Gefahren: BMW 1er – eine kleine Revolution

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Für erste Testfahrten stellte BMW das zumindest vorläufige Spitzenmodell M135i sowie den mittleren Diesel 118d zu Verfügung. Letzterer zeigt sich auf der Autobahn- und auf der Landstraße äußerst souverän. 350 Newtonmeter Drehmoment liegen ab 1.750 Umdrehungen und dann praktisch über das gesamte nutzbare Drehzahlband an. Vor allem mit der Achtgang-Automatik (2.000 Euro) kann man den Vierzylinder so sehr entspannt bewegen.

Schon hier überzeugt aber vor allem das Fahrwerk, das man praktisch überhaupt nicht an seine Grenzen bringen kann. Der neue 1er schiebt anderes als sein Vorgänger auch nicht mehr über die Vorderachse, sondern bleibt stoisch in der Spur. Trotzdem sollte man auch den – uns hier nicht zur Verfügung stehenden – 120d testen. Allradantrieb und zusätzliche 40 PS bzw. 50 Newtonmeter sollten den Fahrspaß noch einmal deutlich erhöhen – allerdings auch für jene erwähnten saftigen 6.000 Euro Aufpreis. Mit 4,1 bzw. 4,5 Litern zeigen sich beide Motoren zumindest in der Theorie auf der Höhe der Zeit.

BMW 1er: Eine kleine Revolution
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Wem das alles zu bürgerlich und sparsam und zu wenig BMW ist, der kann zum M135i greifen. Ja, ein Sechszylinder wäre natürlich schön gewesen. Denn es fehlen nicht nur zwei Zylinder, sondern auch etwas Laufruhe und Souveränität, aber das leicht krawallige steht dem 1er ganz gut. Man kann das Top-Modell auch ganz kommod bewegen und sollte dies zumindest in der Stadt auch tun. 450 Newtonmeter, von 1.750 bis 5.000 Umdrehungen stets parat, sorgen für Kraft aus dem Keller und die Verbindung von der neuen Frontantriebsplattform UKL2 und Allradantrieb, lässt den M135i auch bei höheren Geschwindigkeiten und engen Kurven auf der Straße kleben. Leider muss man diesen Spaß mit fast 50.000 Euro bezahlen und selbst bei diesem Spitzenmodell sind 15.000 Euro an Extras schnell zusammen.

Die meisten Autofahrer werden allerdings sowieso zu den Basismodellen greifen, denn der 1er ist eines der wenigen BMW-Modelle die weit überwiegend vom Privatkunden „selbst bezahlt“ werden und nicht über den Gehaltszettel als Dienstwagen. Und gerade dieser Klientel wird sich über deutlich mehr Platz, viel mehr Komfort und moderne Assistenzsysteme wie die serienmäßigen Auffahr- und Personenwarnung mit City-Notbremsfunktion sowie eine Spurverlassenswarnung mit aktiver Rückführung freuen. Wer in der Privatschatulle noch was Geld übrig hat, sollte über das unbedingt empfehlenswerte Head-up-Display sowie über den „Intelligent Personal Assistant“ nachdenken, der ähnlich wie das MBUX-System in der A-Klasse mit brillanter Spracherkennung und automatischen Updates aufwartet und zudem selbstständig dazulernt.

Der eine oder andere 1er-Fahrer wird sich angesichts der Umstellung weg vom Heckantrieb trotzdem grämen, immerhin war dies bislang schlechthin das Unterscheidungsmerkmal vom Wettbewerb. Die durch den Wechsel gewonnenen Vorteile sind allerdings so groß, dass sie diesen Verlust mehr als ausgleichen. Somit wird der bislang in zwei Generationen weltweit knapp 2,5 Millionen Mal verkaufte 1er wohl auch künftig ein Bestseller in der BMW-Modellpalette bleiben.

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