Mit einem lachenden Auge und einen weinenden Auge schaut Knut Brinkmann vom Autohaus Brinkmann-Bleimann aus Güstrow auf die vergangenen Monate: „Wir haben unser Verkaufsgebiet in diesem Jahr erfolgreicher denn je bearbeitet. Noch nie hatten wir in Mecklenburg einen Marktanteil von über 18 Prozent und damit einen höheren als Audi und BMW“, sagt der Geschäftsführer. „Dennoch werden wir am Ende des Jahres bei gleichen Fixkosten voraussichtlich 15 Prozent weniger Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz als im Vorjahr ausgeliefert haben. Diesen Rückgang spüren wir in der Kasse!“
Damit aber nicht genug: Die Voraussetzungen für den Erhalt des sogenannten Performancebonus seitens des Herstellers berücksichtigt keine regionale Marktschrumpfung. „Ergo werden wir trotz bester Performance kaum bis keine Performancemarge erhalten. Das demotiviert! Denn trotz des besten Marktanteils aller Zeiten werden wir im Pkw-Verkauf das schlechteste Ergebnis aller Zeiten haben. Daran ändert auch eine IAA nichts“, sagt Brinkmann.
Ob es durch die Messe wirklich Verkaufsimpulse geben wird, ist für ihn zum heutigen Zeitpunkt nicht abzusehen. Ebenso wenig sei abzusehen, ob nach der Bundestagswahl endlich der Knoten platzt und vor allem die privaten Kunden wieder verstärkt Autos kauften. Bedauerlicherweise sei auch das Gebrauchtwagengeschäft in den vergangenen drei Monaten eher schwach verlaufen. „Jedoch sind wir mit den Erträgen dieses Geschäftsfeldes zufrieden. Sehr zufrieden sind wir auch mit dem Servicegeschäft im dritten Quartal“, sagt der Geschäftsführer.
Neuwagenmarge unter Druck
Nicholas Dunning von der Gottfried-Schultz-Gruppe mit Sitz in Ratingen sagt über das dritten Quartal 2013: „Mit dem Neuwagenverkauf beziehungsweise dem Neuwagen-Auftragseingang im sind wir nicht zufrieden. Besonders die gewerblichen Kunden halten sich nach wie vor beim Autokauf zurück. Deshalb hoffen wir sehr, dass die IAA noch Verkaufsimpulse in den kommenden Monaten mit sich bringt. Solcher Impulse bedarf es spätestens für das Jahr 2014 – sowohl aufseiten der privaten Kunden als auch aufseiten der gewerblichen Kunden.“
Erfreulicherweise habe das Gebrauchtwagengeschäft in den ersten neun Monaten eine positive Entwicklung genommen. Zufrieden ist die Autohausgruppe auch mit dem Verlauf des Werkstattgeschäfts. Die Werkstattmannschaften haben ausreichend zu tun, und auch das Geschäft mit Ersatzteilen und Zubehör laufe gut. „Mit Blick auf das letzte Quartal sehe ich jedoch keine allzu großen Veränderungen in Vertrieb und Service. Meiner Meinung nach wird der restliche Jahresverlauf über alle Geschäftsfelder hinweg relativ gleichbleibend verlaufen. Wahrscheinlich wird sich das vierte Quartal nahtlos in die vorangegangenen Monate einreihen. Alles andere wäre eine echte Überraschung“, sagt der Unternehmenslenker.
„Sicher kann die zurückliegende Internationale Automobil-Ausstellung beim ein oder anderen privaten oder auch gewerblichen Kunden Investitions- oder Kaufentscheidungen beschleunigen. Jedoch sendet die Messe bisher eher schwache Verkaufsimpulse. Im Neuwagenverkauf ist seit Monaten kein echter Zug, die Kunden halten sich leider beim Autokauf weiter zurück“, sagt Carlo Jesse von Auto Jesse aus Ibbenbüren.
Seiner Meinung nach werde sich der Neuwagenkauf künftig noch stärker ins Internet verlagern. Investitionen in Autohäuser ließen sich somit immer schwieriger amortisieren. Vor allem, weil die Neuwagenmargen weiter rückläufig seien. „Als Autohausunternehmer kann man fast nur noch über die Kostenseite gegensteuern. Nur gut, dass das Gebrauchtwagengeschäft relativ gut läuft. Mit dem ersten Halbjahr – speziell mit dem Gebrauchtwagenabsatz im Sommer – sind wir sehr zufrieden. Hier hatten wir wahrlich kein Sommerloch! Leider startete der September diesbezüglich sehr schwach“, sagt Jesse.
Zurückhaltung zeigten die Kunden auch in Sachen Service. „Hier helfen uns verschiedene Werkstattportale ein wenig weiter. Darüber generieren wir nicht nur Leads sondern auch den ein oder anderen Werkstattauftrag.“
2013 bleibt ein schwieriges Jahr
„Der Neuwagenabsatz ist im dritten Quartal deutlich schlechter als im Vorjahrjahreszeitraum verlaufen. Dadurch hat sich der Verkaufsdruck bei allen Marktteilnehmern noch einmal verstärkt. Als Resultat sind die Nachlässe gestiegen und die Erträge weiter gesunken. Wir hoffen sehr, dass es noch einen versöhnlichen Jahresendspurt gibt“, sagt Hans-Ulrich Overdreef vom Autohaus Overdreef in Duisburg. Idealerweise habe der auf der IAA präsentierte i3 auch auf andere BMW-Modellreihen eine positive Abstrahlwirkung.
(ID:42335778)