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Die Lacher auf ihrer Seiten hatten Ralf Schmitt und Torsten Voller. Die Buchautoren und Business-Coaches brachten mit ihrem Improvisationstheater richtig Stimmung ins „Kaamp Hüs“. Die Headline ihres Auftritts lautete: „Warum Intuition nicht irrational ist – Eine Anleitung für mehr Esprit im Berufsalltag.“
Schmitt und Voller sprachen sich für mehr Spontaneität im Berufsleben aus. So müssten beispielsweise Verkäufer spontaner reagieren und schlagfertiger sein. Für Schlagfertigkeit gäbe es die Regeln „Einfach zustimmen“ oder „das Gegenteil argumentieren“. Spontaneität sei eine Grundhaltung, die jeder lernen könnte. „Spontan sein heißt immer ‚Ja‘ sagen“, sagte Schmitt. „Akzeptieren Sie die Dinge, wie sie sind, und sagen Sie nicht nur ‚Nein‘, weil es schon wieder ein bestimmter Kollege ist. Sagen Sie viel öfter ‚Ja‘ als ‚Nein‘“, ergänzte Voller.
Dass diese Vorgehensweise durchaus funktioniert, bewiesen Schmitt und Voller in verschieden Rollenspielen mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Hier lernten die Probanden, dass Satzanfänge mit „Ja, genau...“ gut funktionieren, mit „Ja, aber...“ eben nicht. Spontan könne man nur sein, wenn man sich traut, spontan zu sein. „Versprecher machen uns sympathisch. Denn wenn jemand nicht perfekt ist, ist er uns sympathisch“, sagte Voller. Er verwies ferner darauf, dass jeder Plan falsch sein muss, da niemals alle Faktoren bekannt sein können. „Oft planen wir voraus, wir hören gar nicht mehr zu. Nutzen Sie viel häufiger Ihre Navigation und Intuition. Das heißt Ja sagen, im Moment sein, Fehler machen dürfen“, sagte Voller.
Kampf um Nachwuchs
Den zweiten Tag der Herbstakademie eröffnete ZDK-Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Koblitz. In seinen Grußworten bedankte er sich bei den Sponsoren. „Dank der Sponsoren haben wir hier den einzig wahren Juniorenkongress und heute Abend die schärfste Party der Welt bei Gosch in List.“
ZDK-Präsident Robert Rademacher ließ es sich auch nicht nehmen, nach Kampen anzureisen. In seinen Grußworten sagte er: „Ich bin sehr gerne gekommen. Denn in unserem Gewerbe hat der Nachwuchs einen ganz besonderen Stellenwert.“ Der ZDK-Präsident erinnerte daran, dass der Kfz-Mechatroniker nach wie vor der begehrteste Ausbildungsberuf ist. „Neu aufgestellt hat sich auch unsere BFC. Das gilt für die Ausbildungsinhalte und die Struktur. Die Konzentration auf den Standort Northeim war ein richtiger Schritt, was die aktuelle Situation belegt“, sagte Rademacher.
Und da der Kampf um den Nachwuchs immer härter werde, habe der Verband seine Ausbildungsplatzbörse gestartet. „Die Börse soll bundesweit Bewerber und Suchende zueinanderbringen.“
In seinem Grußwort ging Rademacher ferner auf die hohen Neuwagenrabatte speziell beim Golf 7 ein. In diesem Zusammenhang kritisierte er die Neuwagen-Internetportale und die dort aktiven Händler gleichermaßen. „Wir können diese Praktiken leider nicht abstellen. Aber es kann nicht richtig sein, dass neue Modelle wie der Golf 7 in die Bonussysteme des Herstellers einbezogen werden“, sagte Rademacher. „Wer als deutscher Händler solche Rabatte gibt, ist ein betriebswirtschaftlicher Wirrkopf!“
Für 2013 erwartet Rademacher ein schwieriges Neuwagenjahr. „Wir werden kein einfaches Jahr vor uns haben. Denn es geht nicht nur um die Lust des Autokäufers, ein neues Auto zu kaufen. Es gibt sehr viele Rahmenbedingungen, auf die wir keinen Einfluss haben. Wollen wir hoffen, dass der deutsche Verbraucher auch weiterhin gerne konsumiert und auch Neuwagen kauft.“ In diesem Zusammenhang verwies der ZDK-Präsident auf die zu hohe Zahl der Eigenzulassungen 2012. „Diese Autos werden nicht am Strand von Sylt vergraben, sondern als junge Gebrauchtwagen verkauft.“ Leider hätten die Hersteller aus den Jahren 2007 und 2008 nicht gelernt. „Die neuen Vertriebschefs machen jetzt die Fehler ihrer Vorgänger“, sagte Rademacher. Den jungen Unternehmerinnen und Unternehmern rief er zu: „Sofern Sie noch die Jahreszielgespräche 2013 mit Ihren Herstellern führen, dann fragen Sie mal, wie viele Herstellerzulassungen in den Zahlen stecken.“ Denn addierten die Markenhändler 2012 ihre Erträge im Neu- und Gebrauchtwagenhandel, dann kämen die meisten von ihnen laut Rademacher nur auf eine rot-schwarze Null. Die Rendite käme allein aus dem Service.
