Das Elektroauto-Start-up E-Go Mobile hat seine Produktion in Aachen eingeweiht. Pro Jahr sollen dort ab November zunächst 10.000 Modelle des Elektro-Kleinwagens Life hergestellt werden – die Fertigung eines Autos soll 17 Stunden dauern.
Für die Produktion des E-Autos E-Go Life hat das Unternehmen in Aachen eine Fabrik in Betrieb genommen.
(Bild: E-Go Mobile)
Wer an einem Freitag, den 13., eine neue Fabrik eröffnet, ist wahrscheinlich extrem optimistisch und so stark von seinem Vorhaben überzeugt, dass er alle Unkenrufe beiseiteschiebt. Beides trifft auf Professor Günther Schuh zu, der an der Technischen Hochschule Aachen Produktionssystematik lehrt und nebenbei inzwischen bereits zwei Elektrofahrzeuge zur Serienreife gebracht hat. Nach dem elektrisch angetriebenen Zustellfahrzeug Streetscooter, das die Post seit einiger Zeit selbst produziert, kommt Ende des Jahres das Citymobil E-Go Life auf den Markt. Die Produktionsstätte des Stadtwagens wurde am 13. Juli nun offiziell eingeweiht.
In der Fabrik, die auf dem Gelände einer ehemaligen Bildröhrenproduktion von Philips entstand, sollen zunächst 10.000 Modelle pro Jahr gebaut werden. Diese Zahl soll sich bis zum Jahr 2021 auf 30.000 Einheiten verdreifachen. „Es ist nicht schwer, ein Elektroauto zu entwickeln, die Kunst besteht darin, ein preiswertes E-Mobil zu bauen“, erklärte Schuh selbstbewusst bei der Fabrikeröffnung.
Das scheint ihm gelungen zu sein: In der Basisversion mit einem 14,9 kWh starken Akku kostet der City-Flitzer 15.900 Euro. Die Topversion (23,9 kWh) steht mit 19.900 Euro in der Preisliste. Dazwischen fährt die Variante mit 17,9 kWh und 17.400 Euro. Der Preis reduziert sich noch um die Elektroprämie von Herstellern und Staat (4.000 Euro).
Günther Schuh: „Wir greifen ins Regal der Zulieferer“
Die Fabrikationsanlage, die in rekordverdächtigen 15 Monaten hochgezogen wurde, ist – das verwundert kaum – vermutlich die modernste Automobilproduktion in Deutschland. Die Abläufe sind so ausgelegt, dass die Herstellung eines E-Go Life gerade 17 Stunden in Anspruch nimmt. Um die Entwicklungskosten so niedrig wie möglich zu halten, nutzte die Mannschaft um Professor Schuh die Kompetenzen der Automobilzulieferer. Statt zum Beispiel Millionen in die Entwicklung einer Lichtanlage zu stecken, nutzte E-Go vorhandene Ware. „Wir können das wie kein anderer“, so Schuh.
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So stammt der Antriebsstrang in großen Zügen von Bosch, die Sitze kommen aus dem Haus Isringhaus, und auch PSA steuert Teile bei, die in Aachen in der 16.000 Quadratmeter großen Anlage zum E-Go Life komponiert werden. Die starke Rolle der Zulieferer hat aber auch eine Schattenseite. Nach der Dieselkrise „will die Industrie genau wissen, wie wir ihre Teile verbauen und verlangt entsprechende Kontrollen“.
Thermoplast-Verkleidung spart Produktionskosten
Mit 3,35 Meter Länge ist der E-Go Life durchaus überschaubar, „bietet aber mit einem vorderen Verformungsweg von 47 Zentimetern so viel Sicherheit wie die S-Klasse von Mercedes“, erklärt Schuh. Verantwortlich dafür ist unter anderem eine solide Rohkarosse aus Aluminium, die in einer benachbarten Halle hergestellt wird. Die Batterie wiederum ist im Wagenboden in einem, so Schuh, „Panzer untergebracht“. Statt einer konventionellen Lackierung wird die Rohkarosse von einer Thermoplast-Verkleidung umschlossen, was wiederum Produktionskosten spart. Diese Technik wird aktuell ausschließlich für Stoßfänger angewendet.
Im November wird die Produktion starten. Aktuell läuft noch die Homologation des Kleinwagens. Die Fabrikation ist so ausgelegt, dass „wir schneller als andere auf neue Entwicklungen reagieren und sie entsprechend integrieren können“, erklärt Schuh in der noch weitgehend leeren Halle. Um zu vermeiden, dass Kunden vom Gefühl, zu früh gekauft zu haben, frustriert werden, lassen sich die im Laufe der Produktion einfließenden Neuerungen nachträglich aktualisieren.
Stadtwagen mit dem Nötigsten
Unterwegs mit einem Vorserienmodell zeigt der E-Go Life vom Start an sein Temperament und marschiert zügig Tempo 50 entgegen. Richtungsänderungen absolviert der erstaunlich geräumige Kleinwagen souverän, was sich wahrscheinlich noch weiter verbessern wird, wenn die Serienmodelle mit Servolenkung auf den Markt rollen. Die Instrumentierung ist sehr sparsam ausgefallen, informiert aber über alle wichtigen Details – und mehr benötigt ein Stadtwagen auch nicht. Die Sitze bieten ausreichend Seitenhalt und für kurze Strecken mutiert der E-Go Life zum Viersitzer.
Mit dem E-Go Life ist Schuh noch nicht am Ende seiner Kreativität angelangt. Eine Halle weiter soll demnächst der Elektro-Kleinbus E-G Mover produziert werden, der sich auch für autonomes Fahren eignet, und daneben sind Anlagen für ein größeres Elektromodell mit dem Arbeitstitel Booster geplant. Bis zum Jahr 2022 sind insgesamt vier Werke mit einer Kapazität von 100.000 Fahrzeugen vorgesehen.
Mit rund 2,6 Millionen Euro unterstützte das Land Nordrhein-Westfalen die Errichtung des Werkes 1. Die Gesamtinvestitionen liegen bei 25,7 Millionen Euro.
Stand: 08.12.2025
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