Handel hofft auf IAA-Impulse

Autor / Redakteur: Wolfgang Michel / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Autohausgeschäftsführer wie Nicholas Dunning haben sehr unterschiedliche Erwartungen an die letzten drei Monate des Jahres 2013.

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Nicholas J. Dunning, Geschäftsführer der Gottfried-Schultz-Gruppe, hofft wie viele Kollegen auf Verkaufsimpulse von der IAA.
Nicholas J. Dunning, Geschäftsführer der Gottfried-Schultz-Gruppe, hofft wie viele Kollegen auf Verkaufsimpulse von der IAA.
(Foto: VBM-Archiv)

Die IAA 2013 hat mit einem Besucherrückgang abgeschlossen. Im Nachgang spürbar ansteigen hingegen soll in den nächsten Wochen und Monaten die Besucherzahl in den Ausstellungsräumen der Neuwagenhändler in Deutschland. Glaubt man den Ausstellern und Machern der Messe, gäbe es für die Autobranche erste Anzeichen für eine Trendwende. Auch VDA-Präsident Matthias Wissmann sprach von einem „Wendepunkt“.

Was in den Autohäusern in den nächsten Monaten wirklich geschehen wird, bleibt abzuwarten. Von Audi, BMW und Citroën über Mercedes-Benz und Opel bis hin zu Renault, Skoda, Toyota und Volkswagen – Skeptiker und Optimisten halten sich die Waage. Das zeigt eine aktuelle »kfz-betrieb«-Umfrage bezüglich des Geschäftsverlaufs im dritten Quartal 2013 unter Geschäftsführern markengebundener Kfz-Betriebe.

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Neuwagen-Auftragseingang nicht zufriedenstellend

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass die IAA Verkaufsimpulse bringt, weder für 2013 noch für 2014. Die Hersteller müssen lernen, wieder Autos fürs Volk zu bauen. Wem hilft es, wenn ein Fahrzeug einen halben Liter weniger Sprit benötigt, dafür aber 1.500 Euro teurer ist und die Wartungsarbeiten aufgrund der Komplexität im Verhältnis zu früher ein Vielfaches mehr kosten? Mich wundert es nicht, dass sich der Gebrauchtwagenmarkt weit besser darstellt und entwickelt als der Neuwagenmarkt. Im dritten Quartal konnten wir den Gebrauchtwagenabsatz um zwölf Prozent steigern“, sagt Stefan Zschernitz vom Autohaus Zschernitz in Karlsruhe.

Mit dem Auftragseingang im dritten Quartal ist der Geschäftsführer überhaupt nicht zufrieden. „Wir liegen circa sechs Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Kumuliert betrachtet liegen wir im Auftragseingang gar elf Prozent unter 2012. Leider hat sich der extreme Abverkaufsdruck auch im Ertrag niedergeschlagen. Dieser ist rund 1,5 Prozentpunkte schlechter“, sagt der Geschäftsführer. Auch die von einigen Herstellern zitierte Trendwende kann er „beim besten Willen nicht erkennen“. Hier würde versucht, die Stimmung etwas zu beleben, „damit das Handelsnetz nicht in vollkommene Lethargie abdriftet.“

Uwe Gehrmann vom Autohaus Wicke in Bochum sagt über das dritte Quartal: „Die Neuwagenauftragseingänge schwächelten leider. Der Juli war noch ok, der August leider schlecht und der September verlief auch nicht erfreulich. Unser Auftragseingangsplus aus dem ersten Halbjahr schmilzt leider sehr deutlich. Wir lagen im August bei noch erfreulichen 117 Prozent, derzeit liegen wir kumuliert bei 109 Prozent. Durch die zurückgehende Nachfrage seit August sind die Erträge durch die höheren Nachlässe wenig erfreulich.“ Jedoch verspüren die Bochumer eine leichte Nachfrageerhöhung seit Ende der IAA.

Die Verkaufsmannschaft hofft auf weitere Kaufimpulse durch die IAA und geht von einer leichten Steigerung der Nachfrage aus. „Als Vertragspartner für den E-Up werden wir dieses zukunftsweisende Produkt mit anbieten. Und auch der neue Sportsvan von Volkswagen wird dazu beitragen, dass wir 2014 ein gutes Verkaufsjahr haben“, sagt Gehrmann.

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Das Gebrauchtwagengeschäft verlief in den vergangenen drei Monaten sehr unterschiedlich. „Der Juli war sehr ruhig, der August bombig und der September lief wiederum nicht ganz rund. Erfreulich ist, dass sich im Gebrauchtwagengeschäft eine Preisstabilität abzeichnet. Somit verbuchten wir leicht bessere Erträge.“ Auch das Servicegeschäft entwickelt sich im dritten Quartal sehr unterschiedlich. „Der Juli war gut, der August ausreichend und der September befriedigend. Insgesamt liegen wir unter unseren Planwerten und warten nun auf einen guten Winter. Unser Reifenlager ist gut gefüllt, der Winter kann kommen“, sagt Gehrmann.

Servicegeschäft mit Licht und Schatten

„Der Neuwagenverkauf unserer Bestandsfahrzeuge war im dritten Quartal sehr gut. Dies gilt sowohl für Lagerwagen als auch für Tageszulassungen. Die Kunden haben sehr positiv auf unsere Marketingmaßnahmen reagiert. Erfreulich ist zudem, dass der Neuwagenauftragseingang zum Quartalsende leicht nach oben ging. Die IAA bringt weitere Verkaufsimpulse für das neue Jahr mit sich“ sagt Mario Böttche vom Autohaus Böttche in Bad Belzig: Denn ein neuer Corsa, Vivaro und Monza brächten zusätzliche Kunden ins Autohaus und belebten die Marke Opel.

„Auch unser Gebrauchtwagengeschäft verläuft in diesem Jahr sehr gut. Wir haben die Standzeiten weiter gesenkt und den Fahrzeugabsatz erhöht. Unsere geplanten Bruttoertragsziele konnten wir zudem erreichen. Hinzu kommen verbesserte Bruttoerträge aus dem Geschäft mit Finanzdienstleistungen“, sagt Böttche. „Auch unsere Serviceziele haben wir im Juli und August weit übererfüllt. Wie von uns erwartet, war die Werkstattauslastung im September nicht so gut. Jedoch steht die Werkstattmannschaft für einen starken Oktober bereits in den Startlöchern.“

Der Verlauf des Servicegeschäfts 2013 entspreche den Planungen, die Arbeitszeiten der Mechaniker seien deshalb ab Oktober verlängert. Böttches Fazit für die kommenden drei Monate lautet dann auch: „Die Abverkäufe und der steigende Auftragseingang gepaart mit einem sehr guten Serviceergebnis lassen uns dem vierten Quartal sehr positiv entgegensehen.“

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