Das Problem sind Sie!
Unternehmensberater Claus-Günther Diers sprach nicht über Zulassungszahlen oder Rendite. Sein Thema lautete „Motiverkennung ist erfolgreicher als Motivation“. „Das individuelle und das kollektive Unterbewusstsein sind in ständigem Austausch und durchdringen einander. Es gibt keine Grenzen, und wenn, dann sind sie porös! Das ‚Selbst’ beeinflusst unser gesamtes Bewusstsein! Es ist der Kern unseres Seins, der Lebensauftrag. Diesen zu erforschen, ist der Sinn eines jeden individuellen Lebens und schafft ‚Selbst-Bewusstsein’“, sagte Diers einleitend.
Seinen Ausführungen zufolge wird der Mensch viel zu sehr von seinem Ego geleitet. Nur drei Prozent seiner Verhaltensmuster könne ein Normalmensch als sein Bewusstsein beschreiben, zwei Prozent seien individuelles Unterbewusstsein. „Aber 95 Prozent stehen morgens auf und haben keine Ahnung, was sie vorhaben“, sagte Diers. Seiner Meinung nach wird heute viel zu sehr das Produkt verkauft. Viel wichtiger wäre es aber, sich um die Beziehungen zum Kunden zu kümmern. Konfliktgespräche sollten am Nachmittag geführt werden. Dies gelte für Mitarbeiter wie Kunden gleichermaßen.
Apropos Konflikte: Laut Diers strengen wir uns viel zu sehr an, nur das zur Kenntnis zu nehmen, was wir kennen. Auf die Frage, warum wir diesen Angstfilter haben, antwortete er: „Damit wir da bleiben, wo wir sind!“
Aber wer keine gute Beziehung zu sich habe, spüre auch nicht, worum es gerade gehe. „Dann weiß ich nicht, was ich tue. Herzlichen Glückwunsch, Sie tun die Dinge im Affekt“, sagte Diers.
Als drastisches Beispiel griff er die Internetrabatte des Golf 7 auf: „Sie sind nicht das Opfer des Marktes, Sie sind die Täter. Einer fängt immer an, dann müssen die anderen folgen. Wer zuerst bescheißt, der zieht den Rest mit. Wollen Sie, dass alle mitgehen?“
Diers ermahnte die Zuhörer weiter: „So wie ich mit mir umgehe, so gehe ich unbewusst mit anderen um. Sie rufen unbewusst etwas in den Markt hinein und bekommen es als Echo zurück.“ Er forderte den Nachwuchs auf, „bevor Sie irgendwas tun, machen Sie sich bewusst, was Sie tun. Gehen Sie in den Augenblick und machen Sie Ihren Filter auf. Fragen Sie sich: Worum geht es in meinem Leben? Das Problem ist nicht das Problem. Das Problem sind Sie!“
Beispielsweise arbeiteten seiner Meinung nach Marketing und Vertrieb zu oft gegeneinander. Die einen hätten gute Ideen, aber die anderen bekämpften diese Ideen.
Gesprächsrunde mit Axel Koblitz
Den anschließenden „Talk an der Tonne“ moderierte Axel Koblitz. Seine Gesprächspartner waren neben Claus-Günther Diers die Unternehmensberaterin Dr. Judith Beile und Peugeot-Händler Gernot Haase. Auf die Frage, ob es anderen leichter fällt, mehr aus mir herauszuholen, antwortete Diers: „Der Mitarbeiter darf seinem Vorgesetzten nicht den Spiegel vorhalten. Ich-Botschaften mit entsprechend kritischen Inhalten hingegen darf man an seinen Vorgesetzten senden.“ Unternehmensberaterin Beile sagte zu den Managereigenschaften wie Vorgaben und Kontrolle: „Man kann solche Eigenschaften mit Empathie verknüpfen. Das können nicht alle Menschen, aber man kann das auch lernen.“ Für Vorgesetzte sei es wichtig, sich auf die verschiedenen Typen von Mitarbeitern einzustellen.
„Jeder kann lernen, sich auf sein Gegenüber einzustellen.“ Man benötige aber Zeit, um wichtige Botschaften zu übermitteln. Hier böte sich das Mitarbeiterjahresgespräch auch für kleinere Betriebe an. Kfz-Unternehmer Haase ergänzte: „Unser Job ist es, unsere Mitarbeiter zu motivieren. Ängste müssen wir ihnen nehmen. So haben wir unseren Mitarbeitern klargemacht, was im nächsten Jahr alles passiert. Unser Ziel ist es, unseren Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten.“ Diers gab den jungen Unternehmern folgenden Ratschlag mit auf den Weg: „Fragen Sie Ihre Mitarbeiter, was Sie besser machen können. Und fragen Sie sie nicht heute, sondern auch morgen und übermorgen.“
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