Die Pkw-Auslieferungen haben sich zuletzt deutlich erholt. Das fast 13-prozentige Plus darf aber nicht über das insgesamt niedrige Absatzniveau hinwegtäuschen. Bei aller Freude über den guten September warnen Branchenvertreter insbesondere vor konjunkturellen Gefahren.
Die Pkw-Neuzulassungen haben im September deutlich angezogen – bleiben aber im langfristigen Vergleich eher schwach.
(Bild: Grimm - VCG)
Der deutsche Neuwagenmarkt hat sich im September deutlich erholt. Wie aus den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts hervorgeht, legten die Neuzulassungszahlen zum Ende des dritten Quartals um 12,8 Prozent zu. Damit ist der Markt den dritten Monat in Folge im Plus – im Juli (+11,1 %) und August (+5,0 %) zeigte sich die Entwicklung allerdings weniger agil als nun im September.
Nachdem der Neuwagenabsatz zeitweilig deutlich unter das Vorjahresniveau gesunken war (am Tiefpunkt -4,7 %), hat sich der Markt inzwischen wieder fast auf den Stand von 2024 erholt. Kumuliert fanden im bisherigen Jahresverlauf 2,11 Millionen Neuwagen einen Käufer. Das sind nur noch 0,3 Prozent weniger als in den ersten drei Quartalen des Vorjahres.
Auch wenn die Entwicklung zuletzt positiv verlief, bleibt der Gesamtmarkt auf sehr niedrigem Niveau. „Drei Monate vor Jahresende liegen wir weiterhin spürbar unter dem, was man als eine normale Marktentwicklung bezeichnen könnte“, kommentierte Thomas Peckruhn, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, die Zahlen. Letztlich sieht der Verband „keinen Grund zur Entwarnung“. Derzeit liegt der Neuwagenmarkt 23 Prozent unter dem Niveau von 2019.
Trübe Wirtschaftslage verhagelt Konsumstimmung
Die Unternehmensberatung EY kommt in ihrem monatlichen Marktbericht ebenfalls nur zu verhaltener Freude. Neben dem Verharren auf niedrigem Niveau weisen die Marktbeobachter auf einen zusätzlichen Arbeitstag im September 2025 hin, der das Plus gestützt haben könnte. Für eine echte Trendwende fehle weiterhin ein wirtschaftlicher Impuls. Doch die Autobranche leide unter einer trüben Wirtschaftslage, schlechter Verbraucherstimmung und einer steigenden Erwerbslosigkeit – namentlich auch im Bereich gut bezahlter Industriejobs. Der niederschmetternde Befund von EY: „Das Plus im September ist nicht der Beginn einer Trendwende.“
Entsprechend düster ist die mittelfristige Prognose von EY für das Gesamtjahr. Der Neuwagenabsatz werde etwa auf dem Niveau des Vorjahres liegen, schätzt Constantin Gall, Leiter Mobility bei EY für die Region Westeuropa. „Das niedrige Absatzniveau verstetigt sich – und es gibt aktuell keinerlei Wachstumsimpulse“, sagte er laut einer Pressemitteilung.
Daran ändert im Kern auch die derzeit positive Entwicklung der Elektrofahrzeuge (BEVs) nichts. Deren Absatz legte im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 31,9 Prozent auf 45.495 Einheiten zu. Im bisherigen Jahresverlauf stieg der Absatz von Elektroautos in Deutschland um 38 Prozent. Allerdings waren im Vorjahr die Neuzulassungen in diesem Segment in Deutschland massiv zurückgegangen, da seit Anfang 2024 keine Umweltprämie mehr gezahlt wurde.
Zuwächse in einem rückläufigen Markt
Auch der ZDK warnt vor überzogener Freude. „Die Zuwächse täuschen – sie finden in einem insgesamt schwachen und rückläufigen Markt statt“, sagte Peckruhn. Die Politik müsse nun endlich klare und langfristige Signale senden, denn „ohne verlässliche Rahmenbedingungen bleibt die Elektromobilität für viele Kundinnen und Kunden ein Risiko“. Auch EY macht darauf aufmerksam, dass das Absatzniveau der BEV-Neuwagen deutlich unter den ursprünglichen Prognosen liegt. „Von einem echten Hochlauf der E-Mobilität in Deutschland können wir also nicht sprechen.“
Auch Imelda Labbé, Präsidentin des Importeursverbands VDIK, sieht die Notwendigkeit, die Elektromobilität weiter zu stärken. „Wir müssen den momentanen Aufschwung mit zusätzlichen Impulsen unterstützen, wenn wir einen BEV-Anteil von deutlich über 20 Prozent erreichen wollen“, sagte sie in einem VDIK-Kommentar zu den September-Zahlen. Um die CO2-Ziele zu erreichen, sollten Hersteller und Verbraucher zudem offen sein „für hybride Antriebstechniken und andere Technologien“. Die PHEV-Neuzulassungen sind schon mal auf einem guten Weg: Sie kletterten im September um 85,4 Prozent auf 27.685 Fahrzeuge.
Trotz aller Sorgen um die Zukunft gibt es einen positiven Befund: Die Auftragseingänge aus dem Inland konnten laut den Daten des Verbands der Automobilindustrie (VDA) im September um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zulegen. Es ist das stärkste Plus seit März, als der Auftragseingang um 29 Prozent zulegte.
Unterschiedliche Marken-Entwicklungen
Der September-Aufschwung hat die Mehrheit der in Deutschland gehandelten Pkw-Marken erfasst. Vor allem die erst seit Kurzem hierzulande aktiven Marken konnten deutlich an Zuspruch zulegen. Allen voran ist BYD mit einem Plus von 2.235 Prozent (!) zu nennen. Die Chinesen kommen auf 3.255 Neuzulassungen und 1,4 Prozent Marktanteil. Auch MG legte 269 Prozent zu, bleibt aber mit 2.615 Verkäufen hinter BYD zurück. Daneben können Traditionsmarken wie Citroën (+52,1 %) oder Nissan (+42,1 %) kräftig zulegen.
Rückläufige Verkaufszahlen haben vor allem Nischenmarken zu verzeichnen, etwa Suzuki, Subaru, Jeep oder Nio. Für Tesla war der September fast eine Erholung mit einem Minus von nur 9,4 Prozent – im Jahresverkauf ist das Fabrikat 50 Prozent im Minus. Daneben ging der Absatz von Peugeot (-19,7 %) und Mitsubishi (-34,1 %) deutlich in die Knie.
Stand: 08.12.2025
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