BRV Endlich mal gute Nachrichten vom Reifenmarkt

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 3 min Lesedauer

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Nach vielen Jahren der Stagnation konnte das Pkw-Reifenersatzgeschäft 2024 ein deutliches Wachstum verbuchen. Rund 2,7 Millionen Reifen mehr bedeuten ein Plus von 7,4 Prozent.

Der Consumer-Reifenmarkt hat sein stärkstes Ergebnis seit Beginn der Corona-Pandemie eingefahren: rund 45 Millionen Stück.(Bild:  Rosenow – VCG)
Der Consumer-Reifenmarkt hat sein stärkstes Ergebnis seit Beginn der Corona-Pandemie eingefahren: rund 45 Millionen Stück.
(Bild: Rosenow – VCG)

Solche Aussagen haben wir lange nicht gehört: Das „Reifenersatzgeschäft lief besser als erwartet“, heißt es in der jährlichen Pressemeldung des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk (BRV) zum Absatz auf dem deutschen Markt. Knapp 47,5 Millionen Pkw-, Transporter- und Lkw-Reifen wurden im Jahr 2024 auf dem Ersatzmarkt in Deutschland verkauft, das entspricht im Durchschnitt aller Produktgruppen einem Plus von gut 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Darunter waren gut 45 Millionen Reifen für Pkw und Transporter – also die Segmente, die für das Reifengeschäft in den Kfz-Betrieben von Belang sind. Hier betrug das Plus sogar 7,1 Prozent. Fast alle Produktgruppen konnten wachsen: Die Pkw-Reifen verbuchten mit knapp 41 Millionen Stück ein Plus von 7,4 Prozent, Transporterreifen (auch Leicht-Lkw-Reifen genannt) legten um 5 Prozent auf fast 4,1 Millionen Stück zu.

Der Mengenzuwachs in beiden Produktgruppen war 2024 von Ganzjahresreifen getragen, deren zweistellige Zuwachsraten beim Absatz (Pkw +17 %, LLkw +12,3 %) vor allem zu Lasten von Sommerreifen gingen (-1,9 % Pkw-, -1,6 % LLkw-Sommerreifen). Reine Winterreifen konnten in der Produktgruppe Pkw-Reifen um 6,4 Prozent zulegen, im Transportersegment blieb die Absatzmenge an Winterreifen mit einem minimalen Plus von 0,3 % auf Vorjahresniveau. Der Anteil der Ganzjahresreifen an der Absatzmenge im Consumer-Segment ist damit erneut gestiegen und liegt jetzt bei knapp 36 Prozent (Vorjahr: gut 33 %). Winterreifen machen 38 Prozent der Absatzmenge 2024 aus, Sommerreifen knapp über 26 Prozent.

Die Wachablösung der Winterreifen als wichtigstes Segment auf dem Ersatzmarkt könnte also schon im nächsten Jahr erfolgen. Dazu sagt sagt BRV-Technik-Geschäftsführer Michael Schwämmlein „Im Verzicht auf einen zweiten Reifensatz und die saisonale Umrüstung sehen viele Autofahrer große Sparpotenziale. Diese sind zwar meist geringer als erwartet, weil Ganzjahresreifen im Vergleich zum kombinierten Einsatz von Sommer- und Winterreifen in der Regel eine geringere Laufleistung haben und – anders als vielfach vermutet – für den dauerhaft sicheren Einsatz auch der Wartung und Pflege bedürfen. Trotzdem gibt der Sparwille oft den Ausschlag für die Kaufentscheidung.“

Und so hält der Siegeszug der „Allrounder“ seit 2016, dem Jahr, in dem Ganzjahresreifen erstmals explizit in der Marktstatistik ausgewiesen wurden, ununterbrochen an. Zum Vergleich: 2016 verteilte sich die Verkaufsmenge im Consumer-Segment noch auf etwa 50 Prozent Winterreifen, circa 36 Prozent Sommerreifen und knapp 14 Prozent Ganzjahresreifen.

Winterreifen hatten 2024 eine Sonderkonjunktur

Auch wenn die Mengenentwicklung 2024 überraschend positiv verlaufen ist, rechnet der BRV für das laufende Jahr nicht mit einem weiteren nennenswerten Zuwachs. In einem aufgrund des hohen Fahrzeugbestandes weitgehend gesättigten Markt wie dem Reifenersatzmarkt, der zudem von der anhaltend schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage geprägt ist, wäre auch der Erhalt des Erreichten schon als Erfolg zu werten, heißt es aus Bonn.

Die größten Zuwachspotenziale sieht der Branchenverband wieder im Consumer-Segment bei den Ganzjahresreifen, wenn auch mit im Schnitt prognostizierten 8,1 Prozent Plus nicht mehr zweistellig. Echte Wachstumsimpulse werden daraus aber nicht erwartet, sondern lediglich eine weitere Verschiebung der Marktanteile innerhalb der Produktgruppen – erneut zugunsten von Ganzjahresreifen, in diesem Jahr aber stärker zu Lasten von Winter- als von Sommerreifen.

„Die 2024 gestiegene Nachfrage nach Winterreifen führen wir auf einen vorwiegend gesetzlich bedingten Kaufimpuls zurück“, erklärt dazu BRV-Experte Michael Schwämmlein. „Denn seit Oktober letzten Jahres gelten nur noch mit dem sogenannten Schneeflockensymbol gekennzeichnete Reifen gesetzlich als Winterreifen.“ Viele Fahrzeugbesitzer dürften daher letztes Jahr ihre nur mit der bis dato auch noch zulässigen M+S-Kennung versehenen Winterreifen gegen Neureifen ausgetauscht haben. Für den kommenden Winter rechnet der Verband aufgrund dieses „Vorzieh-Effektes“ deshalb mit einem Rückgang der Nachfrage.

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Reifenhandel und freie Werkstätten bleiben der stärkste Absatzkanal

Im Fahrzeugsegment Pkw lassen sich zwischen Reifenfachhandel und freien Kfz-Werkstätten keine klaren Grenzen mehr ziehen, weshalb der BRV in seiner Distributionsanalyse für die Produktgruppe Pkw-Reifen beide als einen gemeinsamen Vertriebskanal ausweist. Seinen auch in diesem Produktsegment führenden Absatzanteil konnte dieser Kanal im vergangenen Jahr auf 71,3 Prozent (Vorjahr: 69,5 %) weiter ausbauen. Autohäuser und markengebundene Werkstätten realisierten 19,8 Prozent Anteil und büßten im Vergleich zum Vorjahr 0,4 Prozentpunkte ein. Fachmärkte (3,4 %) und der B2C-Onlinehandel (5,5 %) haben ebenfalls zugunsten des Reifenfachhandels verloren.

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