Neuzulassungen 2023 Privatkanal auf dem Rückzug

Von Jens Rehberg 2 min Lesedauer

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Die fehlenden Subventionen für E-Autos haben den Jahresendspurt 2023 verhalten ausfallen lassen. Insgesamt ist der Pkw-Markt wieder gewachsen – der rentable Privatmarkt aber wird anteilig schwächer.

Die deutschen Hersteller kamen mit ihren Fabrikaten bis auf Ford gut durch das letzte Verkaufsjahr und verzeichneten Zuwächse.(Bild:  Rehberg / »kfz-betrieb«)
Die deutschen Hersteller kamen mit ihren Fabrikaten bis auf Ford gut durch das letzte Verkaufsjahr und verzeichneten Zuwächse.
(Bild: Rehberg / »kfz-betrieb«)

Gute Benziner- und BEV-Verkäufe haben dem deutschen Neuwagenmarkt im vergangenen Jahr ein Plus von über sieben Prozent im Vergleich zu 2022 eingebracht. Nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) ergänzten 2023 rund 2,84 Millionen Neuwagen den deutschen Kfz-Bestand. Dabei gingen die Verkäufe an Privat anteilig wieder zurück: Wurden 2022 noch 34,7 Prozent der Neuzulassungen von Privatpersonen getätigt, ging dieser Anteil im gerade abgelaufenen Verkaufsjahr auf 32,8 Prozent zurück.

Das Wachstum des deutschen Marktes ist vor allem auf eine gestiegene Nachfrage nach Benzinmotoren (+13,3 %) und nach BEVs (+11,4 %) zurückzuführen. Der Anteil von Plug-in-Hybriden am deutschen Antriebsmix dagegen brach um mehr als die Hälfte ein. Dafür boomten die Mild-Hybride.

Wankelmütiger Dezember

Im Schlussmonat des vergangenen Jahres verzeichnete das KBA mit knapp 242.000 Neuzulassungen ein drastisch geringeres Volumen als im Dezember 2022 (rund 314.000 Einheiten) – damals hatte die bevorstehende Streichung von staatlichen Elektro-Zuschüssen die Käufe zum Jahresende durch die Decke gehen lassen.

Die deutschen Hersteller kamen mit ihren Fabrikaten bis auf Ford gut durch das letzte Verkaufsjahr: Audi (+15,7 %), Mini (+14,4 %), Mercedes (+13,7 %), Porsche (+12 %) und BMW (+11,2 %) konnten zweistellig beim Inlandsvolumen zulegen, VW kam auf ein Plus von 7,9 Prozent und Opel landete mit plus 0,2 Prozent gerade so im schwarzen Bereich. Ford verkaufte hingegen hierzulande 11,2 Prozent weniger Pkw als im Vorjahr.

Unternehmensberater und Mobilitätsexperte Constantin Gall von EÝ rechnet für die kommenden Monaten nicht mit großen Sprüngen: „Das Elektrosegment als Wachstumsmotor fällt in diesem Jahr aus, der Neuwagenmarkt wird insgesamt voraussichtlich auf dem aktuell niedrigen Niveau stagnieren – und damit erneut substanziell unter dem Vorkrisenniveau liegen.“ Die aktuelle Konjunkturschwäche und die erheblichen geopolitischen Spannungen führten zu Kaufzurückhaltung sowohl bei Privatleuten als auch bei Unternehmen. „Gut möglich, dass 2024 ein verlorenes Jahr für die Autobranche wird“, lautet die nüchterne Prognose des Beraters.

Gelegenheiten auf dem Vormarsch

Für potenzielle Neuwagenkäufer könnten sich allerdings gute Gelegenheiten ergeben, so Gall: „Der Wettbewerb wird wieder zunehmend über den Preis ausgetragen, Rabatte und günstige Finanzierungsmodelle sind wieder auf dem Vormarsch.“ Das Preisniveau auf dem Neuwagenmarkt könnte im neuen Jahr deutlich sinken. „Die Margen der Hersteller damit allerdings auch.“

Constantin Gall rechnet damit, dass viele Neuwagenkäufer doch noch einmal zum Verbrenner greifen, anstatt sich für ein Elektroauto zu entscheiden. Der preisliche Abstand zwischen einem Verbrenner- und einem Elektro-Neuwagen sei derzeit – ohne staatliche Subventionen – noch immer zu groß.

Nach Berechnungen des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) waren und sind vom plötzlichen Stopp des staatlichen Umweltbonus Ende letzten Jahres rund 60.000 E-Fahrzeuge betroffen. Das habe eine Blitzumfrage des Verbands mit anschließender Hochrechnung ergeben. Demnach hätten zum Jahresende 2023 rund 30.000 E-Autos zur Auslieferung bereitgestanden. Für weitere rund 30.000 E-Autos seien Kaufverträge abgeschlossen, die Zulassung für 2024 geplant.

„Das Vertrauen in eine nachvollziehbare und rationale Politik der Bundesregierung zur Förderung der Elektromobilität ist massiv beschädigt worden – so kann man weder mit der Industrie noch dem Mittelstand umgehen,“ sagte ZDK-Präsident Arne Joswig am Donnerstag. „Wir brauchen eine klare und berechenbare Förderpolitik, um das Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen.“

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