Herbstakademie: Fitnessprogramm auf Sylt

7. Bundestreffen der Junioren des Kfz-Gewerbes

| Autor: Wolfgang Michel

Landesverbandspräsident Rolf-Dieter Fröhling begrüßte die Nachwuchskräfte des Kfz-Gewerbes auf Sylt.
Landesverbandspräsident Rolf-Dieter Fröhling begrüßte die Nachwuchskräfte des Kfz-Gewerbes auf Sylt. (Foto: Zietz)

Gemeinsam mit dem ZDK lud der Landesverband Schleswig-Holstein am vergangenen Wochenende zum siebten Mal zur Herbstakademie Sylt ein. „Schön, dass Sie auch 2012 wieder alle gekommen sind“, begrüßte Jan-Nikolas Sontag, Geschäftsführer des Landesverbands Schleswig-Holstein, die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bundestreffens der Junioren des Deutschen Kfz-Gewerbes.

„Über die Hälfte aller Teilnehmer reist mehr als 400 Kilometer weit an. Die Marke Sylt ist für uns Privileg und Verpflichtung zugleich, eine hochkarätige Veranstaltung zu initiieren. Es ist eine Ehre, dass Sie unserer Einladung auch 2012 so zahlreich nach Sylt gefolgt sind“, sagte Rolf-Dieter Fröhling. In seiner Ansprache forderte der Landesverbandspräsident Schleswig-Holsteins den Nachwuchs auf, sich stärker im Ehrenamt zu engagieren. „Wer das nicht möchte, sollte aber zumindest wichtige Fragen an die verschiedenen Gremien auf regionaler Ebene stellen. Diskutieren und gestalten Sie aktiv mit“, sagte Fröhling.

Unternehmerische Grundfragen

Traditionell eröffnete »kfz-betrieb«-Chefredakteur Wolfgang Michel den Vortragsreigen der Herbstakademie. „Wohin fährt die Kfz-Branche 2013?“, lautete der Titel seines Vortrags. Michel beleuchtete verschiedene Szenarien des kommenden Jahres. „Um nicht nur 2013, sondern auch die folgenden Jahre erfolgreich zu meistern, bedarf es einer vernünftigen Rentabilität, einer guten Eigenkapitalquote, effizienter Kostenstrukturen, guter Bankenbeziehungen, engagierter sowie kompetenter Mitarbeiter und der Bereitschaft, neue Wege zu gehen“, sagte der Chefredakteur des ZDK-Verbandsorgans.

All das entscheide am Ende deutlich mehr über Wohl und Wehe eines Unternehmens als die gehandelte Marke bzw. die gehandelten Marken. Bei allen unternehmerischen Entscheidungen müssten sich die Händler immer über Folgendes bewusst sein: „Wenn eine Marke Sie nicht mehr im Netz haben will, dann wird sie alles tun, um ihr Ziel zu erreichen!“, so Michel.

Über die Komplexität des Lebens und die damit veränderte berufliche Aufgabenstellung sprach Unternehmensberaterin Kerstin Eisenschmidt. „Führen in eine neue Zeit“ lautete ihr Thema. Früher gab es das Patriarchat, den Häuptling, den Alten, den Seniorchef – heute hätten alle Mitarbeiter ihre eigene, feste Rolle. Doch ohne Stammesführer gebe es heute im Gegensatz zu früher beispielsweise unter den Verkäufern immer wieder Gerangel. „Oft fehlt das gemeinsame Ziel der Mitarbeiter. Zum Beispiel stechen sich die Verkäufer gegenseitig im Kampf um die Kunden aus“, sagte Eisenschmidt.

Kundenorientierung muss das Personal leben

Weitere Schwachstellen in vielen Unternehmen seien Überbürokratisierung und das Beharren auf Zuständigkeit. Alles zu reglementieren, sei ein Fehler. „Denn innovatives Denken finden somit ebensowenig statt wie die Lust am Unternehmen“, sagte die Referentin. So würde es dann auch nichts mit der Kundenorientierung. „Die Bahn hat es zwar geschafft, aus Beförderungsobjekten Fahrgäste zu machen. Leider merkt man das als Bahnkunde nicht“, sagte Eisenschmidt beispielhaft. Schließlich könnten nur motivierte Mitarbeiter auf die Kunden zugehen und damit Kundenorientierung leben.

Um zu erkennen was im eigenen Unternehmen los ist, braucht es laut Eisenschmidt eine gute Selbstwahrnehmung: „Wenn Sie morgens in den Spiegel schauen, was denken Sie da? Es ist nicht besonders förderlich, vor dem Spiegel zu verzweifeln.“

Sehr wichtig sei es ferner, mit dem Feedback aus der Belegschaft professionell umzugehen. Dazu müsste jeder immer auch den eigenen Anteil an Konflikten und Misserfolg erkennen. „Wenn andere vor Ihnen Angst haben, dann können Sie nicht erfolgreich arbeiten“, sagte Eisenschmidt. Vor allem gelte es, den Sinn von Aktionen zu vermitteln. Schließlich müssten die Mitarbeiter Handlungen von Geschäftsführern und Entwicklungen im Unternehmen verstehen.

„Der kreative Geist findet in vielen Unternehmen nicht statt. Der funktioniert aber auch nur, wenn die Mitarbeiter ihre Kreativität nicht zu Hause lassen“, sagte Eisenschmidt. „Wir sollten nicht gegeneinander argumentieren, viel mehr zuhören und viel mehr positiv denken.“ Nur drei Prozent der Gedanken seien positiv, 27 Prozent negativ.

Eisenschmidt weiter: „Glücklich ist, wer in der Gegenwart lebt, den Medienkonsum reduziert, Entscheidungen schneller trifft, Freundschaften pflegt, dankbar ist, einer erfreulichen Tätigkeit nachgeht, sich selbst gute Dinge tut, Risiken eingeht, sich Problemen stellt, eine Lebensvision hat und an einen übergeordneten Sinn des Leben glaubt.“

Talk an der Tonne

Jan-Nikolas Sontag vertiefte das Thema mit Kerstin Eisenschmidt beim „Talk an der Tonne“. Weitere Gesprächspartner waren die beiden norddeutschen Volkswagen-Händler Nina Eskildsen und Tim Schneider. Unternehmerin Eskildsen sieht sich durch die Auflagen der Hersteller „sehr gemaßregelt“. Generell sei eine Planung im Autohaus sehr schwierig, „bei solchen Rabattschlachten wie beim Golf 7“, sagte die Autohausgeschäftsführerin. „Wir müssen unsere Mitarbeiter dazu entwickeln, eigenverantwortlich zu handeln.“

Für Händlerkollegen und Landesinnungsmeister Tim Schneider ist es wichtig, zu erkennen, wo man als Unternehmer selbst steht. Wie sehen mich meine Mitarbeiter? Wie sehen mich meine Kunden? Diese Fragen gelte es, sich selbst kritisch zu beantworten. „Es ist nicht immer einfach, alle mitzunehmen. Deshalb müssen wir uns um unsere Mitarbeiter kümmern. Das ist viel wichtiger als eine Gehaltserhöhung“, sagte Schneider. „Und unsere Kunden müssen merken, dass sie bei uns sehr gut aufgehoben sind.“ Schneider forderte die Zuhörer auf, nachhaltig und strategisch zu planen – mit der Marke, dem Autohaus und den Mitarbeitern. Mit der Aussage „Mutig sein und erfahren, wie meine Träume sind“ beendete Kerstin Eisenschmidt den Talk an der Tonne am ersten Veranstaltungstag der Herbstakademie.

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