Nach einer große Produktoffensive schaltet die spanische VW-Tochter einen Gang zurück. Frühestens in zwei Jahren ist mit neuen Modellen zu rechnen – und natürlich auch bei Cupra.
Der Ateca zählt zu den erfolgreichsten Seat-Modellen.
(Bild: Seat)
Stöbert man mit den Suchbegriffen „Zukunft“ und „Seat“ ein bisschen durchs Internet, könnte man schnell zu der Überzeugung kommen, Volkswagen würde schon bald seine spanische Tochter in Rente schicken – zum Wohle von Cupra. Die junge Marke ist agil und produziert viele positive Schlagzeilen. Entsprechend legte sie in den ersten vier Jahren seit ihrer Gründung eine Performance aufs Parkett, die alle Erwartungen übertraf, in der Branche, wie auch intern.
Cupra verkauft in Deutschland, dem für Seat stärksten Absatzmarkt in Europa, mittlerweile mehr Fahrzeuge als Seat selbst. Der Bestseller im Portfolio der Spanier ist nicht mehr der Seat Leon, sondern der Cupra Formentor, ein schickes und margenträchtiges Sport-SUV und Cupras erstes eigenständig entwickeltes Modell. 4.552 Formentor wurden im März erstmals zugelassen sowie 264 Born. Dazu kommen die Cupra-Versionen von Leon und Ateca, die das Kraftfahrt-Bundesamt aber nicht gesondert ausweist. Insgesamt schafften die Spanier im März 11.200 Einheiten. Der Marktanteil liegt bei 4,6 Prozent.
„Seat ist das Fundament für Cupra“
Beim Zukunftsthema Elektromobilität auf Basis der MEB-Konzernarchitektur ging Seat bislang leer aus. Das war zunächst anders geplant. Die Studie zum ersten E-Auto der Spanier aus dem Jahr 2019 hieß noch Seat el Born. Dann entschied man, Cupra zur Elektromarke umzubauen, und führte Ende vergangenen Jahres den Cupra Born ein, das sportlich gestylte Pendant zum VW ID 3.
Doch entgegen mancher Vermutungen und Gerüchte: Der Erfolg von Cupra geht laut Aussage von Bernhard Bauer, Geschäftsführer von Seat Deutschland, nicht zulasten von Seat. „Wir sind eine Company mit zwei Marken. Wenn es Cupra gut geht, geht es auch Seat gut“, sagt Bauer und ergänzt: „Seat ist das Fundament für Cupra.“ Das hatte ähnlich bereits Vertriebschef Alexander Buk im vergangenen Jahr im Gespräch mit »kfz-betrieb« formuliert.
Dass es zumindest in diesem und im nächsten Jahr weder Facelifts noch komplett neue Modelle von Seat geben wird, grämt im Unternehmen niemanden. Die Händler haben alle Hände voll zu tun, den riesigen Bestellberg abzuarbeiten. Allein für Deutschland liegt er im hohen fünfstelligen Bereich.
Selbst für den Alhambra registriert Seat eine nach wie vor gute Nachfrage, obwohl das Van-Segment allgemein stark rückläufig ist. Der Van wird allerdings trotzdem in absehbarer Zeit aus dem Programm genommen, was den Handel aber weniger stört als der fehlende Mii Electric. Dass vielleicht ein Ableger des ID Buzz die Nachfolge des Alhambra antritt, darüber gibt es bislang keinen Beschluss. „Solch ein E-Fahrzeug hätte wohl jeder gern im Portfolio“, sagt Deutschlandchef Bauer.
Ab 2024: Ateca II mit Plug-in-Antrieb
Erst für 2024 steht die nächste Neuheit auf dem Plan: der Nachfolger des Ateca. Das SUV soll im Design einen deutlich dynamischeren Auftritt (Shark-Nose-Front ähnlich Cupra Tavascan, der für 2024 angekündigt ist) bekommen und spürbar Richtung Mittelklasse wachsen. Debüt wird im Ateca II ein Plug-in-Antrieb haben. Hierbei handelt es sich technisch um die letzte Evolutionsstufe des Konzern-Plug-in-Hybrids, die sich momentan bei Volkswagen im Endstadium der Entwicklung befindet. Das Ziel für die elektrische WLTP-Reichweite liegt bei 80 Kilometern.
Eine vollelektrische Version wird es nicht geben, denn der Ateca II basiert weiterhin auf der MQB-Plattform. Zu hören ist, dass angeblich unterhalb des nun größeren Ateca kein neues Modell platziert wird. Diese Lücke füllt bestens der Cupra Formentor aus, der obendrein die wesentlich höheren Gewinne einfährt.
Cupra wird 2024 neben dem Formentor wohl zusätzlich ein SUV bekommen, das mit dem Audi Q3 produziert wird.
Erster Vollstromer kommt 2025
Der erste Vollstromer unter dem Markenlabel Seat dürfte dann 2025 debütieren. Bis dahin lässt Seat seine beiden heutigen Kleinsten, den Ibiza und den Arona, weiterlaufen. Deren Nachfolge könnte ein Kompakt-EV antreten. Dieses würde wie der Cupra Urban Rebel (Name der Studie), der VW ID 2 und das entsprechende Derivat von Skoda auf einer abgespeckten MEB-Architektur stehen, die derzeit unter dem Namen MEB-Entry von Cupra entwickelt wird.
Cupra hatte sich für diesen „Job“ in Wolfsburg beworben und den Zuschlag erhalten. Auch die Fertigung der kleinen Stromer geht nach Spanien. Dafür wird in Martorell, der Heimatstadt von Seat, eine entsprechende Produktion aufgebaut. All dies deutet darauf hin, dass die Marke Seat sehr wohl eine Zukunft hat, wenn auch nicht gleich eine gänzlich vollelektrische. Schließlich möchte man auch Märkte bedienen können, die in Sachen E-Mobilität noch ein bisschen hinterherfahren – Spanien zu Beispiel.
Stand: 08.12.2025
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