Neuzulassungen Ein Arbeitstag mehr rettet das Oktober-Ergebnis

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Der Neuwagenmarkt hat im Oktober zugelegt – auf dem Papier steht ein deutliches Plus. Doch in Wirklichkeit sind die Lage und der Ausblick deutlich trister. Eine positive Nachricht hat allerdings der VDA.

Im Oktober legte der Neuwagenmarkt etwas zu. Insgesamt bleibt die Lage allerdings schwierig.(Bild:  Grimm – VCG)
Im Oktober legte der Neuwagenmarkt etwas zu. Insgesamt bleibt die Lage allerdings schwierig.
(Bild: Grimm – VCG)

Der Neuzulassungsmarkt hat im Oktober seine Talfahrt beendet. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Dienstag mitteilte, kamen im zurückliegenden Monat 6,0 Prozent mehr Fahrzeuge zur Erstzulassung als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Insgesamt wurden 231.992 Neuwagen in den Zulassungsstellen registriert. Allerdings war das Vorjahresergebnis bereits relativ niedrig.

Trotz des Zuwachses im Oktober hat sich der Neuwagenmarkt im bisherigen Jahresverlauf negativ entwickelt. Bislang 2.348.000 Neuzulassungen bedeuten einen Zulassungsrückgang um 0,4 Prozent. Dieser liegt nicht zuletzt im teils scharfen Absatzrückgang der zurückliegenden drei Monate begründet. Der Neuwagenmarkt bleibt damit deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau.

Das Absatzplus des Oktobers ist für die Branchenbeobachter bestenfalls eine Atempause. Grundsätzlich bleibe „die Lage auf dem deutschen Neuwagenmarkt kritisch“, heißt es in einer Analyse der Wirtschaftsberatung EY. In der langfristigen Betrachtung wird die Lage deutlich: Im Oktober lag der Markt 18 Prozent hinter dem Vergleichsmonat des Jahres 2019 zurück, der bisherige Jahresabsatz liegt sogar 22 Prozent zurück.

VDIK sieht nur ein Plus von 1,1 Prozent

Auch beim Importeursverband VDIK ist man alles andere als euphorisch über die Zahlen, da der zurückliegende Monat sogar einen Arbeitstag mehr hatte als der Vergleichsmonat. Die VDIK-Statistiker kommen kalenderbereinigt lediglich auf einen Absatzzuwachs von 1,1 Prozent. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) verweist auf den „weiterhin deutlich negativen Vergleich zum Vorkrisenniveau“.

Gleichzeitig kommen vom VDA positive Signale, da im Oktober die Bestellungen aus dem Inland um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zugelegt haben. Damit verfestigt sich der Trend der jüngeren Vergangenheit: Der lang anhaltende Rückgang der Neuaufträge ist beendet – in den ersten zehn Monaten legten die Inlandsaufträge um 10 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum zu.

Das derzeitige Auftragsplus steht möglicherweise auf tönernen Füßen, denn die aktuelle Wirtschaftslage und die Konjunkturaussichten sind eher düster. Immer mehr industrielle Großbetriebe kündigen umfassende Stellenstreichungen an. „Die schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft werden häufiger. Entsprechend zurückhaltend sind potenzielle Autokäufer“, sagt Constantin Gall, Leiter Mobility bei EY für die Region Westeuropa.

Seine kurzfristigen Erwartungen sind entsprechend gering. „Auf dem deutschen Neuwagenmarkt wird es bis Jahresende nicht aufwärts gehen“, prognostiziert Gall. Eher geht es wieder rückwärts, da im November und Dezember aufgrund hoher Zulassungszahlen im Vorjahr rückläufige Absatzzahlen zu erwarten seien. Erschwerend kommt hinzu, dass die schwache Konjunkturlage Privatleute wie Gewerbekunden zur Kaufzurückhaltung mahnt. Im Gesamtjahr 2024 dürften laut Gall fast 800.000 Neuwagen im Vergleich zum Jahr 2020 fehlen. Im vergangenen Monat hatte laut dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) ausschließlich die gewerbliche Nachfrage den Markt überhaupt ins Plus gedreht (+10,8 %), während sich die Privatkunden zurückhielten (–2,5 %).

BEV-Zulassungen fallen weiter zurück

Weiterhin manifestiert sich das schlechte Neuwagengeschäft in den Zahlen der Elektro-Zulassungen. Rein batterieelektrisch betriebene Pkw verkauften sich im Oktober sogar 4,9 Prozent schlechter als im Vorjahresmonat (noch 35.491 Einheiten). Aufwärts ging es dagegen mit den Plug-in-Hybriden. Die PHEV-Verkäufe stiegen um 18,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat (jetzt 19.337 Neuzulassungen). Um den BEV-Trend umzukehren, forderte VDIK-Präsident André Schmidt „verlässliche Rahmenbedingungen zur Stärkung des Vertrauens der Kunden“. Gemeint sind damit Anreize für den Fahrzeugkauf ebenso wie eine weitere Verbesserung der Ladeinfrastruktur.

„Die E-Mobilität kommt nicht in Fahrt“, konstatiert auch Thomas Peckruhn, ZDK-Vizepräsident und Sprecher des Fabrikatshandels in Deutschland. Statt unkoordinierter Gipfeltreffen, wo nur bekannte Argumente ausgetauscht würden, müsse die Branche jetzt ins Handeln kommen. „Wir brauchen starke politische Impulse, um dem Hochlauf der E-Mobilität neuen Schwung zu geben.“

Gefordert sind in dieser Hinsicht nicht zuletzt die Hersteller, die schnell mehr bezahlbare Fahrzeuge anbieten müssten, so Peckruhn. Auch begleitende Maßnahmen wie günstige Darlehen, Mehrwertsteuervergünstigungen und die Absicherung von Restwerten gebrauchter E-Fahrzeuge könnten spürbar zur Revitalisierung des Marktes beitragen.

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