Ganzjahresreifen im Test mit Schwächen
Die Ganzjahresreifen-Tests von ADAC, ACE und „Auto Motor und Sport“ zeigen: Alleskönner gibt es nicht. Wer keine Kompromisse eingehen will, sollte weiter Saisonreifen wählen.

Die Nachfrage der Kunden nach praktischen Ganzjahresreifen wächst. Im „Trend Tacho“, einer repräsentativen Autofahrer-Befragung von »kfz-betrieb«, gab ein Drittel der Autofahrer an, sich bis Februar 2017 neue Reifen kaufen zu wollen. Für 64 Prozent von ihnen sollen es Winterreifen und für 25 Prozent Ganzjahresreifen sein. Bereits heute ist ein Viertel der befragten Fahrzeughalter mit Allwetterreifen unterwegs.
Die Hauptgründe dafür sind Bequemlichkeit und Kostenvorteile. So gaben 41 Prozent der Fahrer von Ganzjahresreifen an, dass sie „Geld für die Rädereinlagerung sparen“ wollen. Danach folgen die Entscheidungskriterien: „In meiner Gegend braucht man keine Winterreifen“ (40 Prozent), „Ich möchte die Umrüstkosten vermeiden“ (40 Prozent) und „Das Auto war bereits mit Allwetterreifen ausgestattet“ (23 Prozent).

In einer Befragung des ADAC äußerten sogar 36 Prozent der Käufer, dass sie sich vorstellen könnten, solche Produkte anzuschaffen. Ob der jüngste Reifentest des Münchener Clubs daran etwas ändert? Von den sieben getesteten Ganzjahresreifen für die untere Mittelklasse (Dimension 205/55 R 16 V) schaffen lediglich zwei das Urteil „befriedigend“. Ein Allrounder, der zu allen Jahreszeiten verlässliche Fahreigenschaften bietet, war beim Test nicht dabei.
Mit dem Michelin Cross Climate und dem Vredestein Quatrac 5 kommen die beiden besten Produkte auf die Testnote 3,4. Während der Michelin – bis auf Schnee – in allen Disziplinen einen positiven Eindruck hinterlässt, erreicht der Vredestein auf trockener und nasser Fahrbahn gerade noch ein „befriedigend“.
ACE: Ganzjahresreifen bei Trockenheit riskant

Noch deftiger formuliert der Automobil Club Europa (ACE) aus Stuttgart sein Verdikt über die vermeintlichen Alleskönner: „Ganzjahresreifen bei Trockenheit riskant!“, heißt es da. Gunnar Beer, Reifenexperte beim ACE, kommentiert die Resultate: „Fast alle von uns getesteten Ganzjahresreifen sind eigentlich verkappte Winterreifen. Sie bieten Sicherheitsreserven, vor allem wenn es schneit oder die Fahrbahn vereist ist. Schon bei Regen können viele der Ganzjahresreifen nicht mehr mit Sommerreifen mithalten, und bei Trockenheit sind sie, genau wie Winterreifen, definitiv die falsche Wahl.“
Testsieger mit der Note „sehr empfehlenswert“ (203 von 260 Punkten) wurde der Nokian Weatherproof. Er kann ebenso wie der zweitplatzierte Goodyear Vector 4 Seasons (194 Punkte) vor allem auf Schnee mit gutem Handling und kurzen Bremswegen überzeugen. Weniger überzeugend schneiden beide Reifen allerdings im Vergleich mit einem Sommerreifen auf trockener Fahrbahn ab: Beim Bremsen aus 100 km/h kam der Testwagen erst nach 44,1 Metern (Nokian) beziehungsweise 46,1 Metern (Goodyear) zum Stehen. Der Testwagen mit den Referenz-Sommerreifen (Continental Premium Contact 5) stand bereits nach 37,8 Metern. Und auch bei Nässe finden sich die Allwetterreifen mit ihren Messwerten (Nokian: 58,7 Meter, Goodyear: 58,9 Meter) eher auf dem Niveau der Winterreifen (60 Meter) als auf dem der Sommerreifen (52 Meter).
(ID:44282963)