Ferndiagnose-Start-up will den Werkstattmarkt aufmischen

Autor: Christoph Seyerlein

Das Start-up Caroobi kann nach eigener Aussage 80 Prozent aller Autoschäden per Ferndiagnose erkennen und günstige Festpreisangebote zur Reparatur machen. Mit diesen durchaus fragwürdigen Methoden haben die Berliner nun BMW von sich überzeugt.

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(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Im deutschen Kfz-Servicegeschäft bringt sich ein Start-up mit neuartigem Geschäftsmodell in Stellung. Das Berliner Unternehmen Caroobi bezeichnet sich selbst als „erste digitale Autowerkstatt“. Mit ihrem Konzept haben die beiden Gründer Nico Weiler und Mark Michl nun in einer Finanzierungsrunde einen zweistelligen Millionbetrag von BMW i-Ventures, dem Risikokapitalfonds des Autobauers, eingesammelt. Die Münchner sind nun neben DN Capital und Cherry Ventures der dritte Caroobi-Investor.

Caroobi wirbt damit, Autoreparaturen bequem vom Sofa aus zum Festpreis buchen zu können. Rund 30 fest angestellte Kfz-Meister beraten Kunden bei Anfragen online oder per Telefon und stellen eine Ferndiagnose. Haben sie das Problem nach eigenem Ermessen erkannt, geben sie ein Festpreisangebot ab. Nimmt der Kunde dies an, kommt das Auto in eine von 400 Partnerwerkstätten des Start-ups und wird dort repariert – inklusive Versicherung und einer Gewährleistung von bis zu zwei Jahren. Um den gesamten Prozess für Kunden noch komfortabler zu gestalten, bietet Caroobi zudem einen Abhol- und Lieferservice für betroffene Autos an.

Nach eigener Aussage können die Caroobi-Techniker 80 Prozent aller Schadensfälle per Ferndiagnose ermitteln, egal um welches Fabrikat oder Modell es sich bei dem betroffenen Auto handelt. Ein Sprecher teilte auf Anfrage von »kfz-betrieb« mit, dass Caroobi derzeit pro Monat über 2.000 Aufträge abarbeite. Die Partnerwerkstätten sind dem Sprecher zufolge allesamt eigenständige Betriebe, Werkstattketten arbeiten aktuell nicht mit Caroobi zusammen.

Christian Noske, Partner bei BMW i-Ventures, begründete den Invest der Münchner folgendermaßen: „Caroobi hat sowohl das Produkt als auch das Team, um die Zukunft des unabhängigen Aftersales-Markt in Deutschland aktiv zu gestalten.“ Für BMWs Risikokapitalfonds ist Caroobi das erste Investment in Deutschland. Beide Unternehmen wollen nun „ihre Synergien ausbauen, um beispielsweise mithilfe von Ersatzteilen höhere Qualitätsstandards im freien Kfz-Markt zu etablieren“, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Caroobi will Autoschäden voraussagen

Das frische Geld will das im Oktober 2015 gegründete Start-up außerdem für die weitere Expansion nutzen und das eigene Konzept fortentwickeln. Co-Gründer und -Geschäftsführer Nico Weiler sagte der Pressemitteilung zufolge: „In Zukunft wollen wir Autoschäden nicht nur diagnostizieren, sondern mithilfe von Technologie sogar voraussagen und proaktiv beheben.“

Nico Weiler (li.) und Mark Michl sind die Gründer von Caroobi.
Nico Weiler (li.) und Mark Michl sind die Gründer von Caroobi.
(Bild: Caroobi)

Derzeit arbeiten rund 60 Mitarbeiter für Caroobi am Stammsitz in Berlin. Bis Ende 2017 soll die Mitarbeiterzahl auf 100 anwachsen. Ins Ausland will Caroobi die eigenen Fühler nach derzeitigem Stand aber nicht ausstrecken und sich lieber voll auf Deutschland konzentrieren.

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Entwicklungsredakteur