»kfz-betrieb«-Auto-Check Honda HR-V – Der perfekte Mietwagen

Von Jan Rosenow

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Das Kompakt-SUV wurde nun als letztes Verbrenner-Modell auf den Hybridantrieb E-HEV umgestellt. Die früher markenypische Dynamik ist damit passé. Doch in die neue Welt des möglichst sparsamen Gleitens passt der HR-V perfekt.

Herbstzeitloser: Ob der neue HR-V die aktuell trübe Verkaufssituation bei Honda aufhellen kann, muss sich noch zeigen.
Herbstzeitloser: Ob der neue HR-V die aktuell trübe Verkaufssituation bei Honda aufhellen kann, muss sich noch zeigen.
(Bild: Rosenow – »kfz-betrieb«)

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie händigen Ihrem Kunden Erich T. (76), der gerade seine perfekt gepflegte Stufenhecklimousine, Baujahr 2004, in die Werkstatt gebracht hat, den fabrikneuen Ersatzwagen aus. Es ist bereits dunkel, und leider hat keine Serviceassistentin Zeit, dem Herrn die Grundlagen der modernen Fahrzeugbedienung zu erklären.

Welches Auto würden Sie ihm geben? Einen Volkswagen ID mit dem vom Lenkrad verdeckten Fahrschalter? Einen Tesla, bei dem es gar keine physischen Bedienelemente gibt? Oder einen Peugeot, bei dem das tief angeordnete Mini-Lenkrad vollschlanken Piloten in den Bauch drückt?

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Wir hätten da einen Vorschlag: Wenn Sie ein Auto brauchen, das technisch auf dem neuesten Stand ist, in Sachen Bedienung und einfache Zugänglichkeit aber trotzdem wie aus der guten alten Zeit zu stammen scheint, denn nehmen Sie den Honda HR-V. Auch in der neuesten Generation haben die Honda-Entwickler ihm einen klassischen Wählhebel sowie Drehschalter für die Klimaanlage mitgegeben. Alles, was wichtig ist, lässt sich auf einen Blick erfassen. Es gibt sogar physische Taster für „Home“ und „Zurück“ auf dem Infotainment-Bildschirm und einen drehbaren Lautstärkeregler. Nur der Hebel für das Öffnen der Tankklappe, der sich ziemlich tief im Fußraum versteckt, ist schwer zu finden – nicht nur für Erich T. (76).

Ein wenig zu kurz gesprungen

So positiv das in den Ohren manch strukturkonservativen Autofahrers klingen mag: Man muss trotzdem die Frage stellen, ob Honda nicht ein wenig zu kurz gesprungen ist, seinem neuesten Beitrag für die aktuell bestverkaufte Fahrzeugklasse so wenig schillernde Hightech-Magie mitgegeben zu haben. Mit seinem zurückhaltendem Design und dem konservativ gestalteten Innenraum könnte er auch aus dem Jahr 2018 stammen – wie gesagt, viele Kunden mögen genau das, aber ein großer Sprung nach vorn ist er für die kriselnde Marke nicht.

Auch beim Fahreindruck will der Funke der Begeisterung nicht so recht zünden. Das beginnt schon bei der Sitzposition. Die Sitze sind zwar gut ausgeformt und bequem, aber das Lenkrad lässt sich in der Tiefe nicht so weit verstellen, dass sich für alle Fahrer eine passende Sitzposition ergibt. Der Hybridantrieb agiert beim Anfahren zwar reaktionsschnell und vollkommen ruckfrei – schließlich kümmert sich ja ein Elektromotor ohne Zuhilfenahme eines Anfahrelements oder Wechselgetriebes um den Vortrieb –, aber die anfängliche Dynamik erlahmt recht schnell. Zwar hat es Honda geschafft, dem seriellen Hybrid so etwas wie künstliche Gangstufen einzuprogrammieren, aber das mindert den Schmerz über den bei starker Beschleunigung laut aufheulenden Verbrennungsmotor nur wenig.

Potenzial zu echter Sparsamkeit

Mit knapp 1,5 Tonnen ist der HR-V zwar kein echtes Schwergewicht, die 253 Newtonmeter des E-Motors tun sich trotzdem nicht gerade leicht mit ihm. Mal sehen, ob Honda dem HR-V als Alternative zukünftig noch die stärkere Variante des E-HEV-Antriebs spendiert, die dem Civic wesentlich dynamischere Fahrleistungen verleiht.

Immerhin bringt der serielle Hybrid das Potenzial für sehr geringe Verbrauchswerte mit. Wer es darauf anlegt, der schafft Werte unter fünf Liter auf 100 Kilometern. Über 6,5 müssen es eigentlich nie sein – es sei denn, der Fahrer scheucht den Honda mit Tempo 170 (mehr geht nicht) über die Autobahn.

Erfreulich am HR-V sind das problemlose Handling und der gute Federungskomfort. Zudem punktet das Kompakt-SUV in der zweiten Sitzreihe mit den Honda-typischen Magic Seats, die sich hochklappen lassen und einen großen zusätzlichen Gepäckraum ergeben. Auch das Platzangebot für die Passagiere ist sehr gut. Der Kofferraum hingegen leidet unter der sehr flach angeordneten Heckscheibe, die zwar schnittig aussieht, aber das Mitnehmen größerer Gegenstände vereitelt. Mit 319 Litern Volumen ist er kaum besser aufgestellt als der viel kleinere Jazz (304 Liter) und bietet deutlich weniger als der Vorgänger.

Da der Hybridantrieb die einzige Antriebsvariante ist und Honda sich auch künstlich billig gerechnete Einstiegsmodelle mit Straßenbahnausstattung verkneift, ist der HR-V für ein Kompakt-SUV auf den ersten Blick nicht gerade günstig. Los geht es bei 31.300 Euro (inkl. Mwst.) mit der Version Elegance, die dafür bei der Fahrerassistenz bereits recht vollwertig ausgestattet ist. Der Testwagen kam in der höchsten Ausstattungsvariante Advance Style auf 36.400 Euro.

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