Flottenmarkt bleibt stabilisierender Faktor im Neuwagengeschäft

Hybride könnten Verkaufsrenner im Firmengeschäft werden

| Autor: Andreas Grimm

Marc Odinius ist Geschäftsführer des Flottenmarkt-Analysten Dataforce.
Marc Odinius ist Geschäftsführer des Flottenmarkt-Analysten Dataforce. (Bild: Dataforce/Jacek Bilski)

Redaktion: Der „relevante Flottenmarkt“ hat 2019 einen weiteren Höchststand erreicht. Wird dieser Vertriebskanal 2020 nochmals zulegen?

Marc Odinius: Das Jahr 2019 war wirklich herausragend. Die Nachfrage nach Firmen-Pkw erreichte ein bisher nicht gekanntes Niveau, wenn auch teilweise bedingt durch Sondereffekte wie die WLTP-Umstellung. Da sich die Risiken jedoch durch Themen wie den Brexit verstärken werden, erwarten wir, dass die Firmen ihre Investitionspläne etwas konservativer gestalten, was auch Auswirkungen auf den Flottenmarkt haben wird. Dennoch gehen wir davon aus, dass 2020 zwar kein Rekordjahr, aber doch ein sehr starkes Flottenjahr mit rund 860.000 Pkw-Neuzulassungen werden wird.

Welche Faktoren haben den Flottenmarkt in den letzten Jahren so sehr beflügelt?

Das kontinuierliche Wirtschaftswachstum hat die Nachfrage nach Firmen-Pkw gestützt, insbesondere auch weil die Anzahl der Beschäftigten von einem Rekordwert zum nächsten eilt. Zudem hat sich die Nutzungsdauer von Firmenwagen verringert. Waren es einmal vier bis fünf Jahre, sind es nun drei, in sehr großen Flotten manchmal auch weniger als drei Jahre. Diese kürzere Nutzungsdauer bedeutet schnellere Ersatzinvestitionen, die die Nachfrage weiter hochhalten. Hinzu kam im letzten Jahr die Neuregelung des geldwerten Vorteils für Elektrofahrzeuge und Plug-in Hybride. Sie müssen bei privater Nutzung nur noch mit 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises versteuert werden.

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Die Eigenzulassungen von Handel und Herstellern waren in den letzten Jahren vergleichsweise niedrig. Werden sie wieder steigen?

Das muss man auch immer im Zusammenhang mit dem Privatmarkt sehen. Wir erwarten, dass die Nachfrage von Privatkunden in den nächsten Jahren zurückgehen wird. Taktische Zulassungen können daher genutzt werden, um die Verkaufszahlen in einem schrumpfenden Markt etwas zu stabilisieren. Zudem sind die Eigenzulassungen oft (wenn auch nicht immer) nicht nur taktischer Natur, sondern es kommt auch zu vermehrten Zulassungen in diesen Kanälen, wenn gleichzeitig eine Vielzahl neuer Modelle eingeführt wird. Aus diesen Gründen gehen wir davon aus, dass der Anteil an Eigenzulassungen in den nächsten Jahren wachsen wird.

Nun soll das Jahr 2020 ja zur Initialzündung für die E-Mobilität werden. Sind daraus Effekte auf den Flottenmarkt zu erwarten? Fallen E-Autos volumenmäßig überhaupt ins Gewicht?

2019 konnten Elektro- und Plug-in-Fahrzeuge ihr Volumen in etwa bereits verdoppeln, gefördert natürlich durch die genannte 0,5-Prozent-Regelung für Firmenwagen, die privat genutzt werden. Die erneute Verringerung der Besteuerung für Elektro-Pkw ab 2020 wird diesen Effekt weiter verstärken. Wie immer man auch zu Plug-in-Hybriden steht, flankiert mit einer Anpassung der Car Policy, die das Laden verpflichtend macht (Anm. der Red.: anstatt Benzin zu tanken), hat diese Antriebsart das Potenzial, zum Renner zu werden.

Wer hat die gewerbliche Nachfrage zuletzt besonders getrieben: kleine, mittlere oder große Unternehmen, Dienstwagen-Flotten oder klassische Gewerbetreibende?

Erfreulicherweise haben nicht nur bestimme Fuhrparks den Boom des Marktsegmentes verursacht. Über alle Fuhrparkgrößen hinweg konnten wir 2019 herausragende Wachstumsraten beobachten. Wenn man dennoch etwas besonders hervorheben möchte, wären das sicherlich sehr kleine Fuhrparks und sehr große Flotten, deren Wachstumsraten über dem Flottendurchschnitt lagen.

Generell: Wie schnell und wie ausgeprägt reagiert das Flottengeschäft auf konjunkturelle Schwächephasen – speziell im Vergleich zum Privatmarkt?

Grundsätzlich sind Unternehmen, bezogen auf die Erhaltung der Mobilität für die Mitarbeiter, größeren Zwängen unterworfen als der Privatkunde und wirken daher eher stabilisierend als krisenverstärkend. Natürlich hat das Grenzen und dann spielen auch staatlichen Gegenmaßnahmen eine Rolle, ob man einer Krise entgegenwirken kann. Als Beispiel sei an das Rezessionsjahr 2009 infolge der Finanzkrise erinnert. Während der Flottenmarkt deutlich einbrach, wurde der Privatmarkt mithilfe der Abwrackprämie gestützt. Während der Eurokrise mussten dagegen beide Segmente Verluste verkraften.

Noch etwas ist neu im Jahr 2020: die CO2-Grenzwerte für die Hersteller. Werden sie auf den Flottenmarkt abfärben?

Diese Grenzwerte haben sicherlich einen Einfluss auf die Angebotspalette der Hersteller. Zum einen werden einige neue Modelle wie der VW ID 3 ihre Markteinführung feiern, zum anderen wird die Elektrifizierung bereits bestehender Modelle fortgesetzt. In Kombination mit den Regelungen des geldwerten Vorteils für Elektroautos und Plug-in-Hybride werden sich diese Modelloffensiven in den Neuzulassungszahlen niederschlagen. Sollten die Neuzulassungen CO2-emissionseffizienter Modelle hinter den Zielen der Hersteller zurückbleiben, wird hier sicherlich mit Aktionsangeboten nachgeholfen werden, um sich den Zielwerten anzunähern.

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