Honda: Ein Diesel für Samurais

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Honda hat zehn Jahre nach dem Erstling seinen zweiten Diesel vorgestellt: den 1.6 i-Dtec mit 120 PS. Doch wie bei Samuraischwertern gilt: Was lange währt, wird gut.

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Der Honda Civic 1.6 i-Dtec ist sportlicher als sparsame und sparsamer als sportliche Konkurrenten.
Der Honda Civic 1.6 i-Dtec ist sportlicher als sparsame und sparsamer als sportliche Konkurrenten.
(Foto: Honda)

Japanische Ingenieure lassen sich ungern unter Zeitdruck setzen: So dauerte es zehn Jahre, bis Honda dem 1993 erschienenen TDI von Volkswagen einen eigenen Dieselmotor entgegenstellen konnte. Und noch einmal zehn Jahre später hat das Unternehmen nun seinen zweiten Selbstzünder vorgestellt.

Mit ihrer Arbeitsauffassung haben sich die Honda-Entwickler offensichtlich an den berühmten japanischen Schmiedemeistern orientiert, die ihre Samuraischwerter bekanntlich auch nicht an einem Tag zusammenklopfen, sondern in einem langwierigen Prozess zu absoluter Perfektion und Schärfe bringen. Auch bei Honda führte der große Arbeits- und Zeitaufwand zu einem überzeugenden Ergebnis, wie eine erste Testfahrt in der Nähe von Nizza zeigte. Der 1.600 Kubikzentimeter große Langhuber ist mit 88 kW/120 PS und einem Drehmoment von 300 Newtonmetern einer der stärksten Motoren seiner Klasse – „und der leichteste“, wie der Hersteller betont.

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Fast ein Zentner leichter als der 2,2-Liter

Die Dieselmaschine soll nicht mehr wiegen als ein gleich großer Ottomotor und hat gegenüber dem bekannten 2,2-Liter-Selbstzünder gleich 47 Kilogramm abgespeckt. Dazu tragen beispielsweise die Open-Deck-Bauweise (oben offene Kühlwasserkanäle), die sonst eher bei Benzinern verwendet wird, und die dünneren Zylinderwände des Alublocks bei.

Im Vergleich zum größeren Bruder haben die Honda-Ingenieure zudem die Reibung gleich um 40 Prozent verringert. Dafür ist beispielsweise der kompakte Kolben mit seinem außermittig angebrachten Bolzen zuständig, aber auch das teure und exotische 0W20-Leichtlauföl (Wechselintervall jährlich oder 20.000 Kilometer).

Die Verdichtung hat Honda auf einem moderaten Niveau von 16:1 belassen, folgt also nicht dem Mazda-Beispiel von extrem niedrigen 14:1 beim Skyactiv-Diesel. Das bringe schlechteres Kaltstartverhalten und geringeren Wirkungsgrad, wie es bei Honda hieß.

Der Leichteste, aber nicht der Leiseste

Für die Testfahrt stand der 1.6 i-Dtec, wie Honda ihn nennt, in der noch taufrischen aktuellen Civic-Generation zur Verfügung. Das geringere Gewicht auf der Vorderachse fiel auf den kurvenreichen südfranzösischen Straßen sofort positiv auf. Doch die Leichtbauweise hat auch Nachteile: Trotz viel Detailarbeit zugunsten geringerer Schallabstrahlung ist der Motor sicher nicht der leiseste einer Klasse, sondern sofort als Diesel zu erkennen. Der kleine, schnell ansprechende Lader sorgt für gleichmäßigen, stämmigen Durchzug ohne Turboloch, aber auch ohne Drehmomentexplosion.

Als Durchschnittsverbrauch nach NEFZ gibt Honda 3,6 Liter auf 100 Kilometern an (entspricht 94 Gramm CO2 pro Kilometer). Damit unterbietet der Civic die besten Sparmobile der Konkurrenz, schafft aber gleichwohl freudvolle Fahrleistungen (gut zehn Sekunden von 0 auf 100 km/h, 206 km/h Spitze). Der 1.6 i-Dtec soll im Frühjahr zuerst im Civic zu haben sein (Grundpreis rund 20.500 Euro) und später auch andere Honda-Baureihen antreiben, den bekannten 2,2-Liter aber nicht ablösen.

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