Gefahren: Honda Jazz – in den Jungbrunnen gefallen

Autor: Julia Mauritz

Mit seinem optisch aufgefrischten und motorentechnisch aufgerüsteten Kleinwagen will der Hersteller das Durchschnittsalter der Käufer deutlich senken.

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Kleine Retuschen, große Wirkung: Der überarbeitete Honda Jazz überzeugt nicht nur optisch.
Kleine Retuschen, große Wirkung: Der überarbeitete Honda Jazz überzeugt nicht nur optisch.
(Bild: Mauritz)

Der durchschnittliche Honda-Jazz-Fahrer ist nicht nur überdurchschnittlich treu – knapp 60 Prozent der Käufer sind Wiederholungstäter – mit 63 Jahren ist er auch überdurchschnittlich alt. Nämlich genau elf Jahre älter als der durchschnittliche Käufer von Kleinwagen. Das dürfte an mehreren Faktoren liegen: Ältere Käufer schätzen den Vancharakter des Modells, der im Kleinwagensegment mittlerweile eine Ausnahme darstellt, und sie legen keinen gesteigerten Wert auf eine starke Motorisierung. Die hatte der Kleinwagen aus Japan nämlich bislang nicht zu bieten: Es stand lediglich ein 75 kW/102 PS starker 1,3-Liter-Benziner zur Verfügung, der recht schwach auf der Brust ist.

Jetzt hat Honda nachgelegt, um den Jazz auch für jüngere Käufer und Downsizer aus der Kompaktklasse attraktiv zu machen. Seit Januar ist das japanische Raumwunder auch mit einem 96 kW/130 PS starken 1,5-Liter-Vierzylinder erhältlich. 19.990 Euro müssen die Käufer dafür investieren, denn die Motorisierung mit mehr Pferdestärken gibt es ausschließlich in Kombination mit der neuen, hochwertigen Ausstattungslinie Dynamic.

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Serienmäßig ab Werk verbaut sind darin unter anderem Hondas neuestes Audio- und Infotainmentsystem samt Bluetooth-Freisprecheinrichtung, ein Regen- und Lichtsensor sowie Einparksensoren vorn und hinten. Ebenfalls mit an Bord ist Hondas komplette Armada an Fahrerassistenzsystemen: von einem City-Notbremsassistenten und einem Spurhalteassistenten über einen Fernlichtassistenten bis hin zu einem Tempomaten mit einem intelligenten Geschwindigkeitsbegrenzer und einer Verkehrszeichenerkennung. Ebenfalls dazu gehören LED-Scheinwerfer.

Rund zehn Prozent mehr Neuzulassungen

Auch optisch hat Honda den Jazz Modelljahr 2018 gekonnt aufgefrischt. Der sportliche Charakter kommt vor allem in der Dynamic-Ausstattung zum Tragen – dank eines neuen untereren Front- und Heckstoßfängers inklusive einer roten Akzentlinie sowie neuen Seitenschwellern und einem Dachspoiler.

Mithilfe der neuen Motorisierung und des frischeren Designs hofft der Frankfurter Importeur, die Jazz-Verkäufe in diesem Jahr um rund zehn Prozent zu steigern – 2017 wurden hierzulande gut 4.370 Jazz neu zugelassen.

Bei den Testfahrten mit dem neuen Jazz Dynamic zeigte sich: Der neue Antrieb passt perfekt zum Modell. Endlich ist der Jazz nicht mehr nur praktisch und geräumig, sondern er macht mit dem drehfreudigen 130-PS-Benziner mit Direkteinspritzung unter der Haube und in Kombination mit einem präzisen Sechsgang-Schaltgetriebe auch richtig Spaß. Und sparsam ist der neue Jazz obendrein: Er begnügte sich bei einer Kombination aus Stadt- und Landstraßenfahrt mit 4,9 Litern Sprit. Damit wich der reale Verbrauch nicht vom kombinierten Kraftstoffverbrauch ab, der auf dem Papier steht. Folglich ist es auch zu verschmerzen, dass Honda vorerst nicht plant, den Jazz mit einem Hybridantrieb auszustatten. Einen Dieselantrieb gab es ohnehin noch nie.

Üppiges Raumgefühl

In puncto Innenraumkonzept ist der Honda Jazz im Kleinwagensegment schon seit der ersten Generation anno 2002 spitze: Der Kofferraum schluckt respektable 354 bis 1.314 Liter. Vor allem wenn man die Sitzflächen der Rücksitze hochklappt, ist der Jazz das perfekte Transportmittel für den Möbelmarkt. Das Raumgefühl ist sowohl für die Front- als für die Fondpassagiere dank der üppigen Kopf- und Beinfreiheit erstaunlich luftig. Positiv hervorzuheben sind auch die Qualitätsanmutung im Innenraum und die Bedienung. Abzüge in der B-Note gibt es lediglich für die recht harte Federung und die Sitze, die mehr Seitenhalt bieten könnten.

Fazit: Gerade wenn der Jazz das einzige Fahrzeug im Haushalt ist, und das ist laut Honda bei rund 70 Prozent der Jazz-Käufer der Fall, lohnt sich der Mehrinvest von gut 3.000 Euro in den Jazz Dynamic mit seinem drehfreudigen Motor im Vergleich zum Basismodell Trend auf jeden Fall. Denn dann hat man ein gut ausgestattetes Fahrzeug, das sich nicht nur für Kurzstrecken und Stadtfahrten eignet, sondern durchaus auch für längere Autobahnstrecken. Die verhältnismäßig kleinen optischen Retuschen haben genauso wie die knapp 30 PS mehr eine große Wirkung.

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