Karpinski warnt vor geringerer Wertschöpfung

Verbandsversammlung des hessischen Kfz-Gewerbes

| Autor: Holger Zietz

ZDK-Präsident Jürgen Karpinski führte als Präsident des Landesverbands Hessen durch den Verbandstag.
ZDK-Präsident Jürgen Karpinski führte als Präsident des Landesverbands Hessen durch den Verbandstag. (Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Auf der Verbandsversammlung des hessischen Kfz-Gewerbes in Oberaula forderte Landesverbandspräsident Jürgen Karpinski „endlich vernünftige Diskussionen“ über die Fragen der Abgaswerte und der individuellen Mobilität. „Der Kunde soll selbst entscheiden, wie er mobil bleiben will“, verdeutlichte Karpinski seinen Standpunkt. Die autofeindliche Stimmung in Deutschland führe zum Verlust von Arbeitsplätzen, „eine Vorzeigeindustrie wird an die Wand gefahren.“

In dieser Lage ist es dem Zentralverband gelungen, die Nachrüstung für Dieselfahrzeuge gegen alle Widerstände durchzusetzen. „Das war harte Verbandsarbeit“, erklärte Karpinski. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte auf der Bundestagung des Zentralverbandes in Berlin erst kürzlich erklärt: „Ich habe dazugelernt.“ Vorher hatte der Minister zu den überzeugten Gegnern einer Dieselnachrüstung gehört. Er hatte ursprünglich den Plan, dass der Fahrzeugbestand durch Neukauf nach und nach sauberer wird und die Abgasgrenzwerte in den Städten auf diese Weise langsam, aber sicher eingehalten werden.

Die Antriebstechnik werde klar zur Elektrizität wechseln, erwartet Karpinski. Alle Hersteller seien vor dem Hintergrund der Umweltgesetzgebung gezwungen, den Schadstoffausstoß zu senken. Die geringere Wertschöpfung am E-Auto werden Hersteller durch Angebote rund um das Fahrzeug ausgleichen wollen. „VW zum Beispiel denkt über Dienstleistungen nach.“ Handel und Werkstatt dürften sich daher nicht als verlängerter Arm der Mobilitätsdienstleister zufrieden geben. Nur noch Onlinebestellungen auszuliefern könne keine Perspektive sein.

Die Erfolgsrezepte neuer Anbieter

Gleichzeitig hat sich der Gebrauchtwagenhandel in den letzten Jahren durch das Internet stark verändert. „Der Kunde wendet sich bequem von der heimischen Couch an uns“, erklärte Robert Lasek, von Auto1.com, das Erfolgsrezept seines Hauses. Ist der Kunde vor Ort, dauert der Bewertungsprozess im Durchschnitt 45 Minuten, inklusive Verhandlung über den Preis mit dem Kunden. Unmittelbar im Anschluss wird das Fahrzeug auf der Vermarktungsplattform in über 30 Ländern angeboten.

Das große Vertriebsgebiet macht es möglich, unattraktive Fahrzeuge anzukaufen, die in anderen Ländern gesucht werden. „Wir kennen die lokalen Märkte,“ machte Lasek deutlich. Fahrzeuge werden vorwiegend in Nord- und Westeuropa angekauft und in ganz Europa verkauft. Lasek empfiehlt den Gebrauchtankauf zu professionalisieren und damit nur geschultes Personal zu beauftragen. Über den Gebrauchtwagen könne der Händler dann Finanzierungspakete und seinen Service verkaufen.

Das Internet macht inzwischen auch Abo-Modelle möglich. Vom Kleinwagen bis zum Luxusmodell hat der Anbieter Cluno alle Fahrzeuge als Abonnement im Angebot, das über eine App bei einer Mindestmietzeit von sechs Monaten verfügbar wird. Im Preis ist bis auf den Kraftstoff alles enthalten. Farbe und Ausstattung werden von Cluno ausgesucht. „Das Auto muss ja später noch verkauft werden können“, erklärte Firmengründer Nico Polleti.

Der gelernte Automobilkaufmann sieht den Erfolg seiner Firma darin, frei von den Zwängen eines Vertragshändlers planen zu können. Dabei sei es keines Wegs leicht gewesen das notwendige Kapital für das Unternehmen bei den Banken zu bekommen. Für den Kunden stehen zurzeit 70 Modelle zur Auswahl. Zum Vertragsabschluss lädt der Kunde eine Bilddateien von Führerschein und Gehaltsnachweis hoch. Die Bonitätsprüfung läuft im Hintergrund ab.

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