Fahrbericht Ora Funky Cat Gesprächiger ID3-Konkurrent

Quelle: sp-x

Das neue E-Auto von Ora ist ein elektrischer Kompaktwagen im VW-ID-3-Format und bietet die beste Serienausstattung seiner Klasse. Allerdings zu stolzen Preisen.

Der „Funky Cat“ kommt aus China.
Der „Funky Cat“ kommt aus China.
(Bild: Jan Greune/Great Wall Motors)

Ein Hingucker, der etwas ratlos macht. Am Heck ein Hauch vom ersten Nissan Leaf, die Motorhaube erlaubt sogar Anklänge an den Käfer. Dazu ist er etwas pummelig dank fröhlicher Rundungen. Der Neue stammt von der Elektroauto-Firma Ora, wird „Funky Cat“ genannt und gehört zum chinesischen Konzern Great Wall Motors. Der sitzt in der bei uns weithin unbekannten 9,2-Millionen-Stadt Baoding, rund 2,5 Autostunden südöstlich von Peking und verkauft pro Jahr gut 1,3 Millionen Autos verschiedener Marken.

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Man sollte den neuen Spieler also durchaus ernstnehmen. Der erste Test-Auftritt des Ora macht nämlich schon optisch neugierig. Gutmütige Kulleraugen, leicht abfallendes Dach, das in einem Bürzel oberhalb der Heckscheibe endet. Am unteren Rand des Fensters sind Rück- und Bremsleuchten versteckt. Die pfiffige Lösung wird wohl zu einem der Erkennungszeichen des Neulings.

Das Ganze ist ein Kompaktwagen im 4,20-Meter-Format des als Rivalen ausgerufenen VW ID 3. Beim Einsteigen überrascht neben dem Raumgefühl vor allem die Anmutung des Innenlebens. Beispiele sind die verchromte Schalterleiste unterhalb der Luftdüsen, die Bespannung der Instrumententafel, die schon im Basismodell mit gestepptem, künstlichem Leder gepolstert ist. Dazu ein breiter Doppelmonitor mit guter Auflösung.

Bis zu 420 Kilometer Reichweite

Unser Ora hatte den stärkeren Akku an Bord, der mit 63 kWh um 15 kWh größer ist als im Basismodell. Damit soll er 420 anstatt 310 Kilometer weit kommen. Die höhere Reichweite fordert allerdings 5.500 Euro Aufpreis, der Kleine kostet also 44.490 Euro. Mutig für ein noch unbekanntes Auto aus dem fernen China. Es beginnt also die Suche nach den Besonderheiten, die das große Loch in der Haushaltskasse rechtfertigen.

Schon im Straßengewirr der noch verschlafenen Ferieninsel Mallorca erfreut der Ora mit seiner Wendigkeit, der mühelosen Lenkarbeit, die an Zielgenauigkeit kaum Wünsche offenlässt. Das Gleiche gilt für die Bremsen, die Stabilität beim Tanz durch die Serpentinen beim Abstieg nach Sóller und die kaum spürbare Seitenneigung.

Auto sucht nach Ladesäule und Kinoprogramm

Das nächste Aha-Erlebnis kommt beim energischen Tritt aufs rechte Pedal. Der Funky-Cat wird zu „Schmitz‘ Katze“ und schnurrt mit leisem Singen davon. Die wenigen Touris in ihren Mietwagen kommen wohl ins Staunen, wenn das fremde Mobil beim Überholen einfach so davon schießt. Zugegeben, das können zwar fast alle E-Autos, war aber beim Ora nicht unbedingt zu erwarten. Beim entspannten Cruisen bleibt dann Zeit zum Entdecken der vielen Extras.

Der Neue spricht, wenn er mit einem selbstgewählten Namen geweckt wird. Er sucht nach einer Ladesäule, dem Kinoprogramm und muss selbst bei der Frage nach der aktuellen Wassertemperatur des Mittelmeers nicht passen und nennt 15,5 Grad.

Wichtigste Assistenten serienmäßig an Bord

Der kleine Kasten links am Holm der Frontscheibe verwirrt. Darin ist eine Kamera versteckt, die das Gesicht des Fahrers ins Visier nimmt. Sie soll Unkonzentriertheit erkennen, hat eine mögliche Müdigkeit im Blick und erinnert sich so an weitere Auffälligkeiten. Allemal gewöhnungsbedürftig, da ein Lautsprecher bei jeder zufälligen Berührung der Mittellinie mit strenger Stimme mehr Konzentration einfordert. Hier sollte nachgearbeitet werden.

In allen Kätzchen sind die wichtigsten Assistenten serienmäßig: Abstandsradar ebenso wie Totwinkelwarner, Fernlichtautomatik, Spurhalten oder ein Bremsassistent auch beim Rückwärtsfahren. Die 360-Grad-Kamera oder der schlüssellose Zugang ist in dieser Klasse noch selten Standard.

Käufer müssen Einschränkungen in Kauf nehmen

Künftige Käufer, von denen es schon in diesem Jahr gut 6.000 geben soll, müssen bei aller Sympathie aber auch Einschränkungen in Kauf nehmen. Der Kofferraum hinter den Rücksitzen ist mit 228 Litern um fast 160 Liter kleiner als im gleichlangen VW ID 3. Ähnliches gilt für das Gewicht, dass der Ora mitschleppen darf. Samt Insassen darf es 355 Kilogramm nicht überschreiten. Die schwere Batterie fordert nun mal ihren Tribut.

Unterm Strich bringt der kleine Chinese sympathischen neuen Wind in seine Klasse, punktet mit außergewöhnlich kompletter Ausstattung und wird wohl auch die bekanntlich eher skeptischen Fahrerinnen in ein E-Auto locken. Die Angst, keine Werkstatt zu finden, ist übrigens überflüssig. Verkauft wird der Ora vom selben Importeur wie die Traditionsmarke Mitsubishi.

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