent. Als klassische Marke mit relevanten Marktanteilen folgen Citroën mit einem Absatzplus von 36 Prozent und Seat (+20 %).

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