FCA bucht Händlern ungefragt Fahrzeuge zu

Von Jens Rehberg Autor Name

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Wohl um ein besseres internes Vertriebsergebnis zu erzielen, hat FCA Deutschland seinen Handelspartnern offenbar auf Anordnung des Herstellers zum Jahresende ohne jede Absprache mehrere Hundert Neuwagen in Rechnung gestellt.

Mit äußerst fragwürdigen Methoden hat Fiat Chrysler zum Jahreswechsel offenbar Ergebniskosmetik betrieben.(Bild:  Rehberg / »kfz-betrieb«)
Mit äußerst fragwürdigen Methoden hat Fiat Chrysler zum Jahreswechsel offenbar Ergebniskosmetik betrieben.
(Bild: Rehberg / »kfz-betrieb«)

Fiat Chrysler hat zahlreichen deutschen Vertriebspartnern kurz vor dem Jahreswechsel insgesamt rund 600 Neuwagen verschiedener FCA-Fabrikate zugebucht. In einem Schreiben des Fiat-Händlerverbandes an seine Mitglieder vom Donnerstag, das »kfz-betrieb« vorliegt, empfehlen die Händlervertreter ihren Kollegen, ihren Bestellstatus auf zusätzliche unbestellte Fahrzeuge zu prüfen.

Offenbar hatten die FCA-Partner die bemerkenswerte Vorgehensweise des Herstellers aber bereits in vollem Umfang auf dem Schirm . Wie aus Händlerkreisen zu vernehmen war, seien bereits nahezu alle entsprechenden Fakturierungen bis zum Donnerstagnachmittag schon wieder storniert worden.

Prinzipiell seien solche Vertriebspraktiken zwar aufgrund entsprechender Vereinbarungen zur Prozessbeschleunigung möglich. Einem Händler jedoch ohne jegliche Absprache zum Teil mehrere Dutzend unbestellte Fahrzeuge in Rechnung zu stellen und einzubuchen, bezeichnete ein Partner auf Anfrage als „Frechheit“. Die Vertriebspartner hätten am Samstagnachmittag, den 30. Dezember, keine Chance mehr gehabt, auf die unbeauftragte Fakturierung zu reagieren und die Fahrzeuge für 2017 wieder aus den Büchern zu bekommen, so ein anderer Händler.

Zum Hintergrund der Aktion wollte sich die deutsche Importeurstochter von Fiat Chrysler in Frankfurt am Donnerstag nicht konkret äußern, ein Sprecher sagte lediglich, der Vorfall werde derzeit untersucht.

Nach Informationen von »kfz-betrieb« gab es bei FCA Deutschland starken internen Widerstand gegen die Aktion – die Turiner Konzernzentrale soll das Ganze initiiert und letztlich durchgesetzt haben.

Internen Planungen zufolge hätten auf dem deutschen Automarkt im vergangenen Jahr unter anderem rund 90.000 Fiat-Pkw abgesetzt werden sollen. Bis Ende November zählte das Kraftfahrt-Bundesamt jedoch lediglich rund 52.000 Fiat-Pkw-Neuzulassungen. Nichtsdestotrotz sei der Vertriebsdruck auf die Partner in diesem Jahr extrem gewesen – „die Höfe stehen immer noch voll“, so ein Händler wörtlich.

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