Honda Ein Autohersteller wagt den Neuanfang

Von Tomas Hirschberger/SP-X 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Honda will bis Mitte des Jahrhunderts CO2-neutral werden. Helfen soll dabei das neue Label „0-Series“, unter dem eine komplett neue Generation von Elektroautos entwickelt wird. Den Anfang machen eine geräumige Crossover-Limousine und ein SUV.

Honda will sich neu erfinden. Dafür braucht es ein komplett neues Fahrzeugprogramm.(Bild:  Honda)
Honda will sich neu erfinden. Dafür braucht es ein komplett neues Fahrzeugprogramm.
(Bild: Honda)

Es ist nichts Geringeres als eine Herkules-Aufgabe. Der weltweit größte Hersteller von Verbrennermotoren will bis zum Jahr 2050 komplett CO2-neutral sein. Ein entscheidender Eckpfeiler auf dem Weg dorthin wird das neue Elektro-Label „0-Series“, das Honda Anfang des Jahres auf der CES in Las Vegas vorgestellt hat und nun konkretisiert. Dabei steht die Null nicht nur für „Zero Emission“, sondern auch für einen kompletten Neuanfang der Marke.  

Die grüne Welle schwappt spät an Hondas Ufer. Japans Nummer zwei muss nicht nur von seinem hohen Flottenverbrauch runter, es gilt auch mit neuen Elektro-Modellen auf den Volumenmärkten in USA (speziell Kalifornien) und China zu punkten und allgemein den Abwärtstrend zu stoppen. In Europa sank der Marktanteil zuletzt auf kaum noch relevante 0,4 Prozent, in Deutschland verkaufte Honda 2023 gerade noch knapp über 6.000 Autos – Werte einer Exotenmarke.  

Neue Werke in Nordamerika

Nun hat Honda die Chance auf ein Comeback, sieht sich aber realistisch eingeschätzt nicht als Innovationstreiber der Batteriewelt. Nachdem der süße, aber viel zu teure und technisch kaum mehr konkurrenzfähigen Honda e bereits 2023 wieder vom Markt genommen wurde, soll die 0-Series nun nachhaltigen E-Erfolg bringen. 

In das ambitionierte Stromer-Projekt investieren die Japaner dem Vernehmen nach 60 Milliarden Dollar. Allein elf Milliarden davon fließen in den Aufbau von Hondas erster E-Auto-Fabrik im kanadischen Alliston in der Provinz Ontario. Das Werk soll mit einer Kapazität von jährlich 240.000 Elektrofahrzeugen in 2028 mit der Produktion beginnen. Honda plant hier eine umfassende Wertschöpfungskette für Elektromobilität, inklusive einer Batteriefabrik im Joint-Venture mit LG (Jahreskapazität 36 Gigawattstunden pro Jahr) sowie zwei neuen Komponenten-Werken.  

Serienstart 2026, sieben neue Modelle bis 2030

Das futuristische Konzeptauto „Saloon“ soll einen Ausblick auf künftige Honda-Modelle geben.
(Bild: Honda)

Hondas erste Stromer mit der Null am Bug werden bereits zwei Jahre vorher im bestehenden US-Werk in Marysville/Ohio vom Band laufen. Bis 2030 sollen sieben neue E-Modelle für den globalen Markt erscheinen. Fünf SUVs – von klein bis ganz groß – eine Limousine sowie die als „Saloon“ angekündigte Crossover-Limousine, die kaum so futuristisch und mutig daherkommen wird, wie das spacig illuminierte Konzept, das im Januar vorgestellt wurde.  

Die Vorstellung der ersten beiden seriennahen Modelle erfolgt dann auf der kommenden CES im Januar 2025. Es dürfte sich dabei um einen Mid-Size SUV im Format des CR-V handeln, sowie um die angesprochene Van-artige Limousine, die auf knapp fünf Metern üppig Platz und Variabilität bieten soll. Möglich macht das eine neue Plattform mit einem extra dünnen Batterie-Pack, der laut Honda flacher im Unterboden liegt als bei vergleichbaren Fahrzeugen. Der Saloon soll kurze Überhänge erhalten und nicht höher als 1,40 Meter werden. 

Keine Revolution bei Honda

Revolutionäres dürften wir von der 0-Series aber kaum erwarten. Vielmehr konzentriert sich Honda darauf, den Anschluss herzustellen und seine Hausaufgaben zu machen. Die heißen zunächst Produktionskosten reduzieren (etwa um 35 Prozent) und Leichtbau. Mit einem Pressverfahren unter extrem hohem Druck von 6.000 Tonnen sowie einer neuen Schweißtechnik können größere und dünnere Karosserieelemente verarbeitet werden, was die Anzahl der Teile deutlich reduziert, die Stabilität erhöhen soll und etwa 100 Kilogramm Gewicht spart. Honda spricht davon, neben Effizienz vor allem Fahrfreude in ihre Stromer zu übertragen.  

Beim Akku wird es sich zunächst um eine „normale“ Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von etwa 80 kWh handeln, von der kolportierten Feststoffbatterie war zuletzt nicht mehr die Rede. Die Reichweite dürfte bei knapp 500 Kilometern liegen. Überraschend ist Hondas Entscheidung, bei der 0-Series – die in zwei Jahren debütiert – noch auf ein 400-Volt-Bordnetz zu setzen. Konkurrenten wie Hyundai, aber auch viele chinesische Mitbewerber, bieten heute schon eine 800-Volt-Architektur an, die unter anderem deutlich schnellere Ladevorgänge ermöglicht. Der Honda-Stromer kann Energie für 160 Kilometer in 15 Minuten aufnehmen. Ein bereits heute durchschnittlicher Wert. 

Konventionelle Antriebstechnik

Auch die weitere E-Technik des Honda-Projekts ist eher handelsüblich. Zwei kompakt gebaute, permanent erregte E-Motoren, vorne mit 180 kW, hinten mit 50 kW, machen den Japaner zum Allradler. Prototypen mit der neuen Technik, versteckt unter der Karosserie vom Accord und CR-V, zeigten bei unseren ersten kurzen Testfahrten, dass Honda auf dem richtigen Kurs ist. Das alles funktioniert schon ziemlich harmonisch aufeinander abgestimmt und fahraktiv.  

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Später in der Serie könnten Hondas E-Autos wie das Konzeptfahrzeug nach dem Drive-by-wire-Prinzip lenken, also ohne mechanische Verbindung zu den Rädern. Reichlich moderne Assistenten werden sie auf jeden Fall an Bord haben. Die AD/ADAS-Technik mit Lidar-basierten Kameras ermöglicht dann automatisiertes Fahren nach Level 3. Auch künstliche Intelligenz fehlt natürlich nicht. Honda entwickelt ein eigenes Betriebssystem, in das sie die ebenfalls selbst entwickelte KI implementieren wollen. Das lernfähige System verfügt dann zum Beispiel über eine sensorgesteuerte Gesichtserkennung in der B-Säule. Nähert sich der Fahrer und wird erkannt, öffnet sich automatisch die Tür. Ist er schwer bepackt oder schiebt einen Kinderwagen, geht die Kofferraumklappe gleich mit auf. 

KI und die vielen im Innenraum verbauten Kameras sollen es irgendwann möglich machen, dass Familie, Freunde und Partner per VR-Brille von zuhause aus virtuell auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, den Fahrer begleiten und unterhalten. Wenn Honda schon bei Null anfängt, dann mit einem gewissen Unterhaltungswert